Oh Mann

(Foto: Foto: Joachim Kirchner)

Heute im Interview: Christian Weinbeer, staatlich geprüfter Ergotherapeut, Neurofeedback Therapeut, IntraAct-Plus Trainer und ADS Eltern-Coach mit Praxen in Werneck und Scheßlitz

Herr Weinbeer, Sie bieten viele Möglichkeiten zur mentalen Leistungssteigerung und zur Behandlung von Gehirnverletzungen und Gehirnfunktionsstörungen an. Seit mehreren Jahren ist die neue Methode Neurofeedback ein Schwerpunkt der Behandlung in Ihrer Praxis. Wie funktioniert dieses Trainingsverfahren?
Neurofeedback ist eine spezielle Anwendung aus dem Bereich Biofeedback. Biofeedback ist an und für sich ein einfaches Verfahren, sie bekommen durch einen Computer Rückmeldung über körperliche Signale und lernen dadurch diese zu verändern. Dies kann die Hauttemperatur, der Blutdruck oder die Atmung sein. Fast alle Menschen sind dadurch in der Lage das entsprechende Körpersignal in die gewünschte Richtung zu verändern. Bei Neurofeedback wird aber nicht die Temperatur gemessen, sondern die elektrische Aktivität von Nervenzellen aus verschiedenen Bereichen des Gehirns. In der Sitzung bekommt der Patient darüber unmittelbare (250ms) Rückmeldung und lernt seine Gehirnaktivität gezielt zu verändern.

Wie wurde Neurofeedback entwickelt? Welche Fortschritte gab es?
Die ersten Experimente mit Neurofeedback wurden 1967 an Katzen durchgeführt, in einem neurophysiologischen Labor in den USA. Dr. Barry Sterman (Universität von Kalifornien, Los Angeles) zeigte, dass Katzen ihre Gehirnwellen trainieren können. In den nächsten zehn Jahren untersuchte Dr. Sterman die Auswirkungen des Neurofeedbacks bei Menschen mit unlösbarer Epilepsie, von denen die meisten auf einen operativen Eingriff warteten. Er trainierte die Patienten darin, ihre Gehirnwellen zu verändern, wie die Katzen im Experiment zuvor. Es zeigte sich, dass er bei 82% der Patienten eine signifikante Anfallsreduktion nachweisen konnte (Sterman 1972).

Diese Erfolge bei Epilepsie waren dann auch für andere Krankheitsfelder anwendbar?
Ja, nach diesem sehr bedeutenden Erfolg mit einer der schwersten Störungen der Hirnfunktion, erkannten Forscher, dass sich auch verschiedene andere Störungen als Folge eines Gehirnwellentrainings (Neurofeedback) positiv verändern lassen. Sie stellten Verbesserungen bei Schlafproblemen, Parkinson, Schlaganfall, Depression und Schädel-Hirn-Traumata fest. Aber auch zur Leistungssteigerung im Sport eignet sich die Neurofeedback-Methode.

Hilft diese Methode auch bei ADHS?
Ja. Die Behandlung von Kinder und Erwachsenen mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist einer unserer Schwerpunkte in den Praxen. Professor Joel Lubar, Universität von Tennessee, fing an, Kinder mit ADHS zu behandeln und konnte zeigen, dass Neurofeedback bei der Verringerung ihrer Symptome sehr wirksam war (Lubar, J. F., & Shouse, M. N. 1976). Seine Arbeit war eine Weiterentwicklung der Ergebnisse vieler anderer Forscher. Bisher wurden weltweit über 120 Studien zum Thema Neurofeedback bei ADS/ADHS veröffentlicht und nahezu alle kommen zu positiven Ergebnissen.

Wie lange wenden Sie Neurofeedback schon an?
Aktuell kann ich auf gut 7 Jahre Behandlungserfahrung mit Neurofeedback zurückblicken. Patienten und Ärzte sind mit dieser Methode äußerst zufrieden, sie ist leicht umsetzbar und effektiv. Die Rehabilitationszeit nach einem Schlaganfall können wir verkürzen, die Sprache wird nach Aphasie wieder besser, Patienten mit Parkinson und Depression berichten von einer deutlichen Verbesserung ihrer Lebenssituation nach nur wenigen Behandlungseinheiten, zu Alzheimer gibt es erste positive Studien.

Das klingt ja durchweg positiv, welche therapeutische Rolle spielt Neurofeedback?
Die Methode ist relativ unbekannt. Sie kommt aus der psychologischen Forschung und ist evtl. dadurch in der Schulmedizin selten geläufig. Es ist ein positiver Behandlungsansatz, der durch häufige Übung die Lebensqualität vieler Patienten deutlich steigert. Neurofeedback hat eine hohe Akzeptanz bei den Patienten, da die Art der Behandlung einfach logisch ist.
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