Oh Mann!

Benjamin Brand (Foto: Foto: Uni Bamberg)

Heute im Interview: Benjamin Brand, aus
Gerolzhofen stammender Bundesliga-Schiedsrichter und mit 26 Jahren der Jüngste seiner Zunft.

Seit der Saison 2015/2016 ist er der jüngste, aktive Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga. Rüstzeug für sein Hobby bekam der Alumnus auch dank seines Studiums an der Universität Bamberg.

Herr Brand, Sie haben den Master in BWL mit Schwerpunkt Controlling im Wintersemester 2015/2016 abgeschlossen. Seit Sie 19 Jahre alt sind, sind Sie als Schiedsrichter in der Fußball-Regionalliga tätig. Es folgte der Aufstieg in die Dritte, dann in die Zweite und 2015 in die Bundesliga. Was reizt Sie daran, Schiedsrichter zu sein?

In einem Bundesligastadion dafür verantwortlich zu sein, dass alles in einem ordentlichen Rahmen abläuft, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die mich aber sehr erfüllt. Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn man am Ende des Spiels zum letzten Pfiff ansetzt und weiß, es hat alles sehr gut funktioniert. Da freue ich mich und bin auch stolz darauf.

Warum wollten Sie überhaupt Schiedsrichter werden?

Das wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Mein Vater ist seit fast 40 Jahren Schiedsrichter und auch meine Geschwister haben gepfiffen. Als Jugendlicher wollte ich das Hobby meiner Familie ausprobieren. Ich habe schnell gemerkt, dass mir das viel Spaß macht und ich da mehr Talent habe als beim Fußballspielen. Mit 15 Jahren habe ich entschieden, mich voll und ganz auf die Schiedsrichtertätigkeit zu fokussieren.

Wie oft sind Sie als Schiedsrichter tätig?

Seit Saisonbeginn bin ich auch international in der Europaleague und der Championsleague als Torrichter und als Vierter Offizieller im Einsatz. Zeitlich gesehen sind das aufwändigere Reisen, die unter der Woche stattfinden und drei Tage in Anspruch nehmen. Zu Studienzeiten war ich jeden Samstag als Schiedsrichter tätig. Jetzt bin ich zusätzlich circa alle drei Wochen auch werktags unterwegs.
Wie ließen sich ein Masterstudium und ein solch aufwändiges Hobby vereinbaren?
Das war eigentlich gar nicht so schwer. Die Fußballspiele waren ja immer am Wochenende, an denen keine Vorlesungen stattgefunden haben. Wenn ich doch einmal an Werktagen unterwegs war, hatte ich nette Kommilitonen, die mir ihre Notizen weitergereicht haben. Es hat sich also alles gut organisieren lassen. Nur während der Prüfungsphase war es etwas stressig, da ich durch die Spiele weniger Zeit zum Lernen hatte.

Was ging in der Prüfungszeit vor: Lernen oder Pfeifen?


In dieser Zeit habe ich mich als Schiedsrichter freistellen lassen. So etwas ist nicht üblich, aber mir war es wichtig, am Wochenende vor den Klausuren keine Spiele zu haben, um mich auf das Lernen konzentrieren zu können. Im Nachhinein betrachtet war das die richtige Entscheidung. Ich musste nie eine Ehrenrunde drehen.

Hatten Sie während Ihres Studiums überhaupt Zeit für ein „typisches Studentenleben ?

Das Studentenleben ist etwas auf der Strecke geblieben. Wenn man im Profisport tätig sein will, muss man das ein oder andere Opfer bringen und da gehörte bei mir nun mal das klassische Studentenleben auch dazu.

Kommen wir vom Studium zurück zum Fußball: Was wäre denn Ihr absolutes Traumspiel, das Sie pfeifen möchten?

Ich bin 26 Jahre alt und habe nie damit gerechnet, dass ich es überhaupt einmal als Schiedsrichter in die Bundesliga schaffe. Jetzt bin ich froh, dass ich meine ersten Spiele sehr gut über die Bühne gebracht habe. Ein Traumspiel, das ich gerne pfeifen würde, habe ich nicht.

Was machen Sie im Moment beruflich? Ein Vollzeit-Job ist mit Ihrem Hobby schlecht vereinbar, oder?

Ja, das stimmt. Ich habe auch nur 24 Stunden am Tag. Wenn ich noch zum Spiel anreisen muss und trainieren will, ist eine Vollzeitstelle einfach nicht machbar. Die große Kunst ist es jetzt, eine Teilzeitstelle zu finden, die die nötige Flexibilität hat. Ich führe momentan mit verschiedenen Firmen Gespräche und hoffe, dass mir möglichst schnell der Berufseinstieg gelingt.

Und was ist aus sportlicher Sicht Ihr nächstes Ziel?

Ich möchte mich auf jeden Fall in der Bundesliga etablieren. Das ist die höchste deutsche Spielklasse und Fußball ist die Sportart Nummer Eins in Deutschland. Internationale Einsätze haben aber noch mal ein ganz besonderes Flair. Mein großes Ziel ist es, auch bei internationalen Spielen als Schiedsrichter auf dem Platz zu stehen.

Das Interview führte Verena Sinn
von der Uni Bamberg
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