Wie belastet ist das Grundwasser wirklich?

Harald Gülzow beim Analysieren im Labormobil vom VSR-Gewässerschutz. Das Photo steht Ihnen zur freien Verfügung im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung.
Weist das Trinkwasser in der Region Schweinfurt tatsächlich zu hohe Nitratwerte auf oder nicht? Ja, sagt der VSR Gewässerschutz , nein das Gesundheitsamt.
Aufgekommen war die Diskussion, nachdem der VSR Gewässerschutz mit einem Labormobil nach Schweinfurt gekommen war, und dort die Bürger ihre Wasserproben aus hauseigenen Brunnen abgeben konnten. Der VSR Gewässerschutz ist eine schon in den 1980er Jahren aus verschiedenen Bürgerinitiativen entstandene Organisation mit Sitz im nordrhein-westfälischen Geldern, hieß ursprüngleich „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse e.V.“ Er möchte die öffentlichen Trinkwassernetze durch mehr Eigenversorgung entlasten, und testet deshalb die Qualitäten. Überdüngung ist nach Meinung des VSR-Gewässerschutzen viel zu oft der Grund für überhöhte Nitratwerte.
Nach Auswertung der Gewässerproben teilte nun Susanne Bareiß-
Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz mit, dass In jeder dritten untersuchten Probe die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter lag. Insgesamt wurden bei der
Untersuchung das Wasser aus 59 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Schweinfurt – Werneck - Gerolzhofen analysiert. Die Landesregierung in München wurde zwischenzeitlich aufgefordert in dieser Region dringend zusätzliche Maßnahmen zur Verringerung der Belastung aus der Landwirtschaft zu ergreifen und eine Novellierung der Düngeverordnung vorzunehmen.
Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei der Untersuchungen 209 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hergolshausen. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Bergrheinfeld mit 75 Milligramm pro Liter (mg/l), in Grafenrheinfeld mit 69 mg/l, in Waigolshausen mit 81 mg/l, in Niederwerrn mit 77 mg/l, in Oberndorf mit 174 mg/l, in Röthlein mit 81 mg/l, in Gernach mit 77 mg/l, in Dürrfeld mit 81 mg/l und in Bischwind mit 81 mg/l fest. Das Wasser ist wegen der Überschreitung des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung nach VSR-Angaben nicht mehr zum Trinken geeignet. Auch für das Befüllen von Fischteichen, sei derartiges Wasser nicht geeignet, da es zur Massenvermehrung von Algen kommen kann. Diese können beim Absterben zum
Fischsterben führen.
Der VSR_Gewässerschutz befürchtet weiter, dass die Schätzwerte zum Stickstoffgehalt von Gärresten aus Biogasanlagen ebenfalls daneben liegen könnten. Möglichkeiten zur Optimierung der Düngung hätten die Landwirte direkt auf dem Feld selbst in der Hand. Wenn die aufgebrachte Gülle oder die Gärreste innerhalb von einer statt erst nach vier Stunden in den Boden eingearbeitet wird, gehen nicht unkalkulkulierbare Mengen an Stickstoff in die Luft verloren.
Umso ärgerlicher sei es, da viele Gartenbesitzer heute schon wegen der starken Belastung im Brunnenwasser für viele Verwendungen im Garten statt Brunnenwasser Leitungswasser verwenden müssen.
Zweifel an der Prüfgenauigkeit der VSR Gewässerschutz-Labore hegt hingegen das Gesundheitssamt Schweinfurt. Dies teilt auf Anfrage mit, dass ein Hygienesachbearbeiter des Gesundheitsamtes Schweinfurt bei der Infoveranstaltung des VSR-Gewässerschutzes vor Ort war. Weil es sich um kein „akkreditiertes Labor“ handelte, seien dessen Ergebnisse wissenschaftlich nicht zu verwerten. Akkreditierte Labore müssten an Ringversuchen teilnehmen, um nachzuweisen, dass die Genauigkeit der Messmethodik stimmt. Die Wasserproben seien zudem nicht unter standardisierten Bedingungen entnommen und in dafür geeignete Behälter verfüllt worden. Sogar der Wasserprobenentnehmer müsse zertifiziert sein.
Das Wasserwirtschaftsamt stellt außerdem fest, dass das in Stadt und Landkreis an die Bevölkerung abgegebene Trinkwasser überall unter den gesetzlich festgelegten Grenzwert von 50 mg/Liter Trinkewasser liege. Bei privaten Brunnen seien zeitweise Ausnahmegenehmigungen bis zu einem Trinkwasserwert von 75 mg/Liter möglich. Auch solches Wasser sei für die Bevölkrung noch unbedenklich, sollte lediglich nicht zur Zubereitung von Babynahrung verwendet werden.
Zudem sei bei öffentlichen Trinkwasseranlagen im Bereich der Brunnen immer ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen, auf dem nicht gedüngt werden darf. Dies sei zwar bei privaten Brunnen nicht unbedingt gegeben, prinzipiell sei das Wasser aus privaten Brunnen aber auch nicht für Trinkwasserzwecke geeignet.
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