Schon mancher hat den Kick mit dem Leben bezahlt

Trügerische Gruppendynamik: Legal Highs werden gerne in der Gemeinschaft konsumiert. Auch in Schweinfurt ist die Droge auf dem Vormarsch. (Foto: Polizeiberatung)
Schweinfurt (tl). Legal Highs sind derzeit recht beliebt bei jugendlichen Drogenkonsumenten. Die bunten Tütchen sind im Internet leicht bestellbar und erwecken oft einen harmlosen Eindruck. Tatsächlich seien Legal Highs laut Jugendrichter Michael Roth jedoch deutlich gefährlicher als das nachempfundene Cannabis. Bereits zwei Todesfälle im Raum Schweinfurt gibt es in diesem Jahr zu vermelden, im Jahr 2015 waren es sogar 21 bayernweit. Legal Highs sind auf dem Vormarsch und die Präventionsbeauftragte Alexandra Göbel vom Gesundheitsamt Schweinfurt vermutet, dass es kaum eine Schule ohne Drogenvorfälle gebe. Das Schulamt Schweinfurt hat deshalb reagiert und die Schulleiter der Schulen in Stadt und Landkreis Schweinfurt zu einer Infoveranstaltung ins Landratsamt eingeladen.
Legal Highs sind Kräutermischungen, die die Wirkungsweise anderer illegaler Betäubungsmittel nachahmen sollen. Sie werden als legale Ersatzstoffe vermarktet und können problemlos zu billigen Preisen im Internet erworben werden, was steigende Konsumentenzahlen zur Folge hat. Der Konsum dieser Designerdrogen ist allerdings mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden und kann bereits bei einmaligem Konsum tödlich enden.

Dr. med. Edin Zelihic, Leiter der Zentralen Notaufnahme im Leopoldina Krankenhaus, hat regelmäßig mit Patienten zu tun, die Legal Highs konsumieren. Für einzelne von ihnen endet der Krankenhausaufenthalt tödlich, andere wiederum können dem Tod gerade noch von der Schippe springen. Der Experte weiß genau, worin die Risiken dieser Droge liegen: „Die Symptomatik beim Konsum von Legal Highs ist völlig unvorhersehbar. Das liegt daran, dass der genaue Inhalt und die exakte Menge dieser Tüten vollkommen unbekannt sind, weil sie von den Verkäufern nicht kontrolliert werden. Deshalb ruft der Konsum ganz unterschiedliche Symptome hervor, die je nach Beutel von Übelkeit bis zu Herzstillstand reichen können.“
Dr. med. Edin Zelihic vermutet außerdem eine hohe dunkle Ziffer beim Konsum dieser Designerdrogen. Denn viele Patienten würden das Konsumieren von Legal Highs verschweigen und die Symptome ließen oft auf andere Ursachen wie Krankheiten schließen.

Jugendrichter Roth erklärt, warum Drogenhändler Legal Highs scheinbar ordnungsgemäß im Internet verkaufen können. Das Betäubungsmittelgestz verbietet zwar bekannte Stoffe wie Cannabis, deren Handel strafrechtlich verfolgt werden kann. Die Drogenhändler seien aber schneller als der Gesetzgeber. „Jede Woche werden neue Designerdrogen kreiert. Durch molekulare Änderungen werden verbotene Substanzen umgangen. So kann zum Beispiel aus dem verbotenen Stoff HU-243 der Stoff HU-245 entstehen, der sich in seiner Wirkung vom verbotenen Stoff zwar nicht unterscheidet, mit dem aber legal gehandelt werden kann. Wird HU-245 dann vom Gesetzgeber verboten, wird dieser Stoff wieder aus dem Sortiment genommen. Die Händler sind also immer einen Schritt voraus.“
Das ständige Kreieren neuer Drogen berge zudem weitere Gefahren: meistens würden die neu ins Sortiment genommenen Drogen nicht einmal mehr an Ratten getestet und der Konsument selbst somit zur Testperson werden.
Ausgerechnet aus Österreich könnte nun eine Lösung für dieses Problem kommen. Im österreichischen Gesetz sind ganze Stoffgruppen verboten. Das macht ein Umgehen der Gesetze durch leichte Variationen nicht mehr möglich. Jugendrichter Roth befürchtet allerdings, dass die Verkäufer, die es in der Vergangenheit immer wieder geschafft haben Gesetzesänderungen zu umgehen, nicht kreativloser werden würden und einen Weg finden würden, das neue Gesetz ebenfalls zu umgehen.

Bis der Gesetzgeber ganze Stoffgruppen verbietet, wird aber noch einige Zeit vergehen, Zeit, in der noch viele Menschen sterben werden. Deshalb wird Prävention, insbesondere an Schulen, immer wichtiger. Die Stadt Schweinfurt hat dazu das Präventionsprojekt „Flashback“ ins Leben gerufen, das durch Aufklärung an Schulen abschrecken will. Die Schulleiter im Raum Schweinfurt können sich für das Präventionsprojekt bewerben. An den Schulen versucht das Team hinter „Flashback“ die Schüler in Kleingruppen an fünf Stationen über die Risiken der Legal Highs aufzuklären. Die Pädagogen seien aber dennoch gefragt, das besprochene auf- und nachzuarbeiten. Bei einer Sache waren sich die Teilnehmer am Ende der Infoveranstaltung nämlich alle einig: das Thema Legal Highs bedarf in Schweinfurt deutlich mehr Aufmerksamkeit.
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