Oh Mann!

(Foto: Foto:Merkl)
Heute im Interview:

Roland Maul, Ausbildungsberater der Handwerkskammer für Unterfranken.

Eine abgeschlossene Ausbildung bietet hervorragende Berufsperspektiven. Nicht zuletzt trägt sie auch zur Fachkräftesicherung und zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bei. Doch was passiert, wenn es in der Lehre nicht rund läuft?
Probleme oder Konflikte in der Ausbildung können den erfolgreichen Abschluss gefährden oder sogar zum Abbruch führen. Unsere Arbeit soll dazu beitragen, den Ausbildungserfolg und damit den Nachwuchs an betrieblich ausgebildeten Fachkräften zu sichern. Wir unterstützen Betriebe dabei, Lehrverhältnisse zu stabilisieren und Abbrüche zu vermeiden. Wenn Probleme in der Ausbildung absehbar sind, stellen wir rechtzeitig gemeinsam die Weichen. Besteht weiterer Förderbedarf, können Betriebe und Lehrlinge Unterstützungsangebote außerhalb der Kammer wahrnehmen. Dorthin stellen wir dann den Kontakt her.

Wie gehen Sie vor, wenn es kriselt?
Maul: Im Falle eines Konflikts oder einer Krise beraten und betreuen wir Betriebe und Lehrlinge individuell. Wir setzen uns gemeinsam an einen Tisch, um die Probleme zu besprechen. Bei Bedarf holen wir auch Eltern und Berufsschullehrer mit ins Boot.

Was sollten Ausbildungsbetriebe tun, wenn sich Probleme abzeichnen?
Maul: Zum Ende der Probezeit sollten sie mit dem Lehrling und seinen Eltern die bisherige Lehrzeit gemeinsam Revue passieren lassen. Nehmen Ausbilder sich Zeit für regelmäßige Gespräche, fallen Pro-bleme eher auf. Denn viele Abbrüche ließen sich vermeiden, wenn die Beteiligten sich mehr miteinander austauschen und frühzeitig gemeinsam gegensteuern würden. Sind die Konflikte vor Ort aber nicht lösbar, sollten die Betriebe sich möglichst frühzeitig an uns Ausbildungsberater wenden.

Und wenn der Abbruch unvermeidbar ist?
Maul: Letztendlich geht es ja darum, für alle eine vernünftige Lösung zu finden. Manchmal stimmt einfach die Chemie zwischen Betrieb und Lehrling nicht. Dann sollte man das Lehrverhältnis nicht auf Biegen und Brechen aufrechterhalten. Wir unterstützen die jungen Leute dabei, einen neuen Ausbildungsbetrieb oder auch einen anderen Lehrberuf im Handwerk zu finden, der besser zu ihnen passt. Angesichts des gravierenden Fachkräftemangels in allen Branchen sollten wir alles daransetzen, alle geeigneten und interessierten Lehrlinge im Handwerk zu halten.

Heute gibt es mehr Abbrüche als früher – oft schon im ersten Lehrjahr. Sind die Jugendlichen heute weniger lernfähig oder ihre Ausbilder zu anspruchsvoll?
Maul: Viele Lehrlinge bringen ungünstige Eingangsvoraussetzungen mit. Die Betriebe müssen dafür mehr Zeit investieren und auf jeden Lehrling individuell eingehen. Das ist für den Ausbildungserfolg ganz entscheidend. Unternehmen müssen sich insgesamt mehr anstrengen, passende Lehrlinge zu finden und zu halten – zumal die Konkurrenz auf dem Lehrstellenmarkt groß ist. Jugendliche sind heute eher dazu bereit, ihre Lehre abzubrechen oder zu wechseln. Daher müssen Ausbilder Vertrauen aufbauen, Strukturen vorgeben, klare Absprachen treffen, Etappenziele formulieren und ein gutes Vorbild sein. Autoritärer Erziehungsstil ist out. Die Jugend ist anspruchsvoller als früher. Sie erwartet Rückmeldung, Bestätigung und Lob.

Wozu raten Sie den Betrieben?
Maul: Sich so attraktiv wie möglich aufzustellen und eine Arbeitgebermarke zu entwickeln. Solche Betriebe haben größere Chancen, engagierten Nachwuchs zu gewinnen. Faire Löhne, Einhaltung der Tarife und Überstundenregelungen, kompetente Vermittlung der geforderten Ausbildungsinhalte, zusätzliche Anreize wie etwa Unterstützung beim Führerschein, gutes Betriebsklima, Übernahmegarantie bei guten Leistungen. Der Betrieb muss bei jungen Menschen Begeisterung für den Beruf wecken und sie aufrechterhalten. Ist kein Feuer da, muss der Betrieb es entfachen. Wenn Lehrlinge und Gesellen sich mit dem Betrieb identifizieren, bringen sie bessere Leistungen und fördern das Image des Unternehmens.
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