Probleme mit „Anscheinwaffen“ - Wer mit Atrappen hantiert macht sich strafbar – Polizei könnte sich zur Notwehr gezwungen sehen

Schweinfurt (el). Terrorgefahr, Wohnungseinbrüche und unvermittelte Gewalt gegen „Normalbürger“ versetzen die Gesellschaft in Angst. Weil die Polizei nicht überall gleichzeitig sein kann, meinen immer mehr Menschen sich auf verschiedenste Art selbst schützen zu müssen. Doch die meisten Maßnahmen sind nicht sinnvoll.
Zuletzt warnte die Polizei eindringlich vor sogenannten „Anscheinwaffen“. Diese sehen echten Waffen täuschend ähnlich, sind in ihren Einsatzmöglichkeiten aber harmlos und daher ohne entsprechende Genehmigungen kauf- und tragbar. Nach dem durch eben solch eine „Anscheinwaffe“ ausgelösten großen Polizeieinsatz in Oberaurach warnt die Polizei Unterfranken erneut eindringlich vor dem Tragen dieser Atrappen. Den Einsatz hatte ein 47-Jähriger ausgelöst, indem er in seiner Wohnung mit einer Softair-Waffe hantiert und dabei auch aus dem Fenster gezielt hatte. Ein Nachbar sah dies, hielt das Gewehr für eine echte Waffe und verständigte die Polizei.
„Die Gefahr, die beim Zeigen solcher Waffen entstehen kann, wird häufig unterschätzt“, erläutert Leitender Polizeidirektor Johannes Hemm vom Polizeipräsidium Unterfranken. „Diese Waffen sind oft so detailgetreu gefertigt, dass sie nur aus direkter Nähe von echten zu unterscheiden sind – von Laien oft gar nicht“, so Hemm. Auch wenn mit sogenannten „Softair-Waffen“ nur Kunststoffkugeln mittels Federdruck verschossen werden können, kann das täuschend echte Aussehen Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Sie fühlen sich bedroht und verständigen die Polizei. Die eingesetzten Beamten stehen dann vor demselben Problem: Stehen sie einer echten Waffe gegenüber oder einem Imitat? Da es sich bei Schusswaffen um Distanzwaffen handelt, kommen sie in der Regel dem potentiellen Schützen nicht nahe genug um dies zweifelsfrei beurteilen zu können. Eine echte Waffe würde eine akute Bedrohung von Leib oder Leben bedeuten.
„Wird die Waffe gegen die Polizeibeamten oder andere Personen gerichtet, müssen die Kollegen von einer echten Gefahr ausgehen“ erläutert Hemm. Zur Abwehr dieser Gefahr steht jedem Polizeibeamten auch der Einsatz der eigenen Schusswaffe zur Verfügung. Eine Option, die nicht rückgängig gemacht werden kann!
Und auch, wenn der Polizeieinsatz, wie in Oberaurach, ohne den Einsatz der Schusswaffe bewältigt werden kann, können dem Tatverdächtigen empfindliche Konsequenzen drohen. In einem Strafverfahren werden Verstöße gegen das Waffengesetz und weitere Straftaten wie Bedrohung, Nötigung oder Körperverletzung geprüft. Weiterhin kann auch die Übernahme der Einsatzkosten auf ihn zukommen. Je nach Dauer des Einsatzes und der eingesetzten Kräfte können sich diese Kosten auf mehrere tausend Euro belaufen.
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