Oh Mann

MUNICH, GERMANY - MARCH 29: Former national player Marko Rehmer attends the Club of former national players meeting (CdN) during the international friendly between Germany and Italy at Allianz Arena on March 29, 2016 in Munich, Germany. (Photo by Johannes Simon/Bongarts/Getty Images) (Foto: Foto: Johannes Simon Bongarts / Getty Images)

Heute im Interview: Marco Rehmer, Ex-Fußball-Nationalspieler zum aktuellen Thema Druck und Belastung bei Fußball-Profis

Marco, Sie waren in Ihrer Karriere Nationalspieler, haben mit der Hertha Champions League gespielt und haben an der WM 2002 teilgenommen. Wie haben Sie als Profifußballer und insbesondere als Verteidiger gelernt mit dem Druck umzugehen?
Weil Fehler von Verteidigern schneller bestraft werden, als von Stürmern sehe ich hier schon den größeren Druck. Es gab ein paar außerordentliche Momente bei denen besonders viel Druck auf einem lag, wie in der Champions League oder bei der WM und da war es für mich wichtig, dass ich Freunde und Familie hatte, bei denen ich einen Rückhalt gespürt habe. Wenn man versucht alles mit sich selbst auszumachen, ist die Gefahr für Depressionen ungleich höher. Das Gute ist, dass es mittlerweile gang und gäbe ist einen Sportpsychologen im Verein zur Verfügung zu stellen. Das finde ich sehr wichtig, weil zwar immer das Argument vorgebracht wird, dass man gut bezahlt wird, aber gerade heute, im Zeitalter der sozialen Medien, wo jeder überall seinen Senf dazugeben kann, muss man als öffentliche Person aufpassen, dass man nicht zu viel an sich heranlässt.

Sie sind als Spielerberater tätig und haben damit einen persönlicheren Einblick in das Seelenleben junger Fußballer, als viele andere. Wird im Business Fußball zu wenig auf den Menschen hinter dem Sportler Acht gegeben?

Ich sehe, dass die Vereine sich mittlerweile im Jugendbereich sehr intensiv um die Spieler kümmern und, dass sehr viel gearbeitet wird, weil man den Spielern auch sehr viel abverlangt. Hat da ein Junge ein Problem, wird sich dessen meist sehr schnell angenommen. Im Männerbereich sieht es da anders aus. Dort musst du funktionieren und, wenn du nicht funktionierst, bist du sehr schnell austauschbar. Das ist ein knallhartes Geschäft.

Zu diesem Thema hat Per Mertesacker ein vielbeachtetes Interview gegeben. Er meinte, dass der Druck irgendwann zu groß wird. Können Sie das als ehemaliger Profi und jetziger Spielerberater nachempfinden?
Ich habe das Interview nicht genau gelesen, aber die Kernaussage trifft zu. Wenn du auf dem höchsten Niveau spielst und Per Mertesacker hat auf dem allerhöchsten Niveau gespielt, dann steht man permanent unter Beobachtung. Da passiert es schnell, dass man sich hinterfragt und zusätzlichen Druck aufbaut: „Was passiert, wenn ich heute einen Fehler mache?“ Ich kann seinen Standpunkt vollkommen nachvollziehen, da der Druck auf diesem Level unglaublich hoch ist und wenn du dort nicht performst, dann bist du weg vom Fenster.

Sie meinten, dass erfreulicherweise im Jugendbereich bereits sehr viel getan wird, im Männerbereich jedoch noch viel aufzuholen ist. Woran fehlt es da?

Nach dem tragischen Tod von Robert Enke wurde die Problematik ja eigentlich angesprochen. Der Verein sieht aber nicht den einzelnen Spieler, sondern der Erfolg der Mannschaft steht zuerst einmal an oberster Stelle und nicht der Spieler mit seinen Problemen. Natürlich muss da der einzelne Spieler auch zum Manager gehen und sich trauen seine Schwierigkeiten bzw. Problem offenzulegen. Das passiert vielleicht zu selten. Zum Glück hat sich so etwas wie der Tod von Robert Enke nicht wiederholt, aber ich denke, dass von den Vereinen immer noch zu wenig getan wird, um dem umfassend vorzubeugen.

Wie würden Sie in diesem Licht das Statement von Lothar Matthäus beurteilen, der meinte, dass man mit so einer Einstellung, wie Mertesacker sie beschrieben hat, nicht im Profifußball tätig sein kann?
Das sehe ich komplett anders. Gerade bei den Jungen, die nur spielen wollen und das Drumherum ausblenden, ist es wichtig, dass man einen Ansprechpartner hat, der diese Situationen kennt und erlebt hat. Ich sehe es ja bei meiner Tätigkeit als Berater. Es gibt unglaublich viele Talente, die sehr gut spielen können, aber der Kopf spielt eine große Rolle und abseits des Platzes passieren schnell Fehler. Da gerät man schneller auf die schiefe Bahn, als man vielleicht denkt. Da trifft Per Mertesacker den Punkt und ich denke, dass gerade so jemand wie er, der ja bei Arsenal in den Jugendbereich einsteigen wird und die andere Seite des Traumjobs Profifußballer kennt und anspricht, der Jugendausbildung sehr gut tut. Er sieht, ob jemand Fußball spielen kann, achtet aber auch darauf, was die jungen Spieler sonst beschäftigt und eventuell belastet. So sehe ich auch meine tägliche Aufgabe als Spielerberater.

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