Menschliche Grundfragen um Geburt und Tod – In der Kunsthalle wurde eine Ausstellung mit Werken von Bettina van Haaren eröffnet

Bettina van Haaren in ihrem Atelier. Werke von ihr sind derzeit in der Schweinfurter Kunsthalle zu sehen. (Foto: van Haaren)
Schweinfurt (red). Noch bis zum 12. März 2017 werden in der Kunsthalle Werke von Bettina van Haaren zu sehen sein. „Waldwasen durchlöchert“ ist diese Ausstellung überschrieben und sie reiht sich ein in einer ganze Reihe an bedeutenden Ausstellungen auf der ganzen Welt.
Das Werk Bettina van Haarens wurde schon in über 80 Einzel- und über 120 Gruppenausstellungen in Europa, USA, Neuseeland und China gezeigt. 20 Publikationen über sie liegen vor, sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Seit 2000 ist sie Professorin für Zeichnung und Druckgraphik an der TU Dortmund.
Die 1961 in Krefeld geborene Künstlerin ist eine Grenzgängerin zwischen Illusion und Realität. Ihre Arbeiten sind Selbstbilder, auf denen sie sich selbst performanceartig auf meist sehr großen Leinwänden, die in ihrer Tiefenwirkung an Installationen erinnern, erkundet und inszeniert. Bettina van Haaren führt in ihren Bildern ein Doppelleben, denn als deren Schöpferin ist sie auch gleichzeitig in der eigenen Person als Selbstbildnis Motiv. Zu sich selbst im Bild gesellt sie Alltagsgegenstände oder präparierte Tiere, welche die illusionistische und metaphysische Wirkung ihrer Werke surreal steigert, dabei erweist sie sich als eine Meisterin der Zeichenkunst. Ihre persönliche oft rätselhaft bleibende Symbolwelt steht als Metapher für die menschlichen Grundfragen um Geburt, Wachstum, Alter und Tod.
Der nackte Körper ist meist fragmentiert, skizzenhaft bzw. in ungleichgewichtigen Realitätsstufen dargestellt und grundsätzlich einer bestimmten Handlung unterzogen: stehend, hockend, liegend, etwas umgreifend präsentiert sie sich uns. Oft sind die Gliedmaßen abgetrennt und an anderer Körperstelle angefügt oder frei im Bildraum integriert. Die Physiognomie wird unterschiedlich deutlich herausgearbeitet, wenn das Gesicht überhaupt sichtbar ist. Im Gegensatz dazu ist die Haut als Oberfläche des Körpers und damit auch seine Schutzhülle fast übergenau mit allen Blessuren der Zeit gezeichnet, wie Alterungsspuren oder Narben.
In der Bildkomposition nimmt der Körper eindeutig eine zentrale Stellung ein.
Malerische und zeichnerische Elemente – vor auffällig neutralem Hintergrund - kehren in ihrem Formenrepertoire immer wieder. Es sind Gegenstände aus der Natur (Erde, Ton, Gras, Holz, Laub) oder des Alltags, die trotz aller vordergründiger Symbolik eher aufgrund des Zustand ihrer Oberfläche für die Künstlerin interessant erscheinen. Denn es sind ihre haptischen Eigenschaften: die glatte Struktur von Plastik, die glänzende Beschichtung von Schläuchen, weiche Stoffbahnen, das seidige Fell eines Fuchses oder das duftige Gefieder eines Schwans.
Ausgangspunkte sind innere Wirklichkeiten und die direkte sinnliche Wahrnehmung von Welt, ohne fotografische Vermittlung. Es ist ein Überprüfungsgeschehen von Erfahren, Erinnern und ein Neu-Erfinden. Bettina van Haaren reagiert auf das Leben fast tagebuchartig. Es ist eineArbeit gegen das Sich-Verlieren, an der Fremdheit und Unsicherheit des Da-Seins, ein ständiger Such- und
Erkenntnisprozess des momentanen Bewusstseins.
Die Zeichnungen durchlaufen den gleichen Prozess wie die Malerei: Das Ergebnis ist wenig planbar und soll es auch gerade nicht sein – über Drehungen, Zerstörungen, Radierprozesse, Reflexionsphasen des Umdenkens verwirklicht sich eine Bildidee.
Parallel zur inhaltlichen Suche arbeitet die Künstlerin an der Form: Es gibt eine Lust am Erzählen, am Schildern, aber mindestens genauso stark ist der Drang nach Rhythmus und Gerüst, die alles Beschriebene integrieren und Tiefenillusion auf der Fläche entwickeln. 
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