Markt Stadtlauringen will keine Ausgleichsflächen für Bamberger Großprojekt zur Verfügung stellen

Marktplatzdemo in Stadtlauringen: Vor allem Landwirte fürchten um ihr Ackerland, wenn die Stadt Bamberg hier Ausgleichsflächen für ihr neues Gewerbegebiet schaffen könnte. Weil Bieberbauten im Lauertal schon viele landwirtschaftliche Nutzflächen unbrauchbar gemacht haben, wurde auf einem Transparent der Vergleich zwischen „Bieber und Bamberger“ gezogen (kleines Foto). (Foto: Markt Stadtlauringen/Kastl)
Stadtlauringen (red). Zu einer Demonstration mit Schleppern und Traktoren kam es vor dem Stadtlauringer Rathaus. Grund sind Überlegungen der Bundesforstverwaltung die im Zuge von Bauprojekten vorgeschriebenen Ausgleichsflächen für die Belegung von Brachland in Großstadtnähe auf dem Lande zu platzieren:
Konkreter Fall ist der Wunsch der Stadt Bamberg eine Konversionsfläche (Muna) zu einem Gewerbe- und Industriepark zu entwickeln. Eigentümerin der Fläche ist der Bund, der seine Immobilie durch die BIMA verwalten lässt. Für das ca. 60 ha große Areal, das auch Rodungen erfordert, sind entsprechende Ausgleichsflächen zu schaffen. Offensichtlich sind die Überlegungen schon weit fortgeschritten, teilt Bürgermeister Friedel Heckenlauer mit, der bei der Demonstration verhindert war und von seinem 2. Bürgermeister Winfried Reß vertreten wurde.
Tatsache sei in jedem Fall, dass sich das Bundesforstamt im Einvernehmen mit der BIMA und der Stadt Bamberg um Ausgleichsflächen bemüht. Dabei hat man sich offensichtlich entschieden, den weitaus größten Teil dieser Ausgleichsflächen in der Gemarkung des Marktes Stadtlauringen auszuweisen.
Eingebunden in den Prozess ist nach Heckenlauers Ausführungen offensichtlich auch das Landwirtschaftsministerium, da in der Besprechung die Aussage fiel, dass die Frage der räumlichen Nähe zwischen Eingriff und Ausgleich – also Bamberg und Stadtlauringen – gegeben sei.
„Wir halten diese Vorgehensweise und vor allem das Ziel für mehr als bedenklich. Die Absicht, auf dem Gebiet im Markt Stadtlauringen zusätzliche Waldflächen zu Gunsten der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Bamberg zu schaffen, trägt der Gemeinderat nicht mit“, stellte 2. Bürgermeister Reß bei der Demonstration klipp und klar fest.
Für die Beforstung vorgesehen hat die Bundesforstverwaltung nämlich ein Plateau mit herrlicher Sicht in Hassberge und Rhön. Einer der schönsten Wanderwege der Region würde hiermit um sein Highlight gebracht. Doch das sei nicht das Hauptproblem. Heckenlauer befürchtet in einer Pressemitteilung vielmehr eine weitere Lastenverschiebung zugunsten von Städten zum Nachteil des Landes. Es könne nicht angehen, dass sich Städte immer weiter entwickeln und die nachteiligen Folgen die Landbevölkerung zu tragen habe. Dies umso mehr, weil sich die Stadt Bamberg bereits in Oberfranken mehrere Absagen einhandelte.
„Dem Markt Stadtlauringen und der gesamten Region gehen wertvolle Ausgleichsflächen vor der Haustüre für die eigene Entwicklung verloren. Wo sollen Wir den Ausgleich hernehmen, wenn sich bei uns eine positive Entwicklung anbahnt?“ fragte Reß bei der Demonstration gezielt. „Oder wird damit gar nicht mehr gerechnet?“ legt er nach.
Im konkreten Fall sollen 40 ha Ackerfläche einer Bewirtschaftung entzogen werden. Dies führe zu einem erheblichen Verlust von Anbauflächen und wird von der Landwirtschaft nicht hingenommen und ist auch nicht so hinnehmbar.
Wie Verwaltungsleiter Michael Kastl ergänzt, wurde kürzlich im Hinblick auf den Nationalpark Rhön von einem ehemaligen Mandatsträger ein Zusammenhang mit einer Ausgleichsfläche für die dritte Startbahn in München hergestellt. Soweit wolle man in Stadtlauringen gar nicht gehen, wenn aber eine Stadt wie Bamberg sich auf diesem Weg weiterentwickeln darf und kann und wenn dann gleichzeitig der Markt Stadtlauringen „im Wald bleibt, dann gute Nacht“, so Kastl.
Der Verwaltungschef geht sogar noch weiter: „Wenn dieses Modell Schule macht, stehen wir vor einem Ausverkauf des ländlichen Raumes. In München kostet ein ha Ackerland eine Million Euro, bei uns gerade 20.000 Euro! Da liegt auf der Hand, was uns erwartet. Die teuren stadtnahen Flächen werden Wohn- und Gewerbegebiete, der ländliche Raum stellt den Ausgleich!“.
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