Von Frau zu Frau

Erdtrud Mühlens, Gründerin von Netzwerk Nachbarschaft (Foto: Foto: Netzwerk)

Heute im Interview: Erdtrud Mühlens, Gründerin des „Netzwerk Nachbarschaft“, einer zentralen Community für aktive Nachbarn.

Frau Mühlens, jeder vierte Deutsche hinterlegt einen Wohnungsschlüssel beim Nachbarn – das belegt eine aktuelle Umfrage von Netzwerk Nachbarschaft. Ist diese Methode zu empfehlen?
Ja! Die Tür fällt ins Schloss, der Schlüssel liegt in der Wohnung oder ist verloren worden: wer schon mal den Schlüsselnotdienst beauftragen musste, weiß von den teuren Folgen solch kleiner Nachlässigkeiten. Dieser Situation kann man ganz einfach vorbeugen, indem man beim Nachbarn seines Vertrauens einen Zweitschlüssel hinterlegt. Nachbarn sind schnell erreichbar und vertrauenswürdig.

Inzwischen gibt es ja richtig gehende „Schlüsselnachbarschaften“. Wie sehr bewähren sich solche Modelle?
Bei längeren Abwesenheiten hat sich die „Schlüsselnachbarschaft“ als Erfolgsmodell bereits bestens bewährt. In Kombination mit kleinen Diensten wie Blumen gießen, den Rasen mähen, Briefkasten leeren oder Licht einschalten wird bewusst der Eindruck vermittelt, die Wohnung sei bewohnt. Tut sich dagegen über einen längeren Beobachtungszeitraum nichts in Wohnung oder Haus, ist die Einbruchsgefahr höher. 2016 gingen die Einbrüche um 10 Prozent zurück, die Quote der frühzeitig abgebrochenen Einbruchs-Versuche stieg auf mehr als 40 Prozent. Laut Polizei tragen die hohe Aufmerksamkeit in Nachbarschaften und die besseren Präventionsmaßnahmen maßgeblich zu dieser positiven Bilanz bei.

Wie können Nachbarn noch helfen?
Sicherheit ist ein entscheidender Wohlfühlfaktor in Nachbarschaften und das Bewusstsein für diese Lebensqualität steigt. Immer mehr Nachbarschaften würden das Thema als Gemeinschaftsaufgabe wahrnehmen. Höhere Aufmerksamkeit verhindert, dass Misstrauen und Angst Raum greifen. Es sind vielmehr die alltäglichen Handlungen wie die Haustür geschlossen halten, die Anbringung zertifizierter Sicherheitsschlösser, Bewegungsmelder und Beleuchtungssysteme für uneinsehbare Ecken.

Wie stark werden solche Nachbarschafts-Netzwerke genutzt?
Wir haben auf unserer Internet-Plattform im April die Frage gestellt: „Wem vertrauen Sie Ihren Wohnungsschlüssel an?“ Rund 30 Prozent überlassen ihre Schlüssel der Hausverwaltung, 24 Prozent vertrauen ihre Schlüssel einem Nachbarn an. 18 Prozent geben den Schlüssel Verwandten und 16 Prozent Freunden. Nur neun Prozent der Befragten behalten den Schlüssel für sich.

Wer kann alles mitmachen?
Wer seine Nachbarn besser kennenlernen will, kann jetzt aktiv werden. Netzwerk Nachbarschaft ruft zum bundesweiten Wettbewerb „Die schönsten Nachbarschaftsaktionen 2017“ auf. Zahlreiche Beispiele und Projekte dienen den Mitgliedern als Anregung.
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