Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Creative Commons)

Heute im Interview: Diplom-Psychologin Lisa Fischbach, Leiterin der Abteilung Forschung & Matchmaking für das Partnervermittlungsportal „Elite-Partner“. Sie spricht über den „perfekten Heiratsantrag“.


Frau Fischbach, ein Heiratsantrag ist eine der größten Lebensentscheidungen. Was sollte man dabei unbedingt beachten?
Zweisamkeit ist wichtiger als große Gesten oder ein Verlobungsring. Unsere Ergebnisse zeigen: Es gibt nicht den perfekten Heiratsantrag, der die Mehrheit begeistert. Und doch ist es den Menschen in Deutschland am wichtigsten, dass ein Antrag vertraut und nur zu zweit stattfindet. Mit 44 Prozent liegt der Aspekt auf Platz eins und damit deutlich vor dem Wunsch nach einer besonderen Umgebung, wie Strand oder Sehenswürdigkeit (27 Prozent) oder außergewöhnlichen Aktionen, wie ein Antrag im Heißluftballon (9 Prozent). Die „Klassiker“ sind dagegen nur einem Teil der Befragten wirklich wichtig: Für 29 Prozent gehört ein Verlobungsring unbedingt dazu und jeder Siebte möchte, dass der Partner auf die Knie geht.

Ist ein „offizieller“ Heiratsantrag heute überhaupt noch zeitgemäß?
In der Tat. Jeder Dritte möchte gar keinen Antrag mehr sondern wünscht sich, dass man sich schlicht gemeinsam entschließt, zu heiraten. Ganz modern und – wortwörtlich – auf Augenhöhe. 16 Prozent sind immerhin so unkonventionell, dass sie einen spontanen Antrag perfekt finden, der ohne Planung, aus dem Affekt heraus passiert.

Wer sollte alles eingweiht sein, wenn der Heiratsantrag vorgebracht wird?
Heiratsanträge vor Freunden und Familie oder auf der Bühne sind nicht sonderlich beliebt. Nur vier Prozent finden einen Antrag perfekt, wenn Freunde, Familie oder beide dabei sind. Und einen Heiratsantrag vor großem Publikum, etwa auf der Bühne, wünscht sich nur ein Prozent der Befragten. Wer also Großes für die nächste Sportveranstaltung oder das Lieblingskonzert plant, sollte sich sehr sicher sein, dass der oder die Liebste zu diesem einen Prozent gehört. Auch ein Foto oder Video von dem Moment spielen für die meisten keine Rolle (7 Prozent).

Welche Unterschiedlichen Ansichten bezüglich eines Heiratsantrages gibt es zwischen Frauen und Männern?
Schon die ElitePartner-Studie 2016 ergab in einem Punkt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Während 48 Prozent der Frauen der Ansicht sind, der Antrag sei Männersache, sehen das nur 29 Prozent der Männer so. Ähnliches zeigt nun die ElitePartner-Studie 2017. Mehr Männer als Frauen wünschen sich eine gemeinsame Entscheidung anstatt eines Antrags (Männer: 37 Prozent, Frauen: 30 Prozent). In dieser Hinsicht scheinen Männer emanzipierter als Frauen. Oder sie sind schlicht überfordert vom Erwartungsdruck, der auf ihnen lastet und möchten sich geschickt aus der Affäre ziehen. Die Studie zeigt außerdem, dass Männer vielleicht die größeren Romantiker sind: Ihnen ist die besondere Umgebung beim Antrag wichtiger als Frauen (Männer: 30 Prozent, Frauen: 24 Prozent).

Wie unterschieden sich die Heiratswilligen gemäß ihres Alters?
Gerade die jüngste Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen ist erstaunlich wenig modern und legt Wert auf traditionelle Rituale rund um den Antrag. 53 Prozent wünschen sich einen Verlobungsring, bei den Frauen sogar 61 Prozent. Mehr als jeder Dritte erwartet einen Kniefall. Und fast jeder Fünfte (18 Prozent) der unter 30-Jährigen findet es perfekt, wenn die Eltern der Verlobung zugestimmt haben. In den folgenden Altersgruppen nimmt die Zustimmung rapide ab. So wünschen sich zwischen 30 und 39 Jahren nur noch 37 Prozent einen Ring, 20 Prozent den Kniefall und 7 Prozent die Zustimmung der Eltern. Der Wunsch, dass der Antrag eine gemeinsame Entscheidung sein sollte, nimmt dagegen mit dem Älterwerden stetig zu (unter 30 Jahre: 17 Prozent, 60–69 Jahre: 52 Prozent). Nur in einer Hinsicht sind die Jüngeren moderner eingestellt: Für immerhin 19 Prozent gehört es dazu, dass der Antrag auf Foto oder Video dokumentiert wird.

Welche Rolle spielt die Bildung?
Akademiker legen weniger wert auf Show: Ihnen ist es noch wichtiger, als Nicht-Akademikern, dass ein Antrag vertraut stattfindet. Fast jeder zweite (48 Prozent) legt Wert darauf, bei den Nicht-Akademikern sind es nur 41 Prozent. Auch einen Antrag als gemeinsame Entscheidung wünschen sich mehr Akademiker (37 Prozent) als Nicht-Akademiker (31 Prozent). Dafür können sie eher auf den Verlobungsring verzichten (Akademiker: 25 Prozent, Nicht-Akademiker: 32 Prozent).
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