Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Veranstalter/privat)

Heute im Interview: Silvia Kirchhof, Künstlerin und Regisseurin des Kleinen-Stadtheaters Gerolzhofen, das in dem Jahr unter ihrer Leitung das Stück „Du musst daran glauben. Luther und Echter in Gerolzhofen“ präsentiert.

Frau Kirchhof, sie sind Chansonsängerin und Regisseurin, Schauspielerin und Clown. An was denken Sie, wenn Sie sich an ihre Anfänge erinnern?
Ich schätze diese Vielfalt in meinem Beruf als Künstlerin. Und wenn ich auf die Anfänge blicke, kommen auch ganz unterschiedliche Bilder in mir hoch. In meiner Familie war Kunst ein großes Thema. Mein Großvater war Kunstmaler. Ich denke gerne an meine ersten beiden Schallplattenkäufe mit neun Jahren zurück: Beethovens 9. Sinfonie und Zarah Leander. Ich liebe die Vielfalt!

Zusammen mit Achim Hofmann sind sie als Chansonduo „Cafe Sehnsucht“ über unsere Region hinaus bekannt. Wie heißt Ihr neuestes Programm?
Wir stehen seit über 15 Jahren auf der Kleinkunstbühne. Seit Kurzem präsentieren wir mit „Kirchhof singt Hofmann“ unser neuestes Programm. Es besteht ausschließlich aus eigenen Liedern von Achim Hofmann. Die kabarettistischen Chansons nehmen die Themen der weiten Welt und einer verwinkelten Gesellschaft in den Blick.

Zugleich stecken Sie immer wieder viel Energie in unsere Heimat. Woher nehmen Sie die Inspiration?
Heimat liegt ja nicht nur vor, das ist dort, wo ich aufgewachsen bin, wohne und lebe. Heimat will auch gestaltet werden. Wenn ich als Künstlerin auf der Bühne stehe, dann biete ich Themen zur Auseinandersetzung an. Aber an den Projekten hier in unserer Region liebe ich es, mit den Menschen etwas zu entwickeln, die hier leben. In Gerolzhofen spricht man gerne von der Stadt mit den kleinen Wegen. Das stimmt vor allem übertragen: wenn Sie das Herz der Menschen öffnen, dann werden auf einmal die Wege kurz.

Und Sie sind so eine Türöffnerin?
Gerade die Theaterarbeit ist wunderbar dafür geeignet. Da stehen auf einmal Menschen miteinander auf und hinter der Bühne, die sonst nicht zusammenkommen würden. Da passiert etwas. Sicher, das kostet viel Energie, wenn die Fäden dieses Beziehungsgeflechtes bei Dir zusammenlaufen. Aber auch nach über sieben Jahren „Kleines Stadttheater Gerolzhofen“ bin ich immer noch fasziniert über dieses Wir, das da entsteht.

Sieben Jahre mit Stücken wie Welttheater, wie Nathan der Weise oder Fräulein Schmitt und der Aufstand der Frauen. Wie erklären Sie sich den Erfolg des Kleinen Stadttheaters Gerolzhofen?
„Nicht reden, machen!“gehört zu meinen Motto. Natürlich war gerade am Anfang die Skepsis groß und es war ein Wagnis, mit dem Welttheater zu beginnen. Aber Bedenkenträger gibt es viele. Das bringt uns nicht weiter. Oder Fräulein Schmitt im letzten Jahr: ein Freilichttheater mit über 75 Darstellern. Unser Wagemut hat ein positives Echo bekommen: Nicht nur durch die von Anfang an ausverkauften Vorstellungen. Amatheurtheater auf hohem Niveau funktioniert!

Nun zu dem aktuellen Stück: „Du musst dran glauben.“ 500 Jahre Reformation durch Martin Luther – 400. Todestag Julius Echters. Kann man hier schon von einer historischen Reihe sprechen?
In der Tat möchten wir auch hier wieder Geschichte erlebbar machen. Martin Luther ist ja gerade in diesem Jahr weltweit in aller Munde. Echter steht für die Gegenreformation in Unterfranken. Aber was bedeuten denn diese Themen vor Ort. Hier bei uns. Dem möchten wir nachgehen. Und dadurch wird spürbar: das hat ja nicht nur etwas mit unserer Vergangenheit zu tun, sondern auch mit mir jetzt.
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