Würdigung - 85. Geburtstag von Prof. Dr. Hans-Walter Berg

Prof. Dr. Hans-Walter Berg dirigiert ca. 700 Musiker bei der Abschlussveranstaltung des Deutschen Musiktreffens 60plus am 18. September diesen Jahres in Bad Kissingen. (Foto: Wilko Gulden)
Prof. Dr. Hans-Walter Berg blickt auf 85 Lebensjahre zurück
Leidenschaftlicher Pädagoge, begeisterter Musiker und kreativer Ideengeber
Gründungsdirektor der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen

„Länger jung mit Musik“ lautete der Untertitel für das „Deutsche Musiktreffen 60plus“ im September 2016 in Bad Kissingen. Dass dies keine leere Floskel ist, bewies der Initiator und Projektleiter dieser Großveranstaltung höchst selbst: Wer da Professor Dr. Hans-Walter Berg auf dem Podest erlebte, 700 Musiker_innen vor sich, jede klangliche Unebenheit registrierend, tadelnd, aufmunternd, humorvoll, aber auch bestimmt korrigierend, erlebte einen agilen, vor Musikalität und Überzeugungskraft sprühenden Dirigenten, der das Motto dieses Treffens im wahrsten Sinne seiner Bedeutung vorlebte und verkörperte. Nein, diesem Mann sah man sein Alter beileibe nicht an. Am Sonntag, den 13. November, kann dieser Vollblutmusiker und Pädagoge auf 85 Lebensjahre zurückblicken.
Die Musik war zeitlebens Motor und Muse für den Jubilar. 1931 in Dortmund geboren, wuchs Hans-Walter Berg in einer musikalischen Pfarrersfamilie auf. Schon als zehnjähriger Bub spielte er im Gottesdienst die Orgel, weil die Organisten der von seinem Vater betreuten Kirchengemeinden im Krieg waren. Anfangs der 50er Jahre zog es Hans-Walter Berg in den Süden, nach Freiburg, wo er Sport und Musik studierte. 1958 promovierte Berg in Freiburg zum Dr. phil. in Musikwissenschaften mit einer Arbeit zum Thema „Schuberts Variationenwerke“. Im Laufe seines Lebens erlernte er sieben Instrumente: Neben Klavier und Orgel auch Cembalo, Blockflöte, Fagott, Horn und Saxophon.

In der Jugendbildung Akzente gesetzt

Die ersten beruflichen Stationen führten ihn als Studienrat an Gymnasien nach Dortmund und Detmold. Hier leitete er zudem die städtische Musikschule und arbeitete als Dozent an der Staatlichen Musikakademie. 1970 zog es Hans-Walter Berg erneut in den Süden, diesmal in die Kleinstadt Trossingen, weltweit bekannt durch die Musikinstrumenten-Industrie, aber auch durch die Hochschule für Musik. Hier sollte Hans-Walter Berg einen weiteren Akzent setzen, der Trossingen zur Musikstadt kürte: Als erster Direktor der neu gegründeten Bundesakademie für musikalische Jugendbildung prägte er diese Institution in den folgenden zweieinhalb Jahrzehnten.
Der Pädagoge und Musiker aus Leidenschaft: Hans-Walter Berg profilierte die außerschulische musikalische Jugendbildung und systematisierte die Fort- und Weiterbildung von Musikschullehrer_innen sowie Orchester- und Chorleiter_innen durch berufsbegleitende Seminare. Die Verbände des instrumentalen Amateurmusizierens schwor er auf einheitliche Standards und Ordnungen der Aus- und Fortbildung von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Führungskräften ein. Sein nie versiegender Ideenreichtum und sein Organisationstalent hielten ihn – aber auch seine Umgebung – ständig in kreativer Bewegung. Hinzu kommt seine weit reichende wissenschaftliche Tätigkeit. Im Laufe der Jahrzehnte hat er zahlreiche und viel beachtete Publikationen zu Fragen der außerschulischen Jugendbildung verfasst. Vor allem seine Studie „Musik kennt kein Alter“ hat zuletzt bundesweit Anerkennung gefunden. 1985 verlieh ihm die Stadt Hamburg die akademische Bezeichnung „Professor“.

Chöre und Orchester geleitet

Und: Hans-Walter Berg hielt stets den Kontakt zur Praxis, indem er immer wieder Chöre und Blasorchester dirigierte – natürlich auch noch im Ruhestand. In seiner Wahlheimat hat er sich weiterhin einen Namen gemacht, so beispielsweise im „Trossinger Klavierduo“ zusammen mit Professor Tomislav Baynov oder als Partner am Flügel der Schauspielerin und Sängerin Jutta Bärsch.
Es ist müßig, alle seine Ämter, Ehrenämter und Auszeichnungen aufzuführen, doch einige seien hier genannt: Hans-Walter Berg war Bundesmusikdirektor und Pressereferent der Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusikverbände, Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung, Vizepräsident des Internationalen Musikbundes CISM, von 1995 bis 2003 engagierte er sich als Geschäftsführer für die Arbeitsgemeinschaft der Volksmusikverbände (AVV) der späteren Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (BDO). Von ihr wurde Hans-Walter Berg für sein vielseitiges musikalisches und pädagogisches Engagement mit der renommierten Hans-Lenz-Medaille gewürdigt. Seit 1996 ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, mit dem vor allem seine Arbeit in nationalen und internationalen Verbänden anerkannt wurde…
„Wer rastet, der rostet…“ Eine stark strapazierte Floskel, die der umtriebige Hans-Walter Berg wohl zeitlebens eher als Warnung verstanden hat. Denn sportlich ist er seit eh und je: er joggt noch immer regelmäßig, auch Fahrten mit seinem Rennrad an den Bodensee oder durch den Schwarzwald halten den 85-Jährigen fit. Aber auch musikalisch hält er sich auf dem Laufenden: mindestens eine Stunde Klavierspielen gehört zum täglichen Pflichtprogramm. Darüber hinaus beschäftigt er sich mit aktuellen Forschungsergebnissen, sucht nach neuen Themen, die man umsetzen kann, liest viel, ist gefragter Juror bei Wettbewerben...

„Wer rastet, der rostet“

Das Motto „Wer rastet, der rostet“ ergänzt man bei Hans-Walter Berg wohl besser mit dem Spruch des römischen Dichters und Satirikers Juvenalis: „Mens sana in corpore sano“ („Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper…“). Der ungebrochene Ideenreichtum von Hans-Walter Berg kommt nicht zuletzt in zwei BDO-Veranstaltungen zum Ausdruck, die mittlerweile fester Bestandteil im Kulturleben sind und hohes Ansehen genießen: Zum einen der alle vier Jahre stattfindende Wettbewerb für Auswahlorchester, der 2018 zum sechsten Mal veranstaltet wird, sowie das Deutsche Orchester- beziehungsweise Musiktreffen 60plus, das sich im bayerischen Bad Kissingen etabliert hat. Beide Großveranstaltungen gehen auf die Initiative von Hans-Walter Berg zurück. Doch er war hierbei nicht nur der Ideengeber, er hat diese auch erfolgreich umgesetzt – vom Anfang bis zum Schlussakkord.
Hans-Walter Berg ein 85-Jähriger – man kann es kaum glauben. Ein kreativer Ideengeber, begeisterter Musiker und leidenschaftlicher Pädagoge hat keine Zeit zum Rasten. Hoffentlich noch lange. Ad multos annos.

Text: Thomas Fink
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