Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Christian Thomas)

Heute im Interview: Ingrid Arthur, die mit den American Voices of Gospel am 14. Januar in der Schweinfurter St.-Michael-Kirche auftritt

Hallo Ingrid, Sie wurden mit den „Weather Girls“ und dem Hit „It´s raining men“ weltbekannt, haben sich aber ihre eigene Solokarriere aufgebaut. Wo sehen Sie ihre musikalische Heimat?
Ganz klar in der Gospel Musik, mit ihr bin ich tief verwurzelt, sie ist meine große Leidenschaft. Ich wuchs in einer ländlichen Gemeinde im Süden der USA auf und habe als Kind im Gemeindechor gesungen. Gospel hat mir Türen in die Musikwelt geöffnet von denen ich nur zu träumen gewagt habe. Seit 2011 trete ich als Solokünstlerin auf, werde aber immer ein Teil der Geschichte der „Weather Girls“ sein. Aber jetzt freue ich mich schon auf die Konzerte mit den „Gospel Voices of America“ und unsere Fans im Frankenland.

Welche Künstlerpersönlichkeit hat Sie besonders beeindruckt und warum?
Sehr stark beeinflusst hat mich Cissy Houston, die Mutter von Whitney Houston, sowie mein lieber Freund Ouida Harding! Cissy brachte mir bei, wie man im Musikbusiness überlebt. Cissy hat mir auch den wertvollen Rat gegeben, alles zu lernen, was es in musikalischer Hinsicht zu lernen gibt. Das habe ich beherzigt. Ouida bestärkte mich, das zu tun, woran ich glaube und meinen Grundsätzen treu zu bleiben.

Erinnern Sie sich noch an die ersten großen Momente und internationale Auftritte?
Aber sicher, das war 1989 in New York City. Cissy Houston hatte mich für die Aufnahmen von „He leadeth me“ und später „Face to Face“ engagiert. Sie suchte einen Tenor, der ich eigentlich nicht war. Sie meinte aber, wenn man gut arbeiten wolle, solle man mindestens zwei von drei Stimmlagen singen können – ja, und schließlich lernte ich weiter und wurde eine der besten Tenöre, die Cissy je hatte.

Wie ging es weiter, wann standen Sie das erste Mal vor großem Publikum in Europa?
Ich hatte Engagements am Broadway und in Harlem, dabei lernte ich Bette Midler kennen. Mit ihr sang ich im Duett „From a Distance“ der zum Song des Jahres 1995 wurde. Mein erster Auftritt in Europa fand in Wien mit den „Golden Gospel Singers“ vor 1500 Besuchern statt. Wir ernteten riesige Anerkennung. Vor Freude habe ich einfach nur geweint. Danach ging ich nach London, wo mich Paul Mc Cartney engagiert hatte. Über Paris kam ich nach Berlin. Ich habe mich nicht nur in die Stadt verliebt sondern dort auch mein privates Glück gefunden und geheiratet. Dass ich von der Bundesregierung eingeladen wurde, um für Präsident Barack Obama bei seinem Staatsbesuch zu singen, hat mich mit großem Dank und Stolz erfüllt.

Sie waren mit den „Weather Girls“ erfolgreich, dann folgten weltweite Tourneen mit James Last. Sind so bekannte Namen von Vorteil oder erzeugen sie möglicherweise zu hohe Erwartungen?
Ganz sicher ein Vorteil. Ein Ex-Weather-Girl zu sein half mir sehr. Die sieben Jahre mit Izora Armstead und Dynelle Rhodes waren eine absolut fantastische Erfahrung. Schließlich hat mich das u. a. mit dem unvergessenen Bandleader James Last zusammengebracht. Mit ihm zu arbeiten war auch eine große Ehre. Bei ihm fühlte ich mich gut, dabei bringt er dich an deine Grenzen! Es ist ein tolles Gefühl, ein 40-köpfiges Orchester hinter sich zu haben, ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Gospel, Soul und Blues gelten als typische afroamerikanische Musik Genres. Wie gehen Deutsche oder Europäer, verglichen mit Amerikanern damit um?

Europäer verbinden Gospel, Soul und Blues mit uns Afroamerikanern, seit sie die Musik zu Zeiten der Rassenunruhen oder den Protesten gegen den Vietnamkrieg bzw. als Friedensgesänge gehört haben. Aus Gospel entstand Soul, Blues, Rock, Jazz und RnB. In den USA ist Gospel und Soul Musik ein Kulturgut für alle. Unsere Message ist Liebe, Hoffnung und Freude, ein Lebensgefühl, das ich mit unserem Publikum teilen möchte. In Berlin gebe ich auch regelmäßig Gospel Workshops (www.100prozentgospel.de). Die Deutschen sind von der Gospel Musik ergriffen. Die positiven Gefühle, die wir zurückbekommen, machen mich glücklich. Ich liebe mein Publikum und ich erfreue mich an dem was ich tue.
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