Oh Mann!

Florian Freihöfer (Foto: Foto: privat)
Heute im Interview: Rechtsanwalt Florian Freihöfer von der Kanzlei
Dr. Kleiser & Kollegen erklärt, was Sie beim Ticket-Kauf oder -verkauf für große Veranstaltungen wie Open-Air-Festivals oder Fußballspiele rechtlich beachten sollten.


Herr Freihöfer, Tickets privat im Internet kaufen oder weiterverkaufen – was ist legal?

Grundsätzlich ja! Auch wenn viele Veranstalter versuchen, den Weiterverkauf zu verbieten – etwa durch ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder einen Aufdruck auf dem Ticket –, sind solche Verbote unzulässig. Wer zum Beispiel krank wird, darf als Verbraucher schließlich nicht benachteiligt werden. Der Weiterverkauf kann aber an bestimmte Bedingungen geknüpft sein. Diese stehen dann meist in den AGB oder direkt auf der Eintrittskarte. Wer dagegen verstößt, muss damit rechnen, dass das Ticket seine Gültigkeit verliert. Aktuell werden immer häufiger auch Konzertkarten personalisiert. Beim Verkauf solcher Karten sollte daher der Veranstalter gebeten werden, die Karten umzuschreiben, da der Einlass sonst zum Problem werden kann.

Erinnerung für die Ewigkeit: Sind Fotos und Videos vom Konzert erlaubt und darf der Veranstalter, bzw. die Presse auch mich fotografieren?

Die Aufnahmen dürfen nur rein für den privaten Gebrauch dienen und keinen kommerziellen Interessen. Der Veranstalter wiederum darf grundsätzlich nur dann Fotos von einem Besucher veröffentlichen, wenn dieser seine Einwilligung erklärt hat. Anders verhält es sich, wenn man auf dem Foto mit weiteren Konzertbesuchern als Teilnehmer der Veranstaltung abgebildet ist. Dann braucht der Veranstalter keine Einwilligung.

Taschenkontrollen am Eingang – muss das sein?

Dass man bestimmte Gegenstände nicht zum Konzert oder Fußballspiel mitbringen darf, klingt logisch. Taschenmesser und alle Gegenstände, die andere verletzen könnten, haben dort einfach nichts zu suchen. Grundsätzlich ist man jedoch nicht verpflichtet, die Taschenkontrolle durchführen zu lassen. Allerdings muss man dann in Kauf nehmen, dass die Security keinen Zutritt zur Veranstaltung gewährt, was wiederum auch rechtlich zulässig ist. Die Sicherheitsinteressen des Veranstalters überwiegen gegenüber den Interessen des Besuchers. Der Veranstalter ist in diesem Fall auch nicht zu einer Rückerstattung des Ticketpreises verpflichtet.

Zwischen Fahrgeschäften und Imbissbuden ist es oft nicht ganz ungefährlich. Was sollte man auf der Kirmes und Volksfesten beachten?

Ein Anspruch auf Schadenersatz scheidet dann aus, wenn man sich die Verletzungen im normalen Fahrbetrieb zugezogen hat. Dem Schausteller ist in diesem Fall nichts vorzuwerfen. Auch gegen die anderen Kirmesbesucher besteht kein Anspruch, da sich jeder eigenverantwortlich in die Gefahr begibt und mit Verletzungen rechnen muss. Allerdings ist die Grenze überschritten, wenn zum Beispiel jemand aus dem Autoscooter aussteigt und ein anderer Fahrer diesen gezielt anfährt. Gegen diesen Schädiger sind dann Ansprüche geltend zu machen. Wer sich an der Imbissbude den Magen verdorben hat, sollte sein Essen umgehend reklamieren. Um allerdings Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüche durchzusetzen, muss man nachweisen, dass das Essen der Grund für die Magenverstimmung war. Außerdem sollte man – soweit noch etwas vom Essen übrig ist – den Rest für spätere Untersuchungen luftdicht aufbewahren.

Das große Geschäft mit den Toiletten – wann muss ich zahlen?

In bestimmten Fällen kann das schon der Fall sein. Es kommt darauf an, ob das Gaststättengesetz anwendbar ist und in welchem Bundesland die Veranstaltung stattfindet. In Rheinland-Pfalz, Berlin und Niedersachsen müssen Gäste nichts zahlen, ansonsten kann der Veranstalter durchaus Gebühren für die Toilettennutzung erheben. „Wild pinkeln“ ist übrigens auch keine Option. Denn wer dabei erwischt wird, muss – abhängig von den Umständen – mit einer Bußgeldverwarnung bis hin zu einer Freiheitsstrafe rechnen. Teuer kann es vor allem dann werden, wenn man gegen Hauswände oder in bewohnten Straßen uriniert.
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