Oh Mann!

(Foto: Foto: privat)

Heute im Interview: Markus Weidenauer, geschäftsführender
Gesellschafter der SecCon Group GmbH und langjähriger Ausbilder
für Waffenhandhabung, zur Gefahr durch falschen Selbstschutz

Selbstbewaffnung gefährdet mehr, als dass sie schützt?
Mit zunehmenden Anschlägen und Amokläufen, die auch in der Bundesrepublik zu verzeichnen sind, steigt zugleich die Anzahl der Bürger, die sich mit frei verkäuflichen Waffen und Verteidigungsmitteln ausstatten.

Ist die Anzahl an Waffenscheine gestiegen?
Das Bundesinnenministerium teilte auf Anfrage einer deutschen Sonntagszeitung mit, dass im Juni 2016 rund 402.000 kleine Waffenscheine im Nationalen Register gespeichert waren. Im ersten Halbjahr 2015 waren es noch knapp 270.000.

Hilft die zunehmende Selbstbewaffnung?
Eine zunehmende Selbstbewaffnung der Bürger bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit, ganz im Gegenteil! Für den Erwerb eines kleinen Waffenscheins werden lediglich simple Kriterien aufgerufen. Dazu zählt etwa, dass der Antragssteller volljährig sein muss, keine Vorstrafen aufweist und weder drogenabhängig noch körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. Nicht berücksichtigt wird ein Sachkunde- oder Haftpflichtversicherungsnachweis. Jeder, der einen kleinen Waffenschein erwirbt, kann ohne Vorkenntnisse oder Übungseinheiten Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen mit Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) mit sich führen und in Gefahrensituationen anwenden.Auch findet keinerlei Auseinandersetzung mit gesetzlichen Grundlagen wie dem Notwehrrecht statt. Jeder Laie mit entsprechender Genehmigung ist berechtigt öffentlich eine Waffe zu ziehen. Selbst ausgebildete Polizisten und Sicherheitsexperten können diese Gas- oder Schreckschusspistole auf den ersten Blick nicht von scharfen Waffen unterscheiden. So führt die Selbstbewaffnung auch viel schneller zur Eskalation einer Situation, insbesondere bei großen Menschenansammlungen.

Führt die Bewaffnung zu Misständen?
Im Getümmel vieler mit Schreckschusspistolen und Reizgas ausgestatteter Leute ist es kaum möglich, Täter und Opfer auseinanderzuhalten – letztendlich greift in so einem Chaos schnell jeder jeden an. Damit stellt die Selbstbewaffnung der Bevölkerung auch für Polizeibeamte und Sicherheitsexperten ein großes Problem dar und kann im schlimmsten Fall zur tödlichen Gefahr werden.
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