Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Uni Dresden)

Heute im Interview: Privatdozentin Dr. Rita Bauer, psychologische Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden.

Frau Bauer, was sind die wesentlichen Symptome depressiven Verhaltens?
Erkrankte verspüren häufig Traurigkeit, Freudlosigkeit oder innere Leere. Auch Schuldgefühle sowie die mangelnde Fähigkeit, auf Freundlichkeit oder freudige Ereignisse emotional zu reagieren, werden berichtet, was wiederum die zwischenmenschlichen Beziehungen belastet. Depressiv Erkrankte berichten in der Regel über einen starken Interessenverlust und Rückzug aus dem sozialen Umfeld. Sie vermeiden es, Verantwortung zu übernehmen oder Entscheidungen zu treffen. In schweren Fällen kommen Wahnvorstellungen hinzu. Diese Betroffenen sind nur sehr schwer davon zu überzeugen, dass sie eine behandelbare, psychische Erkrankung haben.

Sind Burnout und Depression dasselbe?
Nein, allerdings sind die Übergänge zwischen beiden häufig fließend. Das Burnout-Syndrom wird in unserem internationalen Klassifikationssystem für psychische Störungen nicht als Krankheit im eigentlichen Sinne genannt, sondern als ein „Problem verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ verstanden. Beim Burnout ist das Hauptsymptom das „Ausgebranntsein“ im Sinne einer sehr starken Erschöpfung mit Kraftlosigkeit und Müdigkeit. Sie kann durch das Gefühl, den Anforderungen trotz hoher Leistungen nicht gerecht zu werden, sowie durch erhöhte Reizbarkeit ergänzt werden. Diese Anzeichen finden sich auch häufig bei der Depression.

Was sind die wichtigsten Ursachen oder Risikofaktoren für die Entstehung einer depressiven Erkrankung?
Familien-, Adoptions- und Zwillingsstudien haben den Nachweis erbracht, dass genetische Faktoren bei der Entstehung der Krankheit eine wichtige Rolle spielen. Aber wie bei allen psychischen Erkrankungen sind auch bei der Depression mehrere Faktoren verantwortlich, welche in individuell unterschiedlicher Gewichtung zu ihrem Ausbruch beitragen. Neben der Vererbung sind das negative Lern-erfahrungen in der frühen Kindheit und Jugend, wie zum Beispiel Gewalterfahrungen. Der dritte große Bereich umfasst aktuelle Stressoren wie chronische Überforderung und Belastungen, Schicksalsschläge und Verlusterfahrungen. Den vierten Bereich bilden organische Faktoren wie chronische, körperliche Erkrankungen und Störungen im Gehirnstoffwechsel. Ursache im Hirn ist immer ein Ungleichgewicht biochemischer Botenstoffe vor, bzw. ein Mangel des Hormons Serotonin.

Welchen Einfluss haben Belastungen im Job wie Unter-/Überforderung, Zeitdruck, digitaler Stress etc. auf die Entstehung von Depressionen?
Über längere Zeit wirkenden Stressfaktoren wird ein großer Einfluss bei der Entstehung einer Depression zugeschrieben. Der Mensch kann Stress jedoch relativ gut ohne Krankheitsgefährdung verarbeiten, wenn die Leistung in einem emotional guten Klima, geprägt von Kollegialität, Offenheit und Anteilnahme, abverlangt wird.

Wie viele Menschen in Deutschland leiden an Depressionen?
Die Depression ist eine der größten Volkskrankheiten in den entwickelten Ländern. In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Depression, also etwa vier Millionen Menschen. Im Laufe ihres gesamten Lebens bekommen 12 bis 17 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal eine Depression, die aber in vielen Fällen heilbar ist oder zumindest zurückgedrängt werden kann.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.