Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: www.bayern.by Gert Krautbauer)

Heute im Interview: Silvia Beyer ist die erste Hüttenwirtin, die in ihrer Hündeleskopfhütte bei Pfronten im Allgäu ausschließlich vegetarische Speisen anbietet

Frau Beyer, ein Hüttenbesuch nach einer Wanderung ist doch unweigerlich mit einer zünftigen Brotzeit mit Wurst und Schinken verbunden. Begehen Sie Tabubruch?
Das kommt darauf an, was man unter einem Tabu versteht. Wurst und Schinken sind nirgendwo als Zutaten einer klassischen Brotzeit festgelegt. Vor allem Käse hingegen ist der vegetarische Klassiker schechthin.

Sind ihre Gäste sehr überrascht, wenn sie auf ihre Speisenkarte blicken?
Es ist tatsächlich nicht nur die atemberaubende Kulisse, die überrascht, es ist auch unsere Speisenkarte: glutenfreie Zucchinilasagne, Krautkrapfen oder Linsensuppe statt Wurstsalat und Leberkäs. Hüttenwirtin Silvia Beyer hat neue Wege eingeschlagen.

Seit wann gibt es diese neue Idee?
Ich habe 2015 eröffnet und denke es ist die erste vegetarische Berghütte in Bayern. Was für viele wie ein Widerspruch klingt, hat Erfolg: das Konzept zieht Gäste wie Einheimische an. Inzwischen wurde ich auch bei den Heimatgestaltern der „Bayern – traditionell anders“-Geschichten der by.TM, aufgenommen, die den Mut haben, in einer scheinbar konventionellen Umgebung Neues und Innovatives auszuprobieren, ohne ihre Traditionen und Wurzeln zu vergessen.

Waren Sie schon immer Vegetarierin?
Ich bin in einem typischen Allgäuer Bauernhof mit 25 Milchkühen aufgewachsen. Dort stand für mich die Arbeit auf dem Hof und die Liebe zur Natur und dem Tier schon immer an erster Stelle. Bereits mit zwölf Jahren habe ich mich entschieden, künftig auf Fleisch zu verzichten, genauso wie meine Großmutter und Mutter. Ich stamme aus Nesselwang und als ich mich selbstständig machte und die Hündeleskopfhütte pachtete, war klar: diese Lebensweise möchte ich auch meinen Besuchern nahebringen und ausschließlich vegetarisch kochen.

Gibt es da keine Gewissenkonflikte mit alten Traditionen?
Das Konzept der vegetarischen Berghütte und die traditionelle bayerische Küche schließen sich nicht aus, denn viele der typischen Allgäuer Gerichte sind ohnehin fleischlos. Die anfänglichen Zweifel der Einheimischen habe ich schnell aus dem Weg geräumt. Viele Gäste kommen gerade wegen den vegetarischen Köstlichkeiten auf die Hütte.

Woher beziehen Sie ihre Produkte?
Das Gemüse und Getreide beziehe ich von einem Demeterhof und Lieferanten, die ich gut kenne. Wenn die Qualität stimmt, stimmt auch der Geschmack. Die meisten Gerichte sind Familienrezepte, die ich selbst zubereite wie etwa den Dinkel-Vollkorn-Zopf.
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