Manche Einzelhändler wehren ihre Stellflächen gegen Fremdparker ab – Bis zu 30 Euro werden fällig – Wo Parkplätze geschützt werden

Schweinfurt (el). In größeren Städten gibt es das Problem schon mehrere Jahre. Zug- und U-Bahnlinien reichen nicht mehr weit genug ins Hinterland von Großstädten, sodass deren Bewohner mit dem Auto bis zur nächsten Haltestelle fahren, um dann mit U-Bahn oder Zug in die Innenstadt zu gelangen. Doch in Haltestellen-Umgebung ist Parkraum meist knapp, weswegen viele - verbotswidrig - auf die bis dato noch kostenfreien Parkplätze von Supermärkten ausgewichen sind.
Weil sich dort bisweilen mehr Fremdparker tummeln als Kunden hat beispielsweise Netto in Nürnberg schon 2014 eine „Parkraumüberwachungsfirma“ beauftragt, die Flächen nur für Kunden frei zu halten. Selbiges ist nun auch in Schweinfurt geschehen und so mancher Kunde staunte nicht schlecht, als er ein „Knöllchen“ über 30 Euro an seinem Scheibenwischer vorfand. Der Grund war ganz einfach eine vergessene Parkscheibe, denn Netto gewährt seinen Kunden sehr wohl kostenfreien Parkraum, aber eben nur für 90 Minuten. Zum Beweis ist eine Parkscheibe zu hinterlegen.
An die Fahrzeughalteradressen gelangen private Überwachungsfirmen ganz einfach: Sie fragen bei den jeweiligen Zulassungsstellen nach und diese müssen nach § 39 Abs. 1 und 2 Straßenverkehrsgesetz (StVG) auch Auskunft erteilen, wenn es um die Geltendmachung von Schadensansprüchen geht.
Auch Netto in Schweinfurt hat einen Parküberwachungsdienst engagiert. Die Stuttgarter Firma Park & Control erledigt das, hat aber auf eine entsprechende Anfrage, wie sie an die Halteradressen gelangen, nicht geantwortet. Die Antwort gaben die Zulassungsstellen von Stadt und Landkreis. Auch Netto in Schweinfurt führt für die restriktive Regelung die Belegung durch Fremdparker an. Allerdings wurde ein voller oder gar überfüllter Parkplatz auch zu traditionell hochfrequentierten Zeiten wie vor Heilig Abend oder vor dem Karfreitag noch nie gesichtet. Die Netto-Pressestelle in Maxhütte-Haidhof gibt aber eben die angebliche Überfüllung durch Fremdparker als Grund vor. Weil sich die Schranken-Regelung nicht bewährt habe, wurde ein Überwachungs-Unternehmen beauftragt. Dies sei „branchenübliches Vorgehen“ heißt es weiter. Auch dass Kunden aufgrund komplizierter Parkregelungen möglicherweise verärgert reagieren, wird nicht angenommen. Man haben die Regelungen „für den schnellen und unkomplizierten Einkauf“ angehen müssen, argumentiert Netto.
Auch auf dem Kaufland-Parkplatz in der Hauptbahnhofsstraße gab es nie wirkliche Parknot. Trotzdem wird dort seit kurzem das Parken mittels Schranken geregelt. Wer unter 90 Minuten parkt zahlt nichts. Bei Verlust des Tickets oder Ganztagesparken werden hier jedoch nur 15 Euro fällig. Auch hier wird die Belegung durch Fremdparker als Grund für die Beschrankung angeführt. Jedoch bilden sich seitdem insbesondere beim Ausfahren bislang lange Schlangen. Mancher Kunde scheint aus welchen Gründen auch immer am Ausfahrautomat überfordert.
Doch es geht auch anders. Beim E-Center Höchner am Bergl gibt es überhaupt keine Überlegungen in diese Richtung, obwohl auch hier direkte Nähe zur Großindustrie und zum Hauptbahnhof gegeben ist. „Kundenfreundlichkeit ist uns wichtig und dazu gehören auch komfortable Parkmöglichkeiten ohne Zeitbeschränkung“ führt Yvonne Höchner an. Auch der Marktkauf im Hafen denkt nicht daran. „An solche Einschränkungen ist überhaupt nicht gedacht, Kundenservice und -komfort ist für uns ein ganz hohes Gebot“ erklärt Marktleiter Wilfried Schönborn. Manche verbringen mehrere Stunden im Marktkauf und da würden Parkzeitbeschränkungen nur für Unmut sorgen. Man sei überhaupt noch nicht auf die Idee gekommen, die Herkunft der Parkenden zu hinterfragen.
Auch Burkard Pfister von den Edeka Sczygiel&Pfister Märkten in Bergrheinfeld und Schonungen sieht keinen Anlass für Parkbegrenzungen. „Freie und geräumige Parkplätze sind das A und O für Kundenzufriedenheit“ sagt er. Praktische Erfahrungen aus anderen Edeka-Märkten hätten gezeigt, dass bei kontrollierten Parkzeitbegrenzungen die Kundenfrequenz über einen längeren Zeitrum schleichend zurück gehe. Pfister kann sich durchaus vorstellen, dass Läden „auf dem Land“ davon profitieren könnten.


Der Kommentar:

Trend der Zukunft: Einkauf online

An den „Einkaufseuro“ für den Wagen hat man sich inzwischen gewöhnt, an Pfandrückgabeautomaten auch. Nun muss auch noch das Parkticket gut aufgehoben werden, bzw. darf die Parkscheibe nicht vergessen werden, denn sonst kann Einkaufen noch teuerer werden, als es ohnehin schon ist. Einkaufen ist komplizierter geworden. Weil die restriktiven Parkhandhabungen aufgrund meist genügend freier Parkflächen offensichtlich ohne echte Not erfolgen, erscheint das Argument der Fürsorge für parkplatzsuchende Kunden vordergründig. Weil auch die natürliche Reaktion des Kunden, diese Geschäfte zu meiden, billigend in Kauf genommen wird, drängt sich zudem der Verdacht auf, dass diese Handelsketten ganz andere Absichten verfolgen. Dort liegen möglicherweise schon die Pläne für „einkauf einfach“ in der Schublade, nämlich online. Was in den USA mittels Kurierdiensten oder sogar mit Drohnen schon funktioniert, könnte der neue Trend in Deutschland werden. Keine Gefahr eines „Parkremplers“ mehr, kein Einkaufseuro und auch keine Nachzahlung, wenn es doch mal länger als 90 Minuten dauert. Supermarktketten werden diesem Trend nur halbherzig oder gar nicht entgegen steuern. Sie werden Methoden entwickeln lassen, die den Supermarkt-Einkauf online höchst komfortabel gestalten. Dann müssen keine teueren Parkflächen mehr vorgehalten werden und die Kassiererinnen kann man sich auch gleich noch sparen. Bei allem Verständnis für die große Sorge um freie Parkplätze der einkaufenden Kunden ist also gleichermaßen auch Vorsicht angebracht.
Redaktionsleiter Daniel Wiener
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