Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Borgmeier PR/Axel Kammann)

Heute im Interview: Birte Habedank, Kinder- und Jugendzahnärztin aus Berlin mit Tipps zum Tag der Zahngesundheit am 25. September 

Frau Habedank, Am diesjährigen Tag der Zahngesundheit, der am 25. September stattfindet, steht die Gesundheit der Milchzähne im Fokus. Warum sind regelmäßige Zahnarztbesuche so wichtig?
Regelmäßige Zahnarztbesuche sorgen dafür, dass Karies und Co. keine Chance haben. Doch insbesondere für Kinder bedeutet der erste Gang zum Zahnarzt viele neue Eindrücke und manchmal auch Angst vor dem Unbekannten. Um die Behandlung so angenehm wie möglich zu gestalten, spielt die Kommunikation eine große Rolle, denn nichts wirkt bedrohlicher als gefürchtete Wörter wie Bohrer, Spritze oder Zange. Moderne Praxen haben ihre Wortwahl deshalb inzwischen an die junge Patientengruppe angepasst.

Wie nehmen Zahnärzten den Kindern die Angst?
Während Zahnärzte Kindern erklären, was sie tun werden, achten sie außerdem auf ihre Wortwahl. Kindgerechte Umschreibungen helfen dabei. Anstelle von Bohrer heißt es dann Krabbler und der Sauger wird mit dem Namen Schlürfi betitelt. Spinnt der Arzt um die Behandlung und die Instrumente eine fantasievolle Geschichte, lenkt dies zusätzlich ab. „Sätze wie ‚es tut gar nicht weh‘ vermeiden wir, da sie die Gedanken der Kinder auf potenzielle Schmerzen lenken. Stattdessen nutzen wir positive Formulierungen. So sagen wir, dass der Zahn schläft, wenn wir die sogenannte Einschlafmarmelade, also ein örtliches Betäubungsgel, auftragen. Wenn die Kleinen gut mitmachen, indem sie den Mund weit öffnen oder tapfer durchhalten, bekommen sie Lob, denn so fühlen sie sich wertgeschätzt und bleiben motiviert. Auch Ablenkung während der Behandlung hilft. Manche Zahnärzte setzen in ihrer Praxis Flatscreens an der Decke ein, über die sie Filme abspielen, die sogleich die ganze Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen. Andere Praxen arbeiten mit Spielzeugen wie einem Zauberstab, in dem Glitzerpartikel schwimmen. Nach überstandener Behandlung verteilt der Zahnarzt oftmals eine kleine Belohnung. Dieses Vorgehen schließt den Eingriff positiv ab und erzeugt Vorfreude auf den nächsten Besuch.

Wie können sich Eltern dabei einbringen?
Begleitpersonen dürfen selbstverständlich im Sprechzimmer anwesend sein, sollten sich dann jedoch ruhig verhalten, denn die Hauptperson sitzt auf dem Behandlungsstuhl. Alles Notwendige besprechen die Erwachsenen vor oder nach der Untersuchung, aber nicht währenddessen, damit sich das Kind nicht übergangen fühlt. Oftmals übertragen Eltern ihre eigene Angst vor dem Zahnarzt unbewusst auf ihren Nachwuchs, indem sie von schlechten Erfahrungen berichten. Auf derartige Geschichten verzichten Mutter und Vater im Vorfeld einer Behandlung besser, damit ihre Kinder dem Zahnarzt neutral und ohne Furcht gegenübertreten. Auch Drohungen wie „Wenn du nicht die Zähne putzt, muss der Zahnarzt bohren“ sollten Eltern vermeiden, da sie ein negatives Bild des Arztes im Kopf der Kinder verankern. Wenn Zahnarzt und Eltern gemeinsam auf ihre Wortwahl achten, bedrohlich klingende Wörter vermeiden und auf die Kinder eingehen, kann die ganze Familie dem Zahnarztbesuch viel entspannter entgegenblicken.
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