Oh Mann!

(Foto: Foto: HDI Versicherung)

Heute im Interview: Thorsten Sauer, Leiter Produktmanagement Kfz der HDI Versicherung zum Thema Unfallschwerpunkte auf Landstraßen

Rund 2.000 Menschen verunglückten 2014 auf deutschen Landstraßen tödlich, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Das waren 60 Prozent aller Verkehrsopfer. Landstraßen sind damit das gefährlichste Pflaster der deutschen Verkehrswege. Thorsten Sauer, Leiter Produktmanagement Kfz der HDI Versicherung, erklärt warum das so ist und was man dagegen unternehmen kann.

Trecker, Schlaglöcher und Bäume - gefährliche Kombinationen, das Fahren auf Landstraßen ist anspruchsvoll. Warum kommt es zu so vielen Unfällen?
Gründe dafür sind zum Beispiel sehr unterschiedliche Ausstattungen von Straßen oder Straßenabschnitten. Aber auch die vielen verschiedenen Nutzer fordern volle Aufmerksamkeit: Denn neben dem PKW und LKW sind auch langsam fahrende Traktoren oder ausladende Arbeitsmaschinen auf Landstraßen unterwegs. Dazu kommen flinke Motorräder, Radfahrer oder sogar Pferdefuhrwerke und Fußgänger. Und verschmutzte Straßenabschnitte, wechselnde Fahrbahnqualitäten oder eine unübersichtliche Verkehrsführung machen die Situation häufig noch komplexer.

Was können Kraftfahrzeugführer tun?
Landstraßenfahrten erfordern die ganze Aufmerksamkeit des Fahrers. Außerdem verzeiht die oft relativ hohe Geschwindigkeit gepaart mit häufig unzureichenden Sicherungsmaßnahmen am Fahrbandrand kaum Fehler. Hauptursache für Verkehrsunfälle auf Landstraßen sind Fahrfehler, so steht bei rund 60 Prozent der Landstraßen-Unfälle im Unfallbericht „Abkommen von der Fahrbahn“. Auch wenn bekannte Unfallschwerpunkte möglichst entschärft werden und Initiativen sich für die sichere Gestaltung von Landstraßen einsetzen - ersetzen lässt sich eine angemessene Fahrweise nicht.

Besonders ein Aufprall gegen feststehende Objekte zieht oft verheerende Folgen nach sich. Wie kann man vorbeugen?
Baumunfälle sind dabei oft besonders schwer. Denn eine Kollision mit einem Baum kann dazu führen, dass Autos regelrecht zerrissen werden. Insassen haben dann kaum eine Chance. Jeder Autofahrer sollte sich deshalb bewusst machen, dass Alleen und Straßenbäume bei aller landschaftlichen Schönheit ein erhebliches Risiko für ihn darstellen können. Er sollte deshalb seine Fahrweise anpassen und Geschwindigkeitsbegrenzungen unbedingt einhalten.

Besonders junge Fahrer sind bei Überholunfällen betroffen. Was macht diese Personengruppe oft verkehrt?
Typische Ursachen sind zum Beispiel falsches Einschätzen der Geschwindigkeit des Gegenverkehrs oder Überholen trotz unzureichender Sicht. Häufig geschehen aber auch Unfälle durch Abkommen von der Fahrbahn wegen zu hoher Geschwindigkeit beim Überholvorgang. Der Überholvorgang ist auf zweispurigen Landstraßen immer eine riskante Aktion. Der Zeitgewinn durch Überholen ist dagegen häufig minimal, bei dichtem Verkehr sogar ganz zu vernachlässigen. Andere Verkehrsteilnehmer überholen sollte man daher nur dann, wenn dies wirklich gefahrlos möglich ist. Zum Beispiel muss der Streckenverlauf der Straße weit genug einsehbar sein und die freie Strecke für das Überholen ausreichen. Denn der Gegenverkehr darf in keinem Fall gefährdet oder behindert werden. Der Überholvorgang selbst muss zügig durchgeführt, die zulässige Höchstgeschwindigkeit darf dabei aber trotzdem nicht überschritten werden.

Weitere Unfallschwerpunkte auf Landstraßen sind Kreuzungen und Einmündungen. Was sind die Ursachen?
Unübersichtliche Einmündungen, Sichtbehinderung durch Büsche oder fehlende Abbiegestreifen begünstigen oft diese Art der Unfälle. Für den Autofahrer, der sich auf der Landstraße einer Kreuzung oder Einmündung nähert heißt das: Erst auf die vorfahrtberechtigte Straße einfahren oder diese überqueren, wenn wirklich sicher ist, dass niemand behindert oder gefährdet wird. Aber auch, wer auf der Vorfahrtstraße unterwegs ist, tut gut daran aufmerksam zu sein sobald sich andere Fahrzeuge einem Knotenpunkt nähern. Sich darauf zu verlassen, dass die anderen immer aufpassen, kann tödlich sein.
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