Sitzungen der Schwarzen 11 bestechen wieder durch Brillant-unverschämt-freche Wortbeiträge

  Schweinfurt (hgö) Das Sessionsmotto der Schwarzen Elf ist eigentlich der Ausruf eines gestressten Menschen und lässt nicht unbedingt auf einen entspannten und unterhaltsamen Abend schließen. Aber die über 200 Akteure der Kolpingsnarren zünden auf der Bühne ein Feuerwerk der Spitzenklasse. Brillant-unverschämt-freche Wortbeiträge wechseln sich ab mit der tollen Show der Turner, die eher in die Kategorie hochklassige Artistik passt, dem bunten Treiben der 60-köpfigen Turn-und-Tanzgruppe von ganz klein bis, ja, Ü-40 und den Einhorn-Fabelwesen des Männerballetts. Abgerundet wird das Ganze mit Gardetänzen diverser Fränkischen Spitzengarden, am Freitagabend die KKG-Buchnesia. Mit Star-Wars auf der großen LED-Wand und dem dunklen Imperium der Kolpingnarren um Darth Luddi beginnt der Abend, der Einzug dann wieder ganz traditionell mit den Stadtpfeifern. Dann Hausmeister Helmuth Backhaus, der außer seinem neuen, risikolosen Finanzkonzept „ich investiere in Plastikflaschen, die behalten ihren Wert“ auch das große und kleine Politikgeschehen aufs Korn nimmt.
Die ‘Kunst des Chillens’ will Marco Breitenbach seinen Zuhörern verdeutlichen. Der junge Mann hat aber größte Probleme, seinen Eltern den Begriff zu erklären. Seine Mama hat es in dem Moment verstanden, als er mit seiner Freundin inseinem Zimmer verschwindet: „Ich hoffe, die chillen nur.“
Die Turner treffen sich heuer ‘auf’m Bau’. Da staunen die Besucher, als sie sehen, was man mit so profanen Geräten wie Schubkarre und Mörtelkübel oder halbfertigen Mauern alles anstellen kann. Artistik vom Feinsten mit einem strahlenden Lächeln, der Lohn sind ‘Standing ovations’, minutenlang.
Doris Paul kümmert sich liebevoll um eine schlimme Krankheit, den ‘Männerschnupfen’. Die gibt es nur bei Männern, die aus dem coolen Macho ein dem Tod geweihtes jammerndes Bündel macht bis der gerufene Arzt sich als blonder Medizinengel mit sexy Kurven entpuppt. Da ist der Mann ganz schnell gesund - „Männerschnupfen ist Testosteronabhängig“, stellt Paul lakonisch fest.
Um’s Stadtgeschehen kümmerten sich früher Stasi und Blasi, jetzt übernehmen dies zwei Gänse. Der einheimische Oberganter (Louis Majewski) und die vom Nil kommende Cleo (Martina Mottl). Vom Luxusklo an der Mainlände bis zum Elend im Willy-Sachs-Stadion ist alles dabei.
Die Turn- und Tanz-Gruppe hat sich den Freizeitstress, vor allem am Wochenende, vorgenommen und tanzt sich in bunten Bildern durch die aktuellen Freizeittrends, die kaum noch zu bewältigen sind.
Monika Brand, Stefanie Schloßbauer, Julia Majewski, Mario Roth und Louis Majewski - das ‘Narrenschiff’. ‘Hauptsach’ gsund’ lautet das Motto ihrer Darbietung, in der sie sich den Hype um die gesunde Ernährung vornehmen. Die Entsorgung ungesunder Lebensmittel ist einfach: „ich hab’ die einfach aufgegessen, war gut“. verrät Stefanie, während sich Monika von Lebensmitteln unter Druck gesetzt fühlt: „das Haltbarkeitsdatum zwingt mich zum essen.“
Paul Kuhn erscheint als Chemiker der Kläranlage und was er dort in den Klärbecken rumschwimmen sieht, erinnert ihn an die Politik „da schwimmen auch die schlimmsten Kotzbrocken.“ Die wissenschaftlichen Chemie und deren nicht immer verständliche Sprache erinnert ihn auch an die Sprache der Politik, wo man häufig die Inhaltsstoffe vermisse. Stehender Applaus.
Metaller messen im my-Bereich, Schreiner in Zentimetern und bei Maurern ist es gut, wenn das Haus auf dem Grundstück ist. Fazit der ‘Baubesprechung’ mit Thomas Göbel, Manfred Göbel und Sonja Breitenbach und während dieser Besprechung kommt der Gedanke: „Was tue ich mir an, wenn ich ein Haus bauen will?“
‘37 und was jetzt?’ Die bange Frage stellt sich Fabian Wahler, der angesichts seines hohen Alters in der Diskothek in Erinnerungen schwelgt, sich aber nicht mehr in den Wald traut: „Der Humus lockt, komm, komm.“
Die Frechheit des Abends leistet sich der letzte Redner, Jonas Paul. Kommt auf die Bühne und verteilt Artigkeiten: „Schön dass ihr alle da seid. Ich habe ein Angebot bekommen - der beste Alleinunterhalter für das beste Publikum der Welt.“ Großer Beifall und dann: „Das hat leider nicht geklappt und jetzt bin ich hier.“ Erstmal Stille, aber Jonas ist ja schon ein alter Hase, hat sein Publikum schnell besänftigt und lädt als Ferienjobber zum Mitsingen ein.
Ein Abend bei der Schwarzen Elf endet mit den Sunnyboys vom Baggersee - und die fahren heute mit der Bahn. Eingänige Eisenbahnlieder, herrlich schräg intoniert.
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