Oh Mann!

Holger Kresse (Foto: Foto: Privat)

Heute im Interview: Raumausstatter-Meister Holger Kresse spricht
unter anderem über die Nachhaltigkeit der Polsterei und zieht ein
Resümee seiner Selbständigkeit seit über 20 Jahren.

Herr Kresse, Sie sind Raumausstatter-Meister und nennen das l‘Atelier ihr Eigen. Wie ist es zu dem Namen gekommen, seit wann gibt es Sie und wo kann man Sie finden?

Da die hohe Kunst der Raumausstattung ursprünglich aus Frankreich stammt und ich mich schon immer für althergebrachte Handwerkskunst interessiere, lag es nahe meine Werkstatt und meinen Laden l‘Atelier zu nennen. Seit über 20 Jahren bin ich mit großer Leidenschaft selbständig und habe mein Ladengeschäft mit eigener Polsterwerkstatt und Nähatelier für Gardinen in der Bauerngasse 69 am neu gestalteten Zeughausplatz in Schweinfurt.

Gibt es etwas auf das Sie stolz sind?

Dass ich mit meinem Handwerksbetrieb – meinem Lebenstraum – seit über 20 Jahren auf dem Markt bin, und dass ich seit einigen Jahren meine Frau als Betriebswirtin sozusagen mit ins Boot nehmen konnte um mit ihr und unseren MitarbeiterInnen gemeinsam und erfolgreich das fortzuführen womit ich als Einzelkämpfer begonnen habe.

Was darf der Kunde erwarten, wenn er ihre Räumlichkeiten betritt?

Jeder einzelne von uns setzt sich mit allen Wünschen unserer Kunden hochmotiviert auseinander. Bei uns kann man wunderschöne Polster- und Gardinenstoffe, Leder, extravagante Tapeten, hochwertige handgewebte Teppiche, Sonnenschutzprodukte und vieles mehr erleben und fühlen. Außerdem befinden sich in unserer Ausstellung tolle Einzel- und Designerstücke welche bei uns komplett, restauriert, gepolstert und bezogen wurden. So können sich die Kunden von der hohen Qualität unserer handwerklichen Arbeit überzeugen.

Bewegen Sie sich mit Ihren Waren und Ihrer Arbeit im Luxussegment?

Nein sicher nicht. Wir verkaufen unseren Kunden qualitativ hochwertige Ware und fertigen vieles auf Maß an, dass aber zu einem absolut nachvollziehbarem Preis.
Wer allerdings Sonderwünsche hat und z.B. sein Schlafzimmer komplett mit weißer Seide ausgespannt haben möchte oder wer z.B. eine Vergoldung von Stuckleisten verlangt ist bei uns auch in besten Händen, da ich auch die alten Handwerkskünste beherrsche.

hre Kunden können z.B. aus ca. 3000 Stoffmustern einen Polster- oder Gardinenstoff auswählen. Wie viele weitere Stoffbahnen lagern sie in ihren Räumen?

Noch vor 15 Jahren hatten wir ein wunderschönes volles Lager – mit Gardinen- und Polsterstoffen gefüllt….. Diese Zeit ist leider Geschichte. Da uns Lagerware im individuellen Verkauf zu sehr einschränken würde, haben wir alles in Form von Musterbüchern und Handmustern vorrätig. Wir bestellen die Ware just in time, also je nach Kundenwunsch.

Was hat sich im Laufe der Jahre in Ihrer Branche geändert?

Es gibt in Schweinfurt und im Umkreis nur noch wenige Raumausstatter, die unserem Handwerk die Stange halten und die in der Lage sind den kompletten Bereich eines Raumausstatter-Meisters abzudecken. Insbesondere im Polsterbereich sind viele jungen RaumausstatterInnen heute nicht mehr in der Lage klassisch zu polstern. Aus diesem Grund bilden wir auch selbst aus oder haben eine lange Anlernphase für neue MitarbeiterInnen.

Was hat sich im Lauf der Jahre für Sie persönlich geändert?

In den 90er Jahren war ich neben dem Polstern, mit dem Dekorieren von großen langen Stoffbahnen, Übergardinen, Stores etc. sehr in meinem Element. Auch bei meiner damaligen Ausbildungsfirma, der Firma Kröner.
Das hat sich im Lauf der Zeit vollständig geändert. Die Fensterdekorationen sind sehr viel spärlicher und geradliniger geworden. Eben den neuen Baustilen angepasst.
Gerade aus diesem Grund war es mir wichtig, mich als Fachberater für Sonnenschutz fortzubilden. In diesem Bereich gibt es ständig neue Techniken und innovative Produkte.

Hat der Kunde die Qual der Wahl? Oder haben Sie ein gutes Gespür um ihn bei der Suche zu unterstützen?

Durch meine langjährige Erfahrung habe ich eine gewisse Sensibilität entwickelt um herauszufinden was meinen Kunden gefallen könnte. In Verbindung mit meinen Ideen und unserem Sortiment, erarbeite ich gemeinsam mit meinen Kunden ein passendes Konzept. Ohne Wenn und Aber!

Können Sie uns Ihre Devise – Polstern statt Neukauf - im Bezug auf Nachhaltigkeit näher erläutern?

Leider gibt es aufgrund der Globalisierung teilweise einen Trend zu billigen Polstermöbeln. Für mich kann es nicht richtig sein, dass eine Ledercouch welche im ersten Moment gut aussieht und billig ist, allerdings nach spätestens 2 Jahren durchgesessen, oder der qualitativ schlechte Lederbezug gerissen ist, wieder auf den Müll kommt. Dieses Möbel besitzt keinen Wert mehr und bei einem minderwertigen Gestell lohnt sich das Neupolstern nicht. Unser Argument diesem Trend entgegenzustehen, ist auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. Wenn der Kunde sich ein qualitativ hochwertiges Polstermöbel anschafft, dann hält das mindestens 10-15 Jahre. So ein Stück lohnt sich auf jeden Fall aufzupolstern und dabei kann man gegenüber dem Neukauf einiges sparen. Das neue Sofa wird in Handarbeit gepolstert, mit einem schadstofffreien Bezugstoff oder Leder das sich der Kunde selbst auswählen kann. Wenn die Form z.B. geradliniger sein soll, oder eine Knopfheftung gewünscht ist, können wir die Sonderwünsche ausführen um den Kunden wieder die nächsten 10-15 Jahre zufriedenzustellen. Dann wird wieder neu gepolstert. Ein gutes Polstermöbel kann ein Stück fürs Leben sein!

Sie restaurieren und polstern außerdem auch sehr wertvolle Antiquitäten originalgetreu. Wo haben Sie das gelernt und was war ihr bisher schönstes Stück?

Über einen Kundenkontakt habe ich vor Jahren einen international führenden Antiqutätenhändler kennengelernt. Mit viel Ehrgeiz, Geduld und vor allem Übung, habe ich mir vor Jahren die Kenntnisse erworben, um z.B. ein Polstermöbel aus dem 18. Jahrhundert originalgetreu zu polstern. Eine Besonderheit waren zwei Barockstühle um 1785, die ich für das Gästehaus des Bundeskanzleramtes gepolstert habe. So eine wunderschöne Arbeit lässt mein Herz höher schlagen Es ist aber nicht unser täglich Brot. Die Eckbank oder das Sofa von Otto Normalverbraucher liegen mir ganz genauso am Herzen!
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