219.542 angezeigte Ladendiebstähle in den 100 größten Städten / Tendenz steigend

Es wird immer schlimmer / Diebstahlshochburgen sind u.a.: Flensburg, Hamburg, Berlin, Bremen, Frankfurt a.M., Dresden, Leipzig, Passau, Aachen, Saarbrücken, Ulm, Regensburg, Nürnberg, Lübeck, Hannover, Osnabrück, Ulm, Karlsruhe, Heidelberg, Halle/Saale, Magdeburg, Erfurt, Kassel, Kiel, Trier / Über 90% der Straftaten bleiben unentdeckt.

Der Winterschlussverkauf wird - wenn auch nicht mehr offiziell - in Deutschland traditionell ab Ende Januar für zwei Wochen durchgeführt. Doch er sorgt nicht überall für Freude. Denn mit den großen „Sales“-Schildern werden auch ungebetene Gäste angelockt: die Landendiebe! Sie sorgen dafür, dass sich von Jahr zu Jahr der Trend verschärft, dass in Deutschlands Einzelhandelsgeschäften immer mehr an Waren abhandenkommt, also geklaut wird. Erst kürzlich durchsuchten 600 Polizisten im Freistaat Sachsen 30 Objekte. Der Verdacht: Die Orte könnten Umschlagplätze für Diebesgut sein, in diesem Fall vor allem für Lebensmittel und Kosmetika. Es gab zahlreiche Verhaftunge.

Wie schlimm der „Volkssport“ Ladendiebstahl längst ist, zeigt nun eine Studie des deutschen Preis- und Produktvergleichsportals billiger.de in den 100 größten deutschen Städten sowie 40 Landkreisen. Fakt ist: Es bedienen sich alle möglichen Leute gerne - weil kostenlos - in den Regalen und Auslagen: Ob Omas oder Opas, Grundschüler, Studenten oder Arbeiter, aber auch der Migranten und Bandenkriminelle aus dem Ausland. Selbst 360-Grad-Überwachungskameras und Diebstahlsicherungen schrecken viele nicht ab.

Allein in dem aktuell ausgewerteten Jahr 2015 – Daten zu 2016 liegen noch nicht flächendeckend vor – gab es in ganz Deutschland insgesamt 369.465 angezeigte Ladendiebstähle. Das sind fast 7 Prozent mehr als noch im Vorjahr, also ein Plus von 23.692 Diebstählen. Rechnet man die Gesamtanzahl der polizeilich festgehaltenen Ladendiebstähle zusammen, heißt dies: Tag für Tag kommt es in Deutschland zu mindestens 1.012 Einsätzen der Polizei wegen Ladendiebstählen.

Von den 369.465 zur Anzeige gebrachten Klau-Vorgängen im Einzelhandel entfallen alleine 219.542 auf die 100 größten Städte Deutschlands. Das sind rund 60%. Was bedeutet: Besitzer von Geschäften sind in Städten besonders gefährdet, also dort, wo es viel Laufkundschaft gibt, die man nicht kennt. Kein Wunder, dass mit 24.539 angezeigten Ladendiebstählen die 40 untersuchten deutschen Landkreise relativ glimpflich davonkommen. (Tabellen berücksichtigen)

Problem: Über 90% der Ladendiebstähle werden gar nicht „polizeibekannt“. Sie bilden die sogenannte Dunkelziffer, fallen erst bei Inventuren auf und werden dann vom Handel als Verlust verbucht. Handelsexperten schätzen, dass in Deutschland pro Jahr bis zu 26 Millionen Straftaten begangen werden. Während die Polizei von einem Schaden in Höhe von nur 31,5 Millionen Euro für 2015 ausgeht, schätzt der Einzelhandel den Schaden auf jährlich bis zu vier Milliarden Euro.

Diebstahlhochburgen von Flensburg über Hamburg, Bremen, Berlin bis nach Saarbrücken, Leipzig, Magdeburg, Regensburg, Frankfurt a.M. oder Passau…


Mit 1.150 Diebstählen pro 100.000 Einwohner belegt Saarbrücken (gesamt: 2.035 angezeigte Diebstähle) den zweiten Platz. Es folgt der Vorjahres-Erste Dortmund mit einer Quote von 1.139 je 100.000 Einwohner (6.613 absolut, -260 Delikte) und Heidelberg mit 1.083 Diebstählen im Einzelhandel je 100.000 Einwohner (1.675 absolut, +402 Delikte). Damit führt die Stadt an der deutsch-dänischen Grenze das deutsche Ranking der Städte mit den höchsten Ladendiebstahlsquoten an. Dabei wurden alle Städte, welche mindestens 15% über dem untersuchten deutschen Städte-Schnitt liegen, als Diebstahls-Hochburgen klassifiziert. Alle Städte, die mind. 15 Prozent unter der dem Durchschnitt liegen, gelten hingegen als vor Ladendieben sicher Städte.
Weitere Hochburgen sind: Hannover (1.076 Delikte je 100.000 Einwohner), Magdeburg (1.073 Delikte je 100.000 Einwohner), Bremerhaven (1.065 Delikte je 100.000 Einwohner), Berlin (1.038 Delikte je 100.000 Einwohner), Trier (1.029 Delikte je 100.000 Einwohner), Leipzig (1.028 Delikte je 100.000 Einwohner), Regensburg (1.021 Delikte je 100.000 Einwohner), Hagen (1.006 Delikte je 100.000 Einwohner), Neumünster (996 Delikte je 100.000 Einwohner), Aachen, Kassel (beide jeweils 974 Delikte je 100.000 Einwohner), Karlsruhe (971 Delikte je 100.000 Einwohner), Ulm (952 Delikte je 100.000 Einwohner) oder Kaiserslautern (949 je 100.000 Einwohner).

Ganz vorn dabei im Bereich der Klauhochburgen sind auch: Kiel (928 je 100.000 Einwohner), Erfurt, Nürnberg (beide 927 je 100.000 Einwohner), Wuppertal (918 je 100.000 Einwohner), Osnabrück (911 je 100.000 Einwohner), Bremen (910 je 100.000 Einwohner), Frankfurt am Main (908 je 100.000 Einwohner), Lübeck (903 je 100.000 Einwohner), Siegen (895 je 100.000 Einwohner), Halle a.d. Saale (886 je 100.000 Einwohner) oder Mönchengladbach (882 je 100.000 Einwohner). Ebenfalls bei Langfingern überdurchschnittlich beliebt: Passau (875 je 100.000 Einwohner), Dresden (873 je 100.000 Einwohner), Pirmasens (869 je 100.000 Einwohner), Paderborn (868 je 100.000 Einwohner), Essen (864 je 100.000 Einwohner) und Hamburg (860 je 100.000 Einwohner).

Als Diebstahlshochburgen wurden alle Städte klassifiziert, welche mindestens 15% über dem untersuchten deutschen Städte-Schnitt liegen. Umgekehrt gilt: Alle Städte, die mindestens 15% unter dem Klau-Durchschnitt liegen, gelten in dieser Studie als vor Ladendieben relativ sichere Städte.

„Klauarme“ Städte


Doch Deutschland ist nicht nur ein Land, in welchem sich immer mehr Langfinger breit machen. Es gibt zahlreiche Städte, wo sich der Einzelhandel etwas entspannter zurücklehnen kann und nicht permanent Angst haben muss, dass das neueste iPhone, der Lippenstift oder hippe Turnschuhe heimlich entwendet werden. Zu den relativ sicheren Städten gehören unter anderem: Speyer, Bayreuth, Leverkusen, Fürth, Kempten, Ingolstadt oder Mülheim an der Ruhr. Gemessen an der Einwohnerzahl ereignen sich in diesen Städten die wenigsten Ladendiebstähle. So hat Speyer mit „nur“ 241 Delikten je 100.000 Einwohner – statistisch betrachtet – die wenigsten Delikte im Vergleich. Selbst Erlangen mit 632 Anzeigen je 100.000 Einwohner zählt noch zum Bereich „Sicherer Einzelhandel“.

Diebstähle „auf dem Land“: Bayern sicher

Die Klau-Anonymität der Großstädte findet man auf dem Land weniger. Das spiegelt sich in den untersuchten Landkreisen wider. Hier liegen die Diebstahls-Quoten weniger hoch als in den Städten, doch auch in ländlichen Gebieten schreckt Strafe beim Erwischtwerden nicht immer vor Diebstahl ab. Ganz vorn bei den Ladendiebstählen pro Einwohner liegt der Landkreis Gießen in Hessen. Statistisch betrachtet ereigneten sich hier in nur einem Jahr 667 Straftaten je 100.000 Einwohner (absolut: 1.733). Platz zwei belegt der Landkreis Oder-Spree (Brandenburg) mit 643 Diebstählen je 100.000 Einwohner (absolut: 1.444). Es folgt der Landkreis Lörrach (Baden-Württemberg) mit einer Quote von 569 Diebstählen je 100.000 Einwohner (absolut 1.273 Delikte).

Sehr ruhig geht es in Bayern zu. Von den 20 als „sicher“ eingestuften Landkreisen kommen 15 aus dem Freistaat. Beispiel Oberpfalz: Im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab wurden 2015 nur 38 Diebstahl-Straftaten im Einzelhandel zur Anzeige gebracht. Das ergibt eine Diebstahlsquote von 40 Delikten je 100.000 Einwohner und liegt deutlich unter dem Durchschnitt (Tabellen bitte beachten). Es folgen die Kreise Südwestpfalz (45 Delikte je 100.000 Einwohner), Straubing-Bogen (52 je 100.000 Einwohner), Enzkreis (59 je 100.000 Einwohner) und Schweinfurt (64 je 100.000 Einwohner).

Die Ladendiebe: Nur 57% wohnen in Deutschland

Trotz Sicherheitsdienst in den Geschäften, Videoüberwachung und Diebstahlsicherungen an den Produkten bleiben viele Einzelhändler für Ladendiebe reine Selbstbedienungsläden. Die riesige Dunkelziffer lässt aber nur einen begrenzten Blick auf die Täter zu. Fakt ist: Nur 57% aller ermittelten Tatverdächtigen haben ihren Wohnsitz in Deutschland. Erhoben wird allerdings nicht, ob es einen Migrationshintergrund gibt.

Aus Ost- und Südosteuropa (u.a. Rumänien, Polen, Albanien, Serbien und Kosovo) stammen immerhin 24% der Tatverdächtigen. Gefasste Diebe aus Nordafrika, dem Maghreb (u.a. Algerien, Tunesien, Ägypten) und der Levante (u.a. Syrien, Libanon, Israel, Jordanien und Irak) machen weitere sechs Prozent aus. 2,5 Prozent kommen aus den Ländern des Kaukasus und 1,5 Prozent haben den Wohnsitz in der Türkei. Ebenfalls eine Erkenntnis: Organisierte Banden werden immer mehr zu einem Problem. Die offenen Grenzen des Schengener Abkommens sorgen dafür, dass diese Tätergruppen ohne Probleme einreisen und wieder verschwinden können.

Betrachtet man das Alter, so lassen sich folgende Zahlen festhalten: Kinder unter 14 Jahren machen sieben Prozent der ermittelten Tatverdächtigen aus, Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren 14 Prozent der Tatverdächtigen, 18 bis unter 30 Jahre 29 Prozent, 30 bis unter 60 Jahre 38 Prozent, über 60 Jahre 12 Prozent.

Was wird geklaut?

Objekte der Begierde sind unter anderem Parfüms, Kosmetik, Spirituosen, Tabakwaren, Kleidung, aber auch scheinbar schnöde Alltagsprodukte wie Rasierklingen oder Brillen, Modeschmuck, Speicherkarten, Spielzeug, Süßigkeiten, Smartphones und Schuhe beziehungsweise Turnschuhe. Hauptsache "wertvoll" und schnelle zu stehlen.

Schwerer Ladendiebstahl nimmt ebenfalls zu


Auch in diesem Bereich gibt es nichts zu beschönigen. Zwar liegen die Werte deutlich unterhalb des sogenannten „einfachen Ladendiebstahls“ - doch auch sie steigen seit Jahren kontinuierlich an. Zwischen 1996 und 2006 schwanke die Anzahl der „schweren Ladendiebstähle“ zwischen 6.000 und 9.400 Delikten. Seit 2007 explodieren die Zahlen geradezu - auf momentan 21.936 Straftaten. Der Hauptunterschied zum „einfachen Ladendiebstahl“ besteht in der Gewaltanwendung, u.a. durch Einbruch.
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