Von Frau zu Frau

(Foto: Foto: Veranstalter/Privat)

Heute im Interview: Elena Fürst, Konjunkturreferentin bei der IHK Würzburg-Schweinfurt zum Thema Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse

Frau Fürst, eine seit Jahren konstant niedrige Arbeitslosenquote, und ein hoher Beschäftigungsstand kennzeichnen den mainfränkischen Arbeitsmarkt. In diesen Betrachtungen spielen Arbeitsnehmerüberlassungen, Teilzeit- und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse eine Rolle. Wie stark ist deren Anteil?
Die IHK hat die Entwicklung dieser sogenannten atypischen Beschäftigung in Mainfranken in einer Langfristbetrachtung von 2008 bis 2015 untersucht. Derzeit arbeiten rund 40 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit, Leiharbeit oder geringfügiger Beschäftigung. Diese sogenannten „atypischen Beschäftigungsverhältnisse“ liegen in der Planungsregion Main-Rhön mit 37,2 Prozent leicht unterhalb der Quote der Planungsregion Würzburg, die hier 41,7 Prozent beträgt. Auf ganz Bayern bezogen ergibt sich ein Anteil von 37,7 Prozent.

Wie stark waren die Veränderungen seit Beginn der Studie 2008?
Seit 2008 hat die atypische Beschäftigungsquote in Mainfranken um 4,5 Prozentpunkte (+ 31.819 Personen) zugenommen – in der Planungsregion Main-Rhön um 3,2 Prozentpunkte (+ 10.711 Personen), in der Planungsregion Würzburg um 5,5 Prozentpunkte (+ 21.108 Personen).

Wie ist dieser Trend zur Teilzeitbeschäftigung gründsätzlich zu bewerten?
Sechs von zehn atypischen Tätigkeiten entfallen heute auf Teilzeitbeschäftigte, vor wenigen Jahren waren es noch fünf von zehn Beschäftigten. Teilzeitbeschäftigungen geben den Betroffenen grundsätzlich mehr Freiheit, so dass eine Bewertung der Situation sehr differenziert erfolgen muss. Der Trend zu mehr Teilzeit ist kein mainfränkisches Phänomen, sondern bundesweit erkennbar. Der Anteil der geringfügig Beschäftigten ist im Untersuchungszeitraum von 46 Prozent auf rund 36 Prozent zurückgegangen. Leiharbeit macht in der Region nur drei Prozent aus und ist damit von geringerer Bedeutung.

Wie groß sind die regionalen Unterschiede in der Region Main-Rhön?
In den Landkreisen Haßberge und Bad Kissingen oder in der Stadt Würzburg liegt der Anteil Teilzeitbeschäftigter mit 26,4 Prozent, 30,9 Prozent beziehungsweise 33,6 Prozent beispielsweise deutlich höher als in der Stadt Schweinfurt mit 21,3 Prozent. Acht von zehn (84,4 Prozent) der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Sind in der Stadt Schweinfurt lediglich 8,1 Prozent der Beschäftigten geringfügig beschäftigt, sind es in den Landkreisen Würzburg oder Haßberge 17,7 Prozent beziehungsweise 18,4 Prozent. Im Untersuchungszeitraum seit 2008 ist die Anzahl der geringfügig Beschäftigten zurückgegangen. In dieser Gruppe sind knapp zwei Drittel Frauen, zudem ist der Anteil an Beschäftigten im Alter von mindestens 65 Jahren vergleichsweise hoch. Darüber hinaus zeigen sich qualifikationsspezifische Unterschiede: Je höher die Qualifikation der Arbeitnehmer ist, desto seltener üben sie eine geringfügige Beschäftigung aus.

Wie sieht es bei der Leiharbeit aus?
Beim Thema Leiharbeit dominiert die Planungsregion Würzburg. 65,1 Prozent (2.959 Personen) der insgesamt 4.542 beschäftigten Leiharbeitnehmer, in der Planungsregion Main-Rhön sind es 1.583 Personen. Befristete Arbeitsverhältnisse werden laut der Studie bundesweit wichtiger, knapp jeder zehnte Beschäftigte in Deutschland hat ein befristetes Arbeitsverhältnis. Zeitarbeit, Werkverträge sowie befristete Beschäftigung sind heutzutage wichtige Instrumente für die Betriebe, um flexibel auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren zu können. Gerade die Teilzeitarbeit, die häufigste atypische Beschäftigungsform, kommt zudem häufig den Wünschen der Arbeitnehmer entgegen.
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