Ohne 10-H-Regel geht gar nichts mehr – Im Landkreis Schweinfurt sind alle „Altlasten“ abgearbeitet – Kaum noch neue Windräder zu erwarten

Der Landkreis Schweinfurt hat sein Soll an Windkraftanlagen übererfüllt. Weil inzwischen alle möglichen Flächen belegt sind und anderen Ortes die 10-H-Regel greift, sind im Umland von Schweinfurt keine weiteren Windkraftanlagen mehr zu erwarten. Das Foto zeigt die neue Skyline von Ballingshausen mit dem Kreuzberg im Hintergrund. Die Windräder wurden vor Einführung der 10-H-Regel gebaut.
Schweinfurt (el). Vor zwei Jahren wurde die 10-H-Regel eingeführt und immer mehr Gemeinden lehnen eine Bebauung mit Windrädern zu nah an Wohngebieten ab. Poppenhausen winkte zuletzt ebenso ab, wie Werneck. In Üchtelhausen haben die Bürger bei einer Abstimmung den Riegel vorgeschoben.
Dabei hatte 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima zunächst ein Boom bei Windrädern eingesetzt, bei dem sich die Region Main-Rhön geradezu vordrängte, möglichst viel für die neue Energiewende tun zu wollen. Regierungspräsident Paul Beinhofer wird auch heute noch nicht müde, stets die „Vorbildfunktion“ Unterfrankens hervorzuheben. Auch im Landkreis Schweinfurt sind die neuen „Spargel“ geradezu wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Mit 230 Windrädern trägt Unterfranken inzwischen die größte Last des bayerischen Anteils. Bei nur etwa einem Achtel der Fläche Bayerns stehen rund ein Viertel aller Windräder hier. Knapp 1000 Windräder laufen derzeit in Bayern. Ihr Anteil an der gesamten bayerischen Stromerzeugung ist laut einer jüngsten Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Statistik jedoch mit nur 3,2 Prozent marginal gering. Dieser Umstand hat am Ende auch die Pläne für den Bau der Suedlink-Stromtrasse begünstigt, mit der endlich langfristig eine zuverlässige Stromversorgung, insbesondere auch für die Schweinfurter Industrieunternehmen, gesichert werden soll.
Abkehr von der Kernkraft
Rund 1200 Windräder wurden seinerzeit als bayerischer Anteil an der von Bundeskanzlerin Angela Merkel nur wenige Tage nach Fukushima ausgerufenen Energiewende vereinbart. Dieses Ziel will die bayerische Staatsregierung auch weiterhin noch erreichen. Gleichzeitig wurde seinerzeit das „Aus“ für alle deutschen Atommeiler beschlossen. Seitdem wurden zwar etliche Milliarden für die Energiewende zur Verfügung gestellt, einen geordneten Plan gab es jedoch nicht. Die Folgen sind vor allem in der Region Main-Rhön zu spüren. Aus den einst nur 80 Meter hohen Windrädern sind inzwischen weit über 200 Meter hohe Windradmonster geworden. Und weil Windkraftprojektanten ohne gebotenen Einhalt bis an Gartenzäune bauen würden, regte sich Widerstand.
Widerstand der bei Ministerpräsident Horst Seehofer auf offene Ohren stieß. Schon im Januar 2013 hörte er sich beim eigentlich als Neujahrsempfang der Rhön-Grabfeld-CSU gedachten Treffen, die Sorgen von betroffenen Bürgern an. Heraus gekommen ist die 10-H-Regelung, nach der ein Windrad das zehnfache seiner Höhe als Abstand zur nächsten Wohnbebauung einhalten muss. Unterschritten werden darf dieser Grenzwert nur bei einvernehmlichen Konsens innerhalb der Gemeinden. Doch den gibt es kaum noch.
Windkraftprojektanten sind aber weiter auf der Suche nach Flächen, wo man sie bauen lässt. Inzwischen werden im Landkreis Schweinfurt keine Sondergenehmigungen mehr erteilt, die eine Unterschreitung des Mindestabstandes erlauben würden. Wie eine Nachfrage beim Landratsamt ergab, sind alle noch vor Einführung der 10-H-Regel am 20. November 2014 erteilten Genehmigungen mit geringerem Abstand inzwischen abgearbeitet.
Windräder mit geringerem Abstand wären demnach nur noch dort möglich, wo vor Inkrafttreten der 10-H-Regelung entsprechende Flächennutzungspläne aufgestellt wurden. Dies ist lediglich noch in Bereichen der Gemeinden Wasserlosen, Schonungen und Schwanfeld der Fall. Ob tatsächlich davon Gebrauch gemacht wird, ist aufgrund der aktuellen Stimmungslage aber eine andere Sache.
Wo noch Flächen übrig sind, die unter Einhaltung der 10-H-Regel bebaut werden könnten, darüber liegen dem Landratsamt keine konkreten Informationen vor. Bei inzwischen 230 Meter Höhe von modernen Winkraftanlagen wären heutzutage 2300 Meter Abstand zur Wohnbebauung einzuhalten, weswegen „insoweit lediglich sehr wenige und eher kleine Flächen innerhalb der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete verbleiben“, so die schriftliche Antwort auf eine entsprechende Anfrage.
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