Standpunkt: Vernunft oder Genuß? SUV-Modelle aus Asien und Europa im mid-Vergleichstest

Zwei Mitteklasse-SUV mit Dieselmotor und doch so verschieden: Hyundai Tucson (links) und Mercedes-Benz GLC Coupé. (Foto: © Thomas Schneider / mid / TRD)
 
Der Hyundai ist 25 Zentimeter kürzer als der Mercedes. Wegen der stark abfallenden Dachlinie hat der Stuttgarter aber sogar weniger Platz im Innenraum. (Foto: © Thomas Schneider / mid / TRD)
 
Das Heck des GLC Coupé wirkt im Vergleich mit dem Tucson fast zierlich. (Foto: © Thomas Schneider / mid / TRD)
Hyundai Tucson vs. Mercedes GLC Coupé: Ein ungleiches SUV-Duell

(TRD/MID) – „Form follows function“ lautet ein Design-Leitsatz. Angesichts des anhaltenden SUV-Trends stellt sich die Frage, ob diese Vorgabe, nach der sich die Form an der Funktion orientiert, in der Autobranche noch Gültigkeit hat. Müsste es vielmehr heißen: Form braucht keine Funktion? Der (mid )Motor-Informations-Dienst hat zwei Vertreter der beliebten Fahrzeuggattung getestet, einen für Vernünftige und einen für Genießer.

Auf den ersten Blick ist es ein ungleiches Duo:Hyundai Tuscon und Mercedes-Benz GLC Coupé. Das Korea-SUV kostet als Blue 1.7 CRDi mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in der schon sehr umfangreichen, zweithöchsten Ausstattungsvariante „Style“ ab 33.090 Euro. Für den Stuttgarter sind mindestens 51.289 Euro fällig. Dazu kommen 3.867,50 Euro für das „designo“-Innenraumpaket mit zweifarbigen Lederpolstern. Allrad und 9-Gang-Automatik sind hier bereits Serie. Doch ist der Mercedes auch so viel besser, wie es der inklusive Optionen im Endeffekt rund doppelt so hohe Preis vermuten lassen könnte?

Zunächst ist der Mercedes 25 Zentimeter länger als der Hyundai: 4,73 Meter stehen 4,48 Meter gegenüber. Bemerkbar macht sich das nur, wenn man beide SUV nebeneinanderstellt und umrundet. Innen steht der Koreaner dem Deutschen in nichts nach, im Gegenteil. Der Tucson ist geräumiger, die Fond-Passagiere haben mehr Platz, was der beim Mercedes stark abfallenden Dachlinie zuzuschreiben ist. Und: Das Kofferraumvolumen ist beim Tucson mit 513 bis 1.503 Liter größer als beim GLC Coupé, der 500 bis 1.400 Liter zu bieten hat. Auch hier kostet die Coupé-Linie Platz, die 25 Zentimeter mehr fallen nur bei der Parkplatzsuche ins Gewicht. So viel zum Thema „Form follows function“.

Wir haben uns sowohl den Hyundai als auch den Mercedes mit der zweitstärksten Diesel-Motorisierung, die beide Hersteller für die Modellreihe zu bieten haben, auf den Hof gestellt. Beim Tucson bedeutet das, dass ein 1,7 Liter großer Vierzylinder hinter dem wuchtigen Kühlergrill steckt, der 104 kW/141 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmeter bei 1.750 bis 2.500 Umdrehungen je Minute bietet. Mercedes-Kunden bekommen für mehr Geld auch mehr Dampf: 150 kW/204 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment, die bereits bei 1.600 bis 1.800 Umdrehungen anliegen und den stylischen Benz bis auf Tempo 222 rennen lassen. Die 100-km/h-Marke erreicht das GLC Coupé mit 2,1-Liter-Vierzylinder nach 7,6 Sekunden. Da kann der Hyundai nicht mithalten. Bei 185 km/h ist Schluss, der Spurt auf Tempo 100 dauert 3,9 Sekunden länger.

Eine lahme Ente ist der Tucson dennoch nicht. Er lässt sich dank relativ wenig Gewicht für die Fahrzeuggröße – 1.470 bis 1.623 Kilo je nach Ausstattung – flott bewegen und zeigt auch bei zackiger gefahrenen Kurven eine sehr gute Straßenlage ohne Schaukelbewegungen. Der Mercedes bringt 1.845 Kilo auf die Waage. Die Zusatzkilos machen sich zwar dank des bärenstarken Motors beim Fahren nicht bemerkbar, dafür aber an der Zapfsäule. Während sich der Hyundai bei der Testfahrt mit 7,8 Liter Diesel je 100 Kilometer begnügte, waren es beim Mercedes neun Liter. Werksangaben: 4,9 Liter beim Hyundai, 5,0 Liter beim Mercedes.

Diese Zusatzkosten beim Spritverbrauch werden die GLC-Fahrer verschmerzen können – es ist unrealistisch davon auszugehen, dass der Wert dafür sorgen könnte, einem Mercedes-Fan einen Tucson schmackhaft zu machen. Aber: Wer sich den Tucson nach Hause holt, muss sich nicht grämen, dass es kein GLC Coupé ist, das in der Einfahrt steht. Denn auch der Hyundai bietet ein sehr ansprechendes Design und eine tadellose Verarbeitung.

Klar, beim Mercedes ist alles ein bisschen edler, was angesichts des Preisunterschieds aber auch erwartet werden kann. Das große Plus des Sternen-SUV ist der Allradantrieb, der dem Mercedes spürbar Mehrwert verleiht. Wer sich zusätzlich noch für die aufpreispflichtige Luftfederung „Air Body Control“ – für 2.261 Euro extra – entscheidet, bekommt im Segment der Mittelklasse-SUV sicher das beste Fahrwerk, das zu haben ist.

Zum einen verbessert es die Offroad-Eigenschaften dank fünf Zentimeter mehr Bodenfreiheit, zum anderen passt sich die Dämpfung automatisch der aktuellen Fahrsituation an. Ob Sänfte oder straffer und – im Sportmodus – höher drehender Sportler, das GLC hat für jeden Geschmack etwas zu bieten. Der Hyundai fährt zwar nicht mit adaptivem Fahrwerk vor, bietet aber ebenfalls einen „Drive-Mode-Schalter“ der die Optionen „Normal“ und „Sport“ zur Wahl stellt und auf Gasannahme und Lenkung Einfluss nimmt.

Beide Autos bieten serienmäßig zahlreiche Assistenten, die dem Fahrer das Leben erleichtern und die Sicherheit erhöhen. Der Hyundai fährt beispielsweise mit Fahrerassistenz-Paket inklusive Spurhalte- und Verkehrszeichen-Assistent vor, das ist in der Ausstatung „Style“ Serie. Das Sicherheits-Paket mit autonomem Notbrems-Assistent inklusive Frontkollisionswarnung, Totwinkel-Assistent und Querverkehrswarnung hinten kostet 1.100 Euro extra. Ebenfalls Serie: Ein Multi-Media-System mit 8-Zoll-Display und integriertem Navi ist ebenfalls serienmäßig in der Style-Ausstattung.

Bildergalerie und Technische Daten

Bei Mercedes ist der aktive Notbrems-Assistent immer an Bord, ebenso der Müdigkeitswarner. Wer sein GLC Coupé in Sachen Assistenten optimal bestücken möchte, zahlt für das Fahrassistenz-Paket Plus inklusive Abstands-Pilot „Distronic“ mit Lenk-Pilot, aktivem Brems-Assistenten mit Kreuzungsfunktion, aktivem Totwinkel-Assistenten sowie aktivem Spurhalte-Assistenten 2.499 Euro. Dann fährt der Benz allerdings auch fast von alleine.

Wie viel besser ist das Mercedes GLC Coupé als der Hyundai Tucson? Antwort: So viel besser, dass der erhebliche Preisunterschied gerechtfertigt ist. Würde der Hyundai deutlich über 55.000 Euro kosten, wäre er der klare Verlierer. Für knapp über 33.000 Euro bietet er viel, fährt mit umfangreicher Serienausstattung vor – und muss sich vor dem GLC Coupé, einem der besten SUV der Mittelklasse, nicht verstecken. Das kostet allerdings auch schnell mehr als 70.000 Euro, wenn man sich beim Häckchensetzen im Konfigurator nicht zügelt. Ob die Vernunft siegt oder die Genuss-Lust, entscheiden am Ende Kopf, Bauch und Geldbeutel.
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