Oh Mann!

(Foto: Foto: privat)

Heute im Interview: Carl-Christian Thier, Anwalt der Kanzlei Urban Thier & Federer P.A für deutsch-amerikanisches Recht


Wer träumt nicht von einem Ferienhaus im sonnigen Kalifornien oder einer schicken Wohnung in Florida? Der American Way of Life erfreut sich kontinuierlich äußerster Beliebtheit. Hinzu kommt, dass diese Art von Investition heutzutage vielen Deutschen als attraktive Altersvorsorge gilt.

Was sollte man beachten, falls man sich solch einen Wunsch erfüllen will?
Meist verdrängen die Träume vom eigenen Feriendomizil unangenehme Themen wie Nachlass und Erbrecht. Wer denkt zu Lebzeiten schon gerne über den Tod nach? Trotzdem sollte sich jeder bereits im Vorfeld mit dieser Thematik auseinandersetzen. Es ist immer sinnvoll, sich frühzeitig darum zu kümmern, dass die US-Vermögensgegenstände nicht nur materiell wie gewünscht, sondern auch formell korrekt vererbt werden. So erspart man seinen Erben teure und langwierige Verfahren in den USA.

Wer erbt im Falle des Ablebens und wie läuft die gesetzliche Erbfolge ab? Noch viel wichtiger: Welche Vorschriften müssen bei der Erstellung von Testament oder Erbvertrag eingehalten werden?
Überlegungen wie diese stellen allgemein wichtige Aspekte dar, die bei dem Gedanken an den Nachlass und die Erbplanung Beachtung finden sollten, jedoch spielen sie bei Vermögen aus dem Ausland eine besonders wichtige Rolle. In puncto Erbrecht weichen die Regelungen von Land zu Land stark voneinander ab, deutliche Unterschiede lassen sich auch zwischen den deutschen Nachlassgesetzen sowie denen der einzelnen amerikanischen Bundesstaaten erkennen. Bei Unwissenheit führen diese Unterschiede schnell zu Schwierigkeiten bei der Testamentsgestaltung und Erbplanung sowie bei der Abwicklung und Verwaltung von deutsch-amerikanischen Nachlässen. Deshalb empfiehlt es sich immer, sich bezüglich der Erbplanung von einem Fachmann beraten zu lassen. So hängt die notwendige Form des Testaments oft von dem Land ab, in dem sich die Vermögensstände befinden. Handschriftliche Testamente, die in Deutschland eine anerkannte Form der Nachlassregelung darstellen, haben in den meisten US-Bundesstaaten vor dem Gesetz keine Gültigkeit, oder aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. So fällt bei unbesonnenen Handlungen das geliebte Ferienhaus in Kalifornien schnell den Erbschaftsgesetzen des Landes „zum Opfer“, in dem sich das Eigentum befindet. Dies kann dazu führen, dass das Haus an Personen übergeht, die der Erblasser gar nicht bedenken wollte.

Was sollte man außer dem Testament noch beachten?
Meist bedarf es noch mehr als der korrekten Testamentsform. In den USA übernimmt die Abwicklung des Erbvorgangs meist ein Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass das Erbe gerecht und gemäß dem Willen des Verstorbenen aufgeteilt wird, ausstehende Schulden bezahlt und offene Fragen geklärt werden. Weitere Schulden des Erblassers gehen in den USA jedoch nicht auf die Erben über. Im Normalfall gilt bei der Nachlassverwaltung das Gesetz des Ortes, an dem der Verstorbene zuletzt wohnhaft war. Sollte sich das Vermögen jedoch auf verschiedene Staaten oder Länder verteilen, kann eine zweite oder dritte lokale Nachlassabwicklung nötig werden.

Wie lange können solche Verfahren dauern?
Selbst bei Vorlage eines rechtsgültigen Testaments dauern Nachlassverfahren in den USA zwischen 12 und 18 Monate. Leider müssen sich deutsche Erben US-amerikanischer Vermögensgegenstände auf diese Wartezeiten einstellen. Bei Verzögerungen aufgrund von Uneindeutigkeiten im Dokument kann der Nachlass im schlimmsten Fall von den Verfahrenskosten aufgezehrt werden. Dies hebt die Bedeutung vorausschauender Planung und der Inanspruchnahme von Experten des amerikanischen Rechts noch einmal besonders hervor und zeigt, dass ein korrekt angefertigtes Testament dafür sorgt, dass das Erbe auch bei demjenigen ankommt, für den es der Verstorbene vorgesehen hat.
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