Von Frau zu Frau

Dagmar Stonus (Foto: Foto: Wiener)

Heute im Interview: Kulturwissenschaftlerin Dagmar Stonus – fachliche Begleiterin des Rückert-Poetikums in Oberlauringen.


In Anerkennung seines Jugendlichen Dichtertums und der Zeit seiner Kindheit ist in Oberlauringen unter Ihrer Federführung das Rückert-Poetikum entstanden. Was gab den Ausschlag für diesen Standort?


Das Friedrich-Rückert-Poetikum wurde im Alten Rathaus eingerichtet, einem denkmalgeschützten Gebäude, das im Kern bis in das 16. Jahrhundert zurückdatiert. Damals war es als Wohn-Stall-Haus errrichtet worden. Erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, ganz genau wissen wir es nicht, wandelte es seine Funktion und wurde zum Rathaus ausgebaut und erweitert. Als solches muss es auch Friedrich Rückert erlebt haben, als er seine Kindheit in Oberlauringen verbrachte. Der Bezug des heute als Museum genutzten Hauses zu seinem Museumsthema - Friedrich Rückert - ist also unmittelbar gegeben und ein großer Glücksfall, da das ehemalige Wohn- und Amtshaus der Familie Rückert in Oberlauringen selbst schon vor etwa 150 Jahren abgetragen worden war.

Beschreiben Sie doch bitte die wesentlichen Ausstattungsmerkmale des Rückert-Poetikums?


Den Kern des Friedrich-Rückert-Poetikums bildet selbstverständlich die Ausstellung, die aus multimedialen und klassischen Elementen verschiedene Begegnungen der Besucher mit Friedrich Rückert ermöglicht. Friedrich Rückert verbrachte seine Kindheit in Oberlauringen - und Kindheit prägt bekanntlich für das ganze Leben. Grund genug für uns, dieses Thema besonders zu betonen, zumal der Dichter seine „Erinnerungen aus den Kinderjahren eines Dorfamtmannsohns 1829“ auch in Versen und Gedichten niedergeschrieben hatte und uns so eine reiche Quelle an die Hand gab. Inmitten dieser lyrischen Erinnerungsreise entdeckten wir nicht nur biografische, sondern auch historische Fakten, die wir in der Ausstellung nun erläutern und darstellen. Doch damit nicht genug - Friedrich Rückert lässt sich schließlich nicht auf seine Kindheit reduzieren, weshalb wir ihn auch in seinen vielen Facetten vom kritischen Denker über den Familienmenschen bis zum Professor für Orientalistik zeigen. In der gesamten Präsentation setzen wir auf einen multimedialen und interaktiven Zugang: Den Auftakt bildet eine filmische und akustische Inszenierung, die den Dichter von seiner Kindeit bis zum Alter mit lyrischen Auszügen begleitet und einen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart leistet. Es folgen Hörstationen mit Gedichten und musikalischen Klangbeispielen von Vertonungen seiner Gedichte, es gibt Bildergalerien sowie ein Medienpult, an dem die Besucher durch die Manuskripte Friedrich Rückerts blättern und sogar lesen können - der Finger des Besuchers wird zum Zauberstab, der die Handschrift des Dichters lesbar umwandelt. Das Herz des Poetikums aber schlägt im Veranstaltungssalon, wo künftig museumspädagogische Programme, Lesungen und musikalische Angebote für die Belebung des Hauses sorgen sollen.

Welche Personengruppen spricht das Poetikum an und wann kann es besucht werden?

Durch die neuartige und moderne Inszenierung der Ausstellung auf der einen Seite und ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm auf der anderen Seite möchten wir möglichst viele Zielgruppen erreichen. Die freundlich-fröhliche und sympathische Atmosphäre im Friedrich.Rückert.Poetikum lässt erst gar keine Hemmschwellen aufkommen, sich mit Poesie zu beschäftigen. Dafür sorgen auch die vielen interaktiven Hörstationen und eine spezielle Ausstellungskonzeption, die zu einem abwechslungs- und entdeckungsreichen Spaziergang durch den Dichterkosmos von Friedrich Rückert einlädt. Hier können alle Besucher- und Interessensgruppen ihrer Neugierde freien Lauf lassen. Für Gruppen und Schulklassen werden Führungen und museumspädagogische Angebote entwickelt. Gerade für Familien und Kinder ist das Friedrich.Rückert.Poetikum ein lohnendes Ziel, wird hier doch eine Kindheit auf dem Land vor über 200 Jahren anschaulich und lebendig. Geöffnet ist das Poetikum an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr, Gruppen erhalten selbstverständlich nach Voranmeldung auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten Zugang und eine Führung.

Auch der junge Rückert durchlebte wie auch Goethe Sturm und Drangphasen. Wie haben sich diese artikuliert?


Eine Phase der Selbstfindung erlebte Friedrich Rückert als junger Mann. Zwei Dinge prägten ihn damals wohl nachhaltig: Das war zum einen die Teilnahme an der Tafelrunde auf der Bettenburg, wo sich Gelehrte, Literaten, Denker und Lenker dieser Zeit trafen und austauschten. Zum anderen weitete die Reise nach Rom seinen Horizont, wo er in Künstlerkreisen verkehrte und wie schon auf der Bettenburg seine berufliche Laufbahn wichtige Kontakte und auch Freundschaften schloss. Auf der Rürckreise von Rom machte er noch Station in Wien, wo er seine Kenntnisse in den orientalischen Sprachen vertiefen konnte, die ihn schlieplich auch nach Coburg führten, wo er seine spätere Frau kennen und lieben lernte. Von da an wurzelte er wohl, könnte man sagen.

Frau Stonus, wann sind sie das Erste Mal mit Rückert in Berührung gekommen?

Meine erste Begegnung mit Friedrich Rückert dürfte während meiner Studienzeit in Würzburg bei einem Besuch der Stadt Schweinfurt stattgefunden haben: Schließlich grüßt sein Denkmal auf dem Marktplatz weithin sichtbar -und da wird man schon neugierig, über was er da wohl so ernst sinnend gerade nachdenkt...
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