Oh Mann

(Foto: Foto: Veranstalter/privat)

Heute im Interview: Jürgen Kiesel, Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Werneck- Eckartshausen und ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge

Warum ist es in der heutigen Zeit wichtiger denn je, sich um Kriegsgräber zu kümmern?
Es gibt immer noch sehr viele vermisste Soldaten und jedes Jahr tauchen noch sehr viele Kriegstote bei Straßenbau- und sonstigen Flurarbeiten auf, die umgebettet werden. Viele Tote sind seinerzeit in Straßengräben verscharrt worden und tauchen heutzutage bei Verbreiterungsmaßnahmen wieder auf. Die Kriegsgräberürsorge ist eine freiwillige Organisation, wird aber mit festen Zuschüssen vom Staat unterstützt. Wir sind deshalb auf zusätzliche Spenden angewiesen, um die umfassenden Arbeiten ausführen zu können. Ein weiteres sehr großes Feld ist die Identifizierung, bei der es auch über 70 Jahre nach Kriegsende immer noch sehr große Erfolge gibt.

Welche Methoden werden heutzutage zur Identifizierung eingesetzt?
Das sind in erster Linie immer noch ganz konventionelle Merkmale, wie die Erkennungsmarke, die jeder Soldat am Hals trägt und die fast immer am Soldaten oder dessen näherem Umfeld zu finden ist. Diese Erkennungsmarken waren in den ersten Kriegsjahren aus Stahl, später dann aus Aluminium, nachdem der Stahl knapp wurde. Es sind aber auch persönliche Sachen, wie Eheringe, Taschenmesser mit Gravuren, die es seinerzeit häufig gab, die weiter helfen.

In welchen Ländern tauchen besonders viele tote Soldaten auf?
In allen ehemaligen Kriegsgebieten, also vor allem im Bereich der ehemaligen Sowjetunion, aber auch Polen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Behörden in diesen Ländern?
Sie ist sehr gut und wir werden überall freundlich empfangen. Es ist allerdings auch nicht ganz uneigennützig. Wir richten quasi umsonst Gelände her und pflegen auch die Landschaft. Wir finden zudem ja nicht nur deutsche Soldaten, sondern oft auch Angehörige aus diesen Ländern, die natürlich ebenso sorgsam behandelt werden und für die wir ebenfalls die nötigen Identifizierungsversuche einleiten. Wir dürfen dort sogar in Bundeswehr-Uniformen arbeiten, die sich als praktische Arbeitskleidung erwiesen hat,

Wie werben Sie um Nachwuchs?
Es gibt Jugendworkshops für interessierte Jugendliche. Die sind freiwillig dabei und bekommen keine gesonderte Entlohnung. Sie werden aber mit ins Ausland genommen und werden von uns verpflegt. Die von uns angebotenen Plätze sind jedesmal alle belegt. Viele Jugendliche helfen auch bei den alljährlich im Herbst stattfindenden Sammlungen für die Kriegsgräberfüsorge. Überdies gibt es das Friedensforum, das Jugendliche und Schulen mitsamt ihren Lehrern anspricht, um mit Friedensaktionen in den Städten auf sich aufmerksam zu machen.

Was sind weitere Aufgaben der Reservisten?
Gemäß unserem Leitspruch „Tu was für dein Land“ waren wir zuletzt beim Hochwasser an der Donau im Einsatz, haben mit Sandsäcken Wälle gebaut. Wir sind aber auch weltweit als unterstützende Einheiten für die Bundeswehr im Einsatz. Gerade beim derzeitgen Personalmangel ist die Bundeswehr sehr dankbar für diese Unterstützung.

Welche Maßnahmen leiten Sie hier vor Ort?
Wir haben zuletzt den Gedenkstein im Wernecker Schlossgarten erneuert, der an die Schüler der Unteroffiziersschule 3 der damaligen Luftwaffe erinnert. Sie haben das Schloss mit Löscheinsätzen vor dem Abbrand bewahrt und somit für die Nachwelt erhalten. Das perfide an dieser Angelegenheit war, dass die Flugzeuge mangels Sprit nicht starten konnten. Diesen jungen 18-jährigen Schülern konnte deshalb das Fliegen nicht beigebracht werden, weshalb sie in den letzten Kriegstagen an der Front regelrecht „verheizt“ wurden.

Was ist der Wunsch von Jürgen Kiesel für die Zukunft?
Ich wünsche mir natürlich dass unsere Maßnahmen zur Friedenserhaltung und zur Völkerverständigung beitragen. Unser Leitspruch „Aus Feinden werden Freunde“ ist noch lange nicht zu Ende verwirklicht. Wir haben gerade in der heutigen Zeit noch viel Arbeit vor uns.
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