Oberbürgermeister Remelé will Rathenau-Schulen auf Grund der aktuellen Entwicklungen erhalten

Die Schüler protestierten Ende des vergangenen Schuljahres gegen die Schließung ihrer Schule. (Foto: Maria Sauer)
 
Rocknight in der Realschule Schonungen.
Oberbürgermeister Sebastian Remelé will die Rathenau Schulen erhalten. Diese Entscheidung fiel während der Sommerpause. Der Grund, die Schließung in Frage zu stellen, war der Beschluss des bayerischen Kabinetts, der im Rahmen der Klausurtagung am Tegernsee Ende Juli gefasst wurde. Demnach sollen das acht- und das neunstufige Gymnasium (G8 und G9) zum Schuljahr 2018/19 parallel existieren. Die Gymnasien sollen selbst entscheiden, ob sie beide Varianten anbieten oder eine bevorzugen. Auch die Schüler haben so künftig eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9. Zwar war eine Rückkehr des G9 in den Berechnungen, die dem Schulentwicklungsplan zu Grunde liegen, bereits berücksichtigt, eine solch schnelle Kehrtwende der Staatsregierung und die Veränderungen im bayerischen Bildungssystem, die durch die geplante Parallelstruktur bevorstehen, waren so nicht vorauszusehen. „Mein vorrangiges Ziel ist es, eine zukunftsfähige Schullandschaft für Schweinfurt und die Region zu schaffen. Jetzt haben wir die Chance, die Entwicklung der Rückkehr des G9 zu beobachten“, so Oberbürgermeister Sebastian Remelé. „Ich stehe nach wie vor zu den Überlegungen, die die Stadt Schweinfurt bezüglich der Zukunft der Rathenau-Schulen erarbeitet hat und bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die in den letzten Wochen und Monaten trotz des harten Gegenwinds und teils auch persönlicher Anfeindungen viel Engagement und Einsatz in dieser Sache gezeigt haben. Doch nach der Entscheidung, das G9 in Bayern wieder flächendeckend und parallel zu einem achtstufigen Gymnasium einzuführen, werde ich dem Stadtrat vorschlagen, die Rathenau Schulen vorerst nicht zu schließen, die neuen Entwicklungen in der Bayerischen Schullandschaft aber weiter zu beobachten.“ Zu diesen Überlegungen kam die Unklarheit darüber, wie und wann der Kreistag bezüglich einer Verlagerung der Realschule Schonungen nach Schweinfurt entscheidet. „Es ging niemals nur um die Schließung des Gymnasiums, sondern auch um die Stärkung des Realschulstandorts und der gesamten Bildungsregion Schweinfurt“, so Oberbürgermeister Remelé. „Landrat Florian Töpper stand den Plänen der Stadtverwaltung stets offen gegenüber. Für diese vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit möchte ich mich ausdrücklich bedanken. Wir werden uns weiterhin gemeinsam für eine starke Region einsetzen, auch für eine starke Schullandschaft.“ Oberbürgermeister Sebastian Remelé wird dem Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen daher vorschlagen, die Handlungsempfehlungen der Schulentwicklungspläne zum Walther-Rathenau-Gymnasium und den Realschulen nicht weiter zu verfolgen. „Als Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt sehe ich mich aber auch weiterhin in der Pflicht, Schweinfurt als Ganzes zu betrachten, Entwicklungen genau zu beobachten, um entsprechende Weichen für die Zukunft stellen zu können. Auch wenn dies bedeutet, dass ich Entscheidung treffen muss, mit denen ich keine Wählerstimmen gewinne. Das ist meine Verantwortung“, so Sebastian Remelé.

Mit Respekt und mit Verständnis hat Landrat Florian Töpper auf die jüngste Entscheidung des Oberbürgermeisters Sebastian Remelé beim Thema Schulentwicklungsplan reagiert. Landrat Florian Töpper: „Aufgrund mehrerer positiver Effekte für den Landkreis war und ist das Angebot der Stadt für die Landkreisverwaltung diskussionswürdig. Es wurde für gut und sinnvoll erachtet, weitere Details zu prüfen. Allerdings kann ich die aktuellen Beweggründe der Stadt sehr gut nachvollziehen. So oder so wäre es für beide beteiligten Gremien, Stadt- und Kreistag, eine schwere Entscheidung gewesen. Beschlüsse mit solch einer Tragweite benötigen eine breite Mehrheit, hier sind sich der Oberbürgermeister und ich völlig einig.Herr Oberbürgermeister Remelé und ich sind uns aber auch einig, dass auch künftig interkommunale Zusammenarbeit, wann immer es angezeigt ist, stattfinden muss. Unser beider Bestreben ist und bleibt es, die Region zu stärken und dazu gehört selbstverständlich auch eine zukunftsfähige Schullandschaft. Allen Beteiligten und Verantwortlichen muss aber auch klar sein, dass die Entwicklung einer Region manchmal durchaus schwierige und vielleicht auch nicht immer populäre Entscheidungen erfordert“

Dass die Pläne, die Rathenau-Schulen zu schließen und die Schonunger Realschule dorthin zu verlagern, nun verworfen wurden, nimmt Bürgermeister Stefan Rottmann mit großer Erleichterung zur Kenntnis. Von Beginn an hat sich die Gemeinde Schonungen mit hohem Engagement für den Verbleib der noch jungen und erfolgreichen Realschule eingesetzt. „Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und unsere Argumente an vielen Adressen vorgetragen, um den Standort zu halten!“, sagt Rottmann. Sein Dank richtet sich an den Gemeinderat aber auch die Bevölkerung. „Die große Solidarität und Unterstützung aus der Region hat uns sehr geholfen!“, so Rottmann.
Auch die Großgemeinde nimmt die Entscheidung der Stadt Schweinfurt mit Respekt und Verständnis zur Kenntnis. Trotz vergangener unterschiedlicher Positionen zum Thema „Schule“ wünsche man sich weiterhin eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis, die bereits auf vielen Ebenen erfolgreich praktiziert wird.

Bürgermeister Stefan Rottmann erneuert allerdings auch seine Zweifel gegenüber dem ausgearbeiteten Schulentwicklungsplan mit den verschiedenen Lösungsvarianten durch ein externes Büro. Im Schulentwicklungsplan fehlen wesentliche Aussagen und Angaben zur Bildungsqualität, Pädagogische Konzepte und Schwerpunkte, Raumbedarfe, Klassenstärken, detaillierte Stärken und Schwächen der einzelnen Schulen, Lehrkörper, ... usw... 

Die Studie beschränke sich fast ausschließlich auf Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung und sehr allgemein gehaltenen Aussagen zu den jeweiligen Schulhäusern. Die Auswirkungen zur Rückkehr zum neunstufigen Gymnasium und die Insolvenz einer Privatschule vor wenigen Tagen sind im Schulentwicklungsplan noch nicht bzw. nicht ausreichend untersucht.

Wie realitätsfern die durch das externe Büro aufgestellte Bevölkerungsprognose ist, zeigt das Beispiel Schonungen. Ausgehend vom Jahr 2014 prognostiziert das Bamberger Büro die Bevölkerungsentwicklung bis ins Jahr 2034. Erschreckend sind die Abweichungen, die bereits in den ersten beiden darauffolgenden Jahren, also 2015 und 2016 zwischen dem Schonunger Einwohnermeldeamt und dem ausgearbeiteten Schulentwicklungsplan festzustellen sind. Laut dem beauftragten Büro müssten in Schonungen 2016 nur noch zwischen 7.642 und 7.693 Bürgerinnen und Bürger leben. Tatsächlich sind es 7.797 (Stand 05.09.2016) Einwohner (mit Hauptwohnsitz) mit stark steigender Tendenz. Eine Abweichung zwischen 100 bis 150 Einwohner. 2034 sollen es sogar nur noch zwischen 6.627 und 7.060 Einwohner sein, wenn man der Prognose Glauben schenken darf. 

Wie seriös ist der Schulentwicklungsplan? "Es kann nicht unser Anspruch sein, von fallenden Einwohnerzahlen auszugehen - wir müssen für Wachstum und positive Entwicklungen sorgen und Strategien gegen negative demografische Trends erarbeiten.", wünscht sich Bürgermeister Stefan Rottmann. Vor allem der Zuzug und gute Rahmenbedingungen für junge Familien sind entscheidend. 
"Können Kindergärten, Schwimmbäder, Buslinien, Bibliotheken usw... dann noch gehalten werden, wenn heute der Schulentwicklungsplan mit seiner Bevölkerungsprognose als Entscheidungsgrundlage herangezogen wird?", fragt sich Rottmann.

Viele Kommunen verzeichnen starke Zuwächse bei den Geburtenraten und enorme Zuzüge. Ein Ende des Trends ist nicht absehbar. So hat die Anzahl der Geburten alleine in der Großgemeinde Schonungen in den letzten drei Jahren um fast 60% zugenommen. Der Landkreis und viele Gemeinden versuchen mit gezielten Innenentwicklungs- und Leerstandsprogrammen, mit aktiver Willkommenskultur und der Installation von Neubürgerlotsen erfolgreich den Zuzug zu befördern. Die wirtschaftliche Situation und der Arbeitsmarkt in Stadt und Landkreis rechtfertigen einen solchen Einschnitt in die Bildungslandschaft nicht.
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