Zum Tode von Wolfgang Bötsch – Einflussreiche Instanz im Deutschen Bundestag

Würzburg (red). Er war unser Mann in der Bundesregierung: Wolfgang Bötsch (CSU) war von 1993 bis 1997 letzter Bundesminister für Post und Telekommunikation. Fast 30 Jahre gehörte der Würzburger dem Deutschen Bundestag an. Am Samstag ist Bötsch nach einer schweren Krankheit im Alter von 79 Jahren in Würzburg gestorben. Bötsch wurde in Rheinland-Pfalz geboren, wuchs aber in Unterfranken auf. Seine politische Karriere begann auf kommunaler Ebene in Würzburg, 1976 zog er für den Bundestagswahlkreis Würzburg in den Bundestag. Mit seiner bodenständigen, bisweilen sehr direkten Art entsprach Bötsch kaum dem Image eines glatten Berufspolitikers, doch gerade diese Knorrigkeit machte ihn bei den Menschen beliebt. „Seine Dynamik, sein Verhandlungsgeschick und seine Fähigkeiten als Vermittler waren legendär“, erklärte Landtagspräsidentin und CSU-Vize Barbara Stamm in einer Mitteilung. Mit Bötsch verliere man einen treuen Freund und Weggefährten.
2005 zog sich Bötsch aus dem politischen Tagesgeschäft zurück und arbeitete in einer Anwaltskanzlei in Frankfurt am Main. 2008 heiratete er seine Lebensgefährtin Heidi Opas. Bötsch hinterlässt zwei Kinder.
1997 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, 2006 wurde ihm der Ehrenring der Stadt Würzburg verliehen.
Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte in einer Erklärung die Verdienste des ehemaligen Bundes-Postministers: „Mit Dr. Wolfgang Bötsch verliert Würzburg und Mainfranken einen engagierten Vollblutpolitiker. Der herausragende und bekennende Franke war über Jahrzehnte eine Instanz im Parlament, einflussreich in der CDU/CSU-Fraktion - wie auch auf Kreisebene. Mit großer Energie übernahm er in unterschiedlichsten Ämtern Verantwortung und setzte sich nimmermüde für seine Heimat ein. Auch angesichts seiner beeindruckenden Karriere in Bonn und Berlin verlor er nie den direkten Kontakt zu seinem Wahlkreis und setzte auch hier viele wichtige Akzente. Dieses großartige Lebenswerk gilt es zu würdigen. Würzburg ist Dr. Bötsch zu großem Dank verpflichtet. Unsere Gedanken sind nun bei seiner Familie.“
Sein Einsatz für die CSU hatte aber schon viele Jahre früher begonnen. Bereits 1960 wurde er Mitglied der Volkspartei, engagierte sich im studentischen RCDS und von 1965 an auch im Kreisvorstand. 18 Jahre hatte er das Amt des Kreisvorsitzenden inne. Auch im Bezirk und im Landesvorstand konnte die CSU stets auf den gut vernetzten Würzburger zählen.
n Enger Berater des Bundeskanzlers
In den Stadtrat wurde er 1972 gewählt. Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Aufsichtsrat der WVV GmbH wie der Würzburger Hafen GmbH unterstrich er laut Schuchardt, dass ihm die Kommunalpolitik besonders am Herzen lag. Dies stand nicht im Widerspruch zu seinem steilen Aufstieg auf Landes- und Bundesebene. 1982 wählte ihn die CSU-Landesgruppe zu ihrem Parlamentarischen Geschäftsführer, 1989 beerbte er schließlich Theo Waigel im Amt des Vorsitzenden der Landesgruppe. In historisch bedeutsamen Jahren - als Deutschland seine Wiedervereinigung feiern kann und wieder zusammenwächst - ist Bötsch ein enger Berater des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Die Krönung seiner Karriere war zweifellos, als er 1993 von diesem zum Bundesminister für Post und Telekommunikation berufen wurde. Ihm wird die Aufgabe überantwortet aus dem Staatsunternehmen Post ein modernes Dienstleistungsunternehmen zu machen. Am Ende der erfolgreichen Reform stand die Auflösung seines Ressorts vier Jahre später - nicht aber das Ende seines Einflusses auf die Unionsfraktion, die ihn beispielsweise 1998 zu ihrem Justitiar bestellte. Neben seinem Einsatz für Würzburgs Stärkung als Oberzentrum (beispielsweise durch den A3-Ausbau) bleibt vor allem auch seine Begeisterung für das Mozartfest in Erinnerung.
Wolfgang Bötsch und sein Lieblingsort in Würzburg: „Auf dem Marktplatz spürt man, dass die Stadt lebt.“
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.