Oh Mann!

(Foto: Foto: DKV)

Heute im Interview: Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung: Was bei Schnupfen und Husten wirklich hilft und wann Antibiotika sinnvoll sind


Die Nase läuft, der Hals kratzt, die Augen tränen – in der kalten Jahreszeit kommt kaum jemand um eine dicke Erkältung herum. So mancher Patient hofft, die lästigen Symptome mit Antibiotika möglichst schnell wieder loszuwerden. Doch der voreilige Griff zu solch starken Medikamenten schadet meist eher als er nutzt. Wie eine Erkältung verläuft, was dagegen hilft und wann Antibiotika nötig sind, erklärt Dr. Wolfgang Reuter, Gesundheitsexperte der DKV Deutsche Krankenversicherung.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit treiben gerade im Winter Scharen von Patienten in die Arztpraxen. Nicht selten verlassen sie die Sprechstunde mit einem Rezept für Antibiotika in der Hand. Wie sinnvoll sind diese Medikamente bei einer Erkältung?
Antibiotika helfen gegen Bakterien. Erkältungen werden aber fast immer von Viren ausgelöst. Bei den üblichen Erkältungssymptomen wie Schnupfen und Halsschmerzen sind Antibiotika also nutzlos. Sie lindern weder die Symptome noch verkürzen sie die Dauer der Erkrankung. Anders ist es, wenn sich die Patienten zusätzlich eine bakterielle Infektion eingefangen haben. Typische Anzeichen einer solchen sogenannten Superinfektion sind eitriger Schnupfen, vereiterte Mandeln, Fieber, grünlich-gelber Auswurf oder Atemnot. Patienten sollten daher genau abklären lassen, ob Antibiotika in ihrem Fall sinnvoll sind oder nicht – und welches Präparat das richtige ist. Am besten, der Arzt macht eine Blutuntersuchung oder nimmt einen Abstrich aus Nase oder Rachen.

Ist es problematisch, wenn ein Patient häufig Antibiotika nimmt? Was sollten Kranke bei einer Behandlung mit Antibiotika generell beachten?
Aktuelle Studien raten von einem breiten Einsatz von Antibiotika bei leichten Erkrankungen wie Erkältungen ab. Bakterien können sich an die Wirkstoffe gewöhnen und resistent werden. Das bedeutet: Bei einer schweren Erkrankung kann der Patient in Lebensgefahr geraten, weil die Präparate nicht mehr wirken. Außerdem haben die meisten Mittel starke Nebenwirkungen. Sie töten nicht nur die schädlichen Bakterien, sondern setzen auch der Haut-, Mund- und Darmflora zu. Deshalb können Durchfälle, Ausschläge oder Pilzinfektionen die Folge sein. Antibiotika sollten daher so sparsam wie möglich zum Einsatz kommen. Wenn es aber einmal nötig ist, sollten sich die Patienten unbedingt an die Anweisungen des Arztes halten, was Dosierung und Dauer der Einnahme angeht. Denn viele setzen die Tabletten ab, sobald sie sich besser fühlen. Aber Bakterien sind zäh. Wenn einige überleben, können sich neue Stämme bilden – und das Risiko für eine erneute Erkrankung und eine Resistenz steigt.

Wenn nicht Antibiotika, was hilft dann gegen viral ausgelöste Erkältungen? Gibt es Mittel, mit denen Erkrankte ihre Symptome lindern können?
Die meisten Infekte heilen von selbst aus: In aller Regel erreichen Erkältungen nach zwei, drei Tagen ihren Höhepunkt, nach etwa einer Woche sollte das Schlimmste überstanden sein. Währenddessen sind Ruhe und ausreichend Flüssigkeit die besten Helfer. Schnupfennasen legen sich also am besten warm eingepackt aufs Sofa und trinken zwei bis drei Liter Wasser oder Kräutertee am Tag. Die Beschwerden lassen sich mit den klassischen Hausmitteln lindern. Eine Packung mit klein gehackter Zwiebel zum Beispiel hilft bei Ohrenschmerzen. Eine heiße Hühnersuppe verbessert das Wohlbefinden, zudem lässt ihr Dampf die Sekrete aus den Atemwegen abfließen. Gurgeln mit einem Aufguss aus Salbei, wilder Malve oder Kamille wirkt wohltuend bei Heiserkeit und Halsschmerzen, bei Husten hingegen haben sich Thymian und Spitzwegerich bewährt. Auch in der Apotheke gibt es eine Reihe rezeptfreier Erkältungsmittel: Schmerztabletten stillen Kopf- und Gliederschmerzen, Nasensprays sorgen für freien Atem.
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