Oh Mann!

(Foto: Foto: Matthias Mochow)

Heute im Interview: Matthias Mochow – der Imker mit einer Bienengiftallergie

Herr Mochow, wie haben Sie zur Imkerei gefunden?
Mit 28 Jahren war ich auf der Suche nach einem Hobby, das nicht nur Spaß macht, sondern sich auch selbst finanziert. Ich stieß per Zufall darauf. Der Gartennachbar meiner Eltern war leidenschaftlicher Imker und auch der Vater meiner Tante imkerte. Beide erzählten mir von ihrer Leidenschaft und ich war sofort fasziniert. Ich fand es toll, wie fleißig und arbeitsam die Bienen sind und dass sie durch ihre Bestäuberleistung dafür sorgen, dass wir Obst und Gemüse haben. Außerdem war ich davon begeistert, dass man fast alles verwerten kann, den Honig, das Wachs, den Pollen, der als Nahrungsmittel wertvolle Nährstoffe liefert, sowie den Propolis, auch Kittharz genannt. Meine Vorliebe für Süßes und damit auch für Honig tat schließlich noch das Übrige.

Wie viele Bienenstöcke und wie viel Honigertrag haben Sie?
Ich habe fünf Bienenstöcke, die ich am Wald- und Wiesenrand platziert habe. In jedem von ihnen lebt ein Volk, das mich etwa 20 bis 30 Stunden im Jahr in Anspruch nimmt. Wie viel Honig meine Bienen produzieren, hängt von den Blüten und dem Wetter ab. Raps ist beispielsweise sehr ertragreich, Waldtau aus dem der Waldhonig gewonnen wird, hingegen weniger. Kommt dann viel Regen hinzu, kann die Ausbeute auch einmal sehr gering ausfallen. Pro Volk kann ich aber im Schnitt mit etwa 25 Kilogramm Honig pro Jahr rechnen.
Wie und wann haben Sie herausgefunden, dass Sie an einer Insektengiftallergie leiden?
Etwa ein Jahr, nachdem ich mit dem Imkern angefangen hatte, wurde ich gleich fünf Mal gestochen. Bisher hatte sich bei mir bei Stichen maximal eine Schwellung gezeigt. Doch damals wurde mir plötzlich schwindelig. Auch meine Knie wurden weich. Ich rief den Notarzt. Der erklärte mir, dass sich eine Bienengiftallergie auch mit der Zeit entwickeln kann. Ich kam für eine Nacht ins Krankenhaus. Am nächsten Tag ließ ich mir von einer Hautärztin meine Allergie bestätigen.

Haben Sie darüber nachgedacht, mit dem Imkern aufzuhören?
Ich bin erst einmal zu meinen Imkerkollegen gegangen. Sie haben sofort gesagt, dass sie sich um meine Bienen kümmern, solang ich noch keine Entscheidung getroffen habe. Ich erfuhr dann von der Möglichkeit einer Hyposensibilisierung, bei der einem immer wieder das Gift der Bienen in kleinen Dosen gespritzt wird, sodass man daraufhin Antikörper bildet und immun wird. Da war für mich sofort klar, dass ich mein Hobby nicht aufgeben werde. Bisher habe ich es leider aus beruflichen Gründen noch nicht geschafft, eine Hyposensibilisierung zu machen. Das möchte ich aber nachholen, so schnell es geht.

Wie schützen Sie sich vor Bienenstichen?
Heute trage ich einen Schutzanzug, der meinen ganzen Körper bedeckt und außerdem sehr weit ist. So haben die Bienen eine geringere Chance, eine enganliegende Stelle zu finden und zuzustechen. In meiner Freizeit bleibe ich einfach ganz ruhig, wenn eine Biene in meiner Nähe ist. So verschwinden sie auch ganz schnell wieder. Außerdem trage ich immer mein Notfallset bei mir, sollte es doch einmal zu einem Stich kommen. All dies gibt mir ein gutes Gefühl, sodass ich auch keine Angst vor einem Stich habe.

Welche Tipps können Sie anderen Insektengiftallergikern geben?
Sich nicht entmutigen zu lassen und keine Angst zu haben. Eine Hyposensibilisierung kann helfen. Wer also vom Imkern träumt oder es bereits betreibt und auch an einer Bienengiftallergie leidet, sollte seinen Traum nicht aufgeben.
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