Oh Mann!

(Foto: Foto: privat)

Heute im Interview: Peter Glückert, Unruheständler, bekannter Schweinfurter und ehemaliger Inhaber des Autohauses Glückert

Herr Glückert, Sie sind in Schweinfurt ein bekannter Mann, unter anderem durch Ihr bekanntes Autohaus, wie hat Ihr beruflicher Weg begonnen?
Ich war wie viele Jungs einfach vernarrt in Autos, also war klar, ich lerne Automechaniker. Gepaart mit einer hervorragenden Ausbildung bei Mercedes Benz in Schweinfurt habe ich nach der Gesellenprüfung ein Jahr eher als normal die Meisterprüfung ablegen können und war somit seinerzeit der jüngste KFZ-Meister von Unterfranken. Ich sollte dann für Mercedes nach Südafrika, um ein Werk mit aufzubauen. Voller Stolz ging ich nach Hause und erzählte meinen Eltern von diesem tollen Angebot, worauf meine Mutter zu mir sagte, „Peter, wenn du fortgehst sterbe ich“, und nachdem ich natürlich nicht wollte, dass sie stirbt, bin ich da geblieben und habe mich wenig später mit einer Tankstelle am Stadion selbstständig gemacht. Viele Mercedesfahrer und vor allem auch Amerikaner aus der Ledward-Kaserne waren gerne meine Kunden. Nach zwei Jahren war die Tankstelle zu klein und ich zog in die Friedhofstraße in eine zunächst viel zu große Werkstatt um. Mein Personalstand war mittlerweile schon auf sechs Personen angewachsen, und nachdem ich 1979 die japanische Automarke „Mazda“ übernommen hatte, stand ein erneuter Umzug in die Mainbergerstraße an. Der Rest ist bekannt. In meiner Glanzzeit hatte ich einen Personalstand von 12 Angestellten.


Sie hatten damals den Slogan „Wir haben den richtigen Riecher“ wie kommt man denn auf sowas?
Meine kleine Tochter sagte immer zu mir, Papa du hast den schönsten Schnurrbart der Welt, also stand an Ihrem nächsten Geburtstag ein Bild von meiner Nase und dem geliebtem Schnurrbart auf ihrem Tisch und als ich mir das so ansah, dachte ich mir, Mensch, da sollte man werbetechnisch was draus machen. Ich überlegte mir ein paar Sprüche die passen würden und beim „richtigen Riecher“ blieb ich dann hängen. In der damaligen Zeit so um die Achtziger war das schon was Auffälliges und wurde so zu meinem Markenzeichen und so kam es schon des Öfteren vor, dass ich z.B. beim Bäcker angesprochen wurde „Ach da kommt ja der Mann mit dem richtigen Riecher“.


Herr Glückert, sie haben als Hobby nebenbei auch Musik gespielt, wie geht so was, wenn man selbstständig ist?
Ja, wenn man was will und es gerne macht, dann geht das auch. Ich habe schon mit 16 meine erste Band auf die Beine gestellt und später dann bei Top-Gruppen wie „The THERU Sound Company“, „Guitar-strings“ und den „Blue Boys" gespielt und wir waren jedes Wochenende auf den Bühnen im ganzen Umkreis gestanden. Wir hatten viel Spaß, haben viel erlebt und ich sage heute, es war die schönste Zeit in meinem Leben.

Sie sind ja auch einer von dem Typ Mensch, die immer was bewegen müssen und haben ja auch einiges was sie bekannt gemacht hat, hier in Schweinfurt bewegt.

Das kommt vielleicht von meinem Sternzeichen, dem Löwen. Ich habe immer in meiner gesamten Selbstständigkeit versucht, junge Leuten eine Ausbildung zu ermöglichen. Es macht mich stolz, dass heute noch ehemalige Lehrlinge bei mir im Betrieb auftauchen, nur so, um mal Grüß Gott zu sagen. Dann war ich im Auftrag der KFZ-Innung von Unterfranken im Prüfungsausschuss, habe Gesellenprüfungen abgenommen, oder im Schlichtungsausschuss, wenn es Streitereien zwischen Ausbildungsbetrieben und Lehrlingen gegeben hat, beides Sachen die ich mit Leidenschaft gemacht habe und die mich und meine Person schon oft sehr gefordert haben.

Nachdem wir gerade beim Fordern sind, jetzt nach 45 Jahren gehen Sie in den, wie Sie selbst sagen, „Unruhestand“. Sie suchen wieder nach einer Herausforderung?
Ja, ich bin heuer im Juli 70 geworden, also Zeit sich mal vom aktiven Autoverkauf zu verabschieden. Weil ich aber noch viel Energie verspüre, habe ich mich entschieden, beim Bayerischen Roten Kreuz, Menschen mit Behinderung, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, zu fahren und zu betreuen und wenn ich dann zum Beispiel ein älteres Mädchen von A nach B fahre und sage ihr, Frau Müller, Sie haben sich heute aber fesch rausgeputzt und sie strahlt mich dann an, dann weiß ich, das ist was Sinnvolles was ich da mache. Dann hab ich ja noch meine Schweinfurter Kindertafel, wo ich ehrenamtlich tätig bin und mit meiner Schweinfurter-Liste mache ich auch noch ein bisschen lokale Politik.

Als letztes Herr Glückert: verschwindet das Autohaus Peter Glückert von der Bildfläche?

Nein, Gott sei Dank nicht, denn zwei meiner ehemaligen Lehrlinge, (Damian Kratochvil und Uwe Engel) haben sich durch permanente Weiterbildung in ihrer über 30-jährigen Betriebszugehörigkeit die Meisterprüfung und den Servicetechniker angeeignet und haben vor vier Jahren meinen Betrieb übernommen und werden Ihn unter Autohaus Glückert auch weiterführen. Ich möchte hier an dieser Stelle all meinen Kunden, Freunden und Bekannten, die mir zum Teil über mehrere Jahrzehnte ihr Vertrauen geschenkt haben, ganz herzlich dafür danken und sagen, dass ihr mich alle durch Eure Anwesenheit sehr stolz gemacht habt. Ich sage Servus, Euer Peter Glückert und jetzt, auf in den Unruhestand!
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