Oh Mann!

Dr. Boris Schmidt (Foto: Foto: ©Abbott, 2017)

Heute im Interview: Priv.-Doz. Dr. Boris Schmidt, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie am Cardioangiologischen Centrum Bethanien in Frankfurt am Main zum Thema Schlaganfallrisiko.


Mit welchen Medikamenten behandeln Sie Patienten mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle?


Im Allgemeinen werden blutverdünnende Mittel wie beispielsweise Marcumar verabreicht. Doch nicht jeder verträgt diese Medikamente. Mit manchen Nebenwirkungen wie Nasen- oder Zahnfleischbluten können Betroffene sich arrangieren. Bei Leberversagen oder Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn hingegen besteht Lebensgefahr und ein akuter Handlungsbedarf. Auch bei Patienten mit höhergradig eingeschränkter Nierenfunktion dürfen Blutverdünner nur eingeschränkt zum Einsatz kommen.
Gab es für diese Patienten bisher keine gleichwertige Alternative, bietet sich nun ein Verfahren an, welches die Abschwemmung von Blutgerinnseln aus dem Vorhofohr durch eine Art Schirmchen verhindert.

Welche Faktoren erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall?


Schlaganfälle stellen weltweit eine der häufigsten Todesursachen dar. Einer der größten Risikofaktoren dafür ist das sogenannte Vorhofflimmern. Bei dieser Form der Herzrhythmusstörung schlagen die Vorhöfe unkontrolliert: Sie beginnen zu flimmern, wodurch das Blut langsam fließt und sich in den Vorhöfen staut. Dadurch können im sogenannten Vorhofohr, einer kleinen Ausstülpung in der linken Herzvorkammer, Gerinnsel entstehen. Von hier können die Gerinnsel über den linken Vorhof und den normalen Blutkreislauf ins Gehirn gelangen. Dort können sie im schlimmsten Fall ein Gefäß verschließen und einen Schlaganfall auslösen. Um diese Gefahr zu senken, bekommen viele Betroffene Blutverdünner verabreicht. Das erhöhte Auftreten von Blutungen als Nebenwirkung ist die Kehrseite der Medaille.

Wie gehen sie mit Patienten mit Blutverdünner-Unverträglichkeit vor?

Als Alternative für Patienten mit einer Blutverdünner-Unverträglichkeit kann ein spezielles Katheterverfahren dienen: Ein sogenannter Vorhofohr-Okkluder, wie beispielsweise der Amplatzer Amulet von Abbott. Hierbei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um eine Art Schirmchen, der das Vorhofohr dauerhaft verschließt . Dazu dient ein Drahtgeflecht, welches mithilfe eines Katheters zusammengefaltet über die Leiste und über die Blutgefäße in das Vorhofohr eingeführt wird. Dort entfaltet sich das Implantat, und wir überprüfen mittels Ultraschall und Röntgen die Position. Sind keine Korrekturen mehr notwendig, wird das Implantat freigesetzt und der Katheter wieder entfernt. Insgesamt dauert der Eingriff etwa eine Stunde. Patienten spüren währenddessen kaum etwas und verlassen in der Regel nach zwei bis drei Tagen das Krankenhaus, ohne im Anschluss weiterhin auf blutverdünnende Mittel angewiesen zu sein.
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