Von Frau zu Frau

Katharina Christ (Foto: Foto: Wiener)

Heute im Interview: Katharina Christ M.A.,
Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Ausstellungen in der Schweinfurter Kunsthalle und zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Frau Christ, schon auf der Autobahn ist zu lesen „Schweinfurt – Industrie und Kunst“. Mit Industrie können sicher viele was anfangen, mit Kunst weniger. Was sind die herausragenden Eckpfeiler des Kunstwesens in der Stadt?
Tatsächlich wissen viele nichts damit anzufangen und unsere Aufgabe ist es zum einen attraktive Kunstangebote zu erstellen und zum anderen diese auch einer breiten Bevölkerungsschicht begreiflich zu machen. Mit der Kunsthalle hat die Stadt Schweinfurt ein national beachtetes Zentrum für deutsche Kunst nach 1945 geschaffen. Wir werben aber auch um die Herzen der ortsansässigen Bevölkerung. Und es ist schließlich nicht nur die Kunsthalle. Mit dem Georg Schäfer-Museum gibt es eine weitere Institution von internationalem Format und daneben auch die Ikonensammlung wie Gegenstände der Feuererzeugung im Gunnar-Wester-Haus, das Museum Altes Gymnasium, das derzeit komplett erneuert wird und den Künstlerhof in Oberndorf. Nicht zu vergessen sind die Sparkassen-Galerie und das Angebot der freischaffenden Künstler in Schweinfurt. Auf die Einwohnerzahl bezogen ist der freischaffende Bereich sogar größer als der in München. Das große Selbstbewusstsein Schweinfurter Künstler zeigt sich auch in vielen Arbeitskreisen und Workshops, die diese veranstalten.

Sie haben die weit reichende Bedeutung der Kunsthalle und des Museums Georg Schäfer angesprochen. Sehen Sie sich als Konkurrenten oder welche Möglichkeiten gibt es zur Ergänzung?
Mit der Spitzweg-Dauerausstellung und dem Schwerpunkt auf Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts ist das Museum Georg Schäfer ganz anders ausgerichtet als die Kunsthalle, die überwiegend Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert ausstellt. Derzeit zeigen wir beispielsweise in unserer Ausstellung „Kraftvolle Passion“ zwei Leihgaben aus dem Museum Georg Schäfer und entwickeln weitere gemeinsame Aktionen. Uns ist wichtig, dass Schweinfurt verstärkt als Stadt der Kunst wahrgenommen wird. Es gibt also keine Konkurrenz, sondern ein gemeinsames Ziel, auf das wir zusammen hinarbeiten.

Wie machen sie das Kunstangebot „greifbar“ für die breite Masse?

Kunsterklärungen sind oft sehr wissenschaftlich gehalten, was für den Kunstfachmann sicher auch richtig ist. Der „normale“ Bürger kann damit aber meist nur wenig anfangen. Man muss Kunst für Alle verständlich machen. Wir veranstalten dazu beispielsweise Treffen mit Künstlern, bei denen über Gott und die Welt gesprochen wird. Und diese Treffen finden nicht nur in der Kunsthalle statt, sondern so wie demnächst auch in der Sparkassengalerie und am Stadtstrand mit Robert Weissenbacher. Oder die Kunsthalle verwandelt sich in ein riesiges Atelier, in dem der Besucher dem Künstler über die Schulter schauen kann, so wie zuletzt bei Peter Casagrande. Das war für alle Beteiligten einmalig. Und überhaupt bieten sich die klimatisierten Räume der Kunsthalle jetzt im Sommer zu einer erfrischenden Pause an. Der Innenhof kann sogar kostenfrei für eine Zeit der Ruhe in Anspruch genommen werden.

Welche Ausstellungen hatten eine ganz besondere Strahlkraft?

Ich selber bin erst seit März dieses Jahres hier. Aus Nordheim stammend und in München studierend habe ich natürlich immer auch das Geschehen in Schweinfurt mitbekommen. Die Sammlung Gunter Sachs die 2013/14 das letzte Mal komplett in Schweinfurt zu sehen war, war sicher eine Sensation. Grundsätzlich hat aber jede Ausstellung ihren tieferen Sinn. Jede Art von Kunst regt zum Nachdenken an und Menschen, die sich dem öffnen, treffen im Allgemeinen die besseren Entscheidungen und sind toleranter.

Wie sind sie selber zur Kunst bzw. nach Schweinfurt zur Kunsthalle gestoßen?
Auf einer Schulfahrt nach Berlin hat mich ein einzelnes Kunstwerk so in den Bann gezogen, dass ich mich von da an immer stärker für Kunst interessiert habe. Diese Begeisterung für die Kraft, die in der Kunst steckt, will ich weitergeben und so meine Heimat voranbringen.
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