Ökolandbau als Königsweg für den ländlichen Raum

Anton Gößmann (1. Bgm. Wasserlosen), Sigi Hagl (Landesvorsitzende Bündnis90/Grüne), Paul Knoblach (Naturlandbauer und Kreisrat) und Michael Reck (Kreisobmann des bayr. Bauernverbandes), sowie Moderatorin Barbara Pfeuffer

Die Informationsveranstaltung "Ökolandbau als Perspektive für den ländlichen Raum in Unterfranken" (organisiert durch den Kreisverband Schweinfurt, Bündnis 90/Die Grünen) am 1. Juni in der Musikantenscheune Greßthal war mit überzeugenden Referenten und Diskussionsteilnehmern und einem kleinen, aber sehr interessiertem Publikum in stimmungsvoller Umgebung ein großer Erfolg.

Nach einem einleitenden Grußwort von Stefan Fuchs (Sprecher Bündnis90 /Grüne KV SW), stellte Anton Gössmann, erster Bürgermeister der Gemeinde Wasserlosen, unter dem Titel „Ökolandbau und Regionalvermarktung – Sinn und Zweck der Öko-Modellregionen“ anschaulich die Öko-Modellregion Oberes Werntal vor. Dabei betonte er, dass ökologische Landwirtschaft nach wie vor ein großer Wachstumsmarkt sei, allein im Jahr 2016 gab es einen Umsatzzuwachs von knapp 10%.
Bio-Landwirtschaft gehe nicht nur schonender mit den natürlichen Ressourcen um, sondern mache den ländlichen Raum attraktiver, erhöhe die regionale Wertschöpfung und sichere den Landwirten stabilere und höhere Preise. Die Ökomodellregion "Oberes Werntal" (46 Dörfer in 10 Gemeinden) ist eine von 12 Ökomodellregionen in Bayern, die sich zum Ziel gesetzt haben, die regionale Bio-Landwirtschaft in Bayern bis 2020 von 6% der Fläche auf 12% zu verdoppeln. Hierbei setzt man nicht nur auf die bessere Vernetzung der Landwirte untereinander, sondern auch auf die Erschließung neuer Marktsegmente, etwa in Gastronomie und Direktvermarktung, sowie auf die Bewusstseinsbildung der Verbraucher, welche bereits bei den Jüngsten im Kindergarten anfange.
Damit habe man bereits in wenigen Jahren gute Erfolge erzielt: Die Zahl der Öko-Betriebe ist von 36 auf 42 gestiegen, 16,7 % der Flächen werden im oberen Werntal jetzt ökologisch bewirtschaftet und die Nitratwerte haben sich auch auf den konventionell bewirtschaften Flächen deutlich gebessert. Bemerkenswert sei auch, dass die Öko-Quote unter den Vollerwerbslandwirten inzwischen höher ist als jene unter den Nebenerwerbslandwirten.
Paul Knoblach, Kreisrat von Bündnis 90/Die Grünen, berichtete in einem hoch informativem Grundsatzreferat über seine 25 jährigen praktischen Erfahrungen im Ökolandbau. Dabei stelle er zunächst die gemeinsamen Anliegen von öko- und konventionellen Landwirten heraus, etwa den Kampf gegen den immer noch viel zu hohen Flächenverbrauch durch Siedlungen, um dann auf die Unterschiede beider Schulen aufmerksam zumachen. Neben unterschiedlichen Auffassungen zum Thema Tierwohl seien vor allem bei den Themen Bodenschutz und Biodiversität noch deutliche Defizite im Bewusstsein vieler konventioneller Landwirte vorhanden. So führe die Anwendung von übermäßigen Medikamenteneinsatz im Stall, sowie übermäßige Düngung auf den Feldern zwar kurzfristig zu größeren Erträgen, langfristig seien durch Resistenzen und Erosion jedoch Mindererträge und Schäden für das gesamte Ökosystem zu befürchten.

In der von Barbara Pfeuffer souverän geleiteten Podiumsdiskussion, die sich den Referaten anschloss, machte Michael Reck, Kreisobmann des bayrischen Bauernverbandes deutlich, dass der Ökolandbau für seinen Verband nur ein Betriebsmodell unter vielen anderen sei. Ob es für den jeweiligen Betrieb passe, müsse die betroffenen Bauernfamilie in ihrer unternehmerischen Verantwortung selbst entscheiden. Angesprochen auf die Themen Kunstdünger und Medikamenteneinsatz im Stall sprach er sich für ein grundsätzliches Vertrauen in die Wissenschaft aus. „Wenn der Arzt ihnen einen Grippemittel verschreibt, müssen Sie auch darauf vertrauen, dass Nutzen und Risiken im richtigen Verhältnis stehen“, erklärte er. Gleiches gelte beim Einsatz chemischer Hilfsmittel in der Landwirtschaft. Wichtig sei das Dossierungsvorschriften genau beachtet werden, was durch strenge Auflagen für alle Betriebe gewährleistet sei.
Die aus Landshut angereiste Sprecherin der bayrischen Grünen Sigi Hagl stellte klar, dass es durchaus auch konventionelle, bäuerliche Familienbetriebe gäbe, die vernünftig und vor allen Dingen umweltverträglich arbeiteten. Jedoch sei auch bei Familienbetrieben im süddeutschen Raum die Tendenz zu immer mehr industrieller Massentierhaltung klar erkennbar. Bei Schweineställen mit 6000 Mastplätzen und mehr, wie sie etwa in Niederbayern in großer Zahl gebaut werden, sei eine halbwegs artgerechte Haltung nicht mehr zu realisieren, die enorme Masse an Gülle führe zwangsläufig zu Überdüngung und schlechten Grundwasserwerten.
Die Ökolandwirtschaft mit ihren strengen Richtlinien stelle deshalb für sie den Königsweg da. Aus diesem Grund gelte es die aktuelle Landwirtschaftspolitik, die vor allem auf Produktionssteigerung und immer mehr Masse setzte, grundlegend zu reformieren.
Trotz mancher sehr kontroverser Meinungsverschiedenheiten im Detail lief die Diskussion, an der sich auch die Zuhörer rege beteiligten, sehr sachorientiert und frei von jegliche Polemik ab.
In seinem Schlusswort dankte Paul Knoblach ausdrücklich seinem Kollegen Michael Reck. Bis vor wenigen Jahren sei es noch undenkbar gewesen, das Vertreter des Bauernverbandes und der Grünen so konstruktiv miteinander diskutieren würden.
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