„Man geht mit einem guten Gewissen ins Bett“

Der Schweizer Begegnungsclown und Kabarettist Marcel Briand (3. v. r.) im Gespräch mit den „Stars des Abends“: ehrenamtlich tätige Personen mit Behinderung und Vertreter der Institutionen, in denen diese im Einsatz sind.
 
Vermittler, die den Erstkontakt zu möglichen Einsatzorten herstellen, eine anfängliche Begleitung sowie für Neues offene Gemeinden, Vereine und andere Institutionen: Renate Baiker vom Lebenshilfe-Landesverband Bayern erläutert, wie man Menschen mit Behinderung den Einstieg ins Ehrenamt erleichtert.

Vortragsabend stellt ehrenamtlich tätige Menschen mit Behinderung vor

| Schweinfurt - „Es macht mich ein bisschen nervös, zwischen den Stars des Abends zu sitzen“, scherzte Moderator Marcel Briand zu Beginn der abschließenden Diskussionsrunde. Mit den Stars meinte der Schweizer Begegnungsclown und Kabarettist ehrenamtlich tätige Personen und Vertreter der Institutionen, in denen diese im Einsatz sind. Das Besondere dabei: Bei den Ehrenamtlichen handelte es sich ausschließlich um Menschen mit Behinderung. In der Schweinfurter Rathausdiele haben sie am Dienstag im Rahmen des von der Lebenshilfe Schweinfurt organisierten Vortragsabends „Leben in der Gemeinde“ von ihren Erfahrungen erzählt. Doch nicht nur das machte sie zu Stars. Ein zuvor gezeigter Kurzfilm stellte sie und ihr Engagement vor: bei der Freiwilligen Feuerwehr Wetzhausen, im Schweinfurter St.-Lukas-Kindergarten, im Musikverein Eschenbachtaler in Eckartshausen, als Haushaltsunterstützung bei einer Privatperson, in der Schweinfurter Vesperkirche und im hiesigen Rotkreuzladen. Der Film war im Auftrag der Lebenshilfe Schweinfurt und der Freiwilligenagentur Gemeinsinn entstanden. Gedreht hat ihn Sabine Otter. Das Publikum quittierte ihn mit reichlich Applaus.

Wer einmal ehrenamtlich tätig war, weiß: „Man geht mit einem guten Gewissen ins Bett“, erzählte Viktoria West im Film von ihren Beweggründen, sich bei der Vesperkirche zu engagieren. „Ich merke, dass ich als Ehrenamtlicher Teil vom Team sein kann und die Anerkennung von den Kollegen habe“, erläuterte Matthias Götz seine. Er arbeitet im Rotkreuzladen mit. Und Thomas Schüler, verantwortlich für das Freizeitnetzwerk der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Schweinfurt, fasste zusammen: „Wenn sich Menschen mit Behinderung ehrenamtlich engagieren, wachsen sie in ihren Aufgaben.“

Doch auch die andere Seite profitiert von diesem Engagement. „Es wird bei den Kindern eine Empathie erreicht, die man nur hat, wenn man über längere Zeit mit Menschen mit Behinderung zu tun hat“, sagte Ines Lamberty, Leiterin des St.-Lukas-Kindergartens. Einmal pro Woche besucht Undine Störkel für zwei Stunden die Einrichtung. Die Rentnerin sitzt im Rollstuhl, spielt und unterhält sich mit den Kindern. Wie Lamberty erläuterte, lernen die Kinder durch die Besuche, dass Störkel trotz ihrer Beeinträchtigung vieles kann, was sie nicht für möglich gehalten haben, oder manche Dinge einfach anders macht, als erwartet. Positive Erfahrungen, von denen auch Monika Brätz berichtete. „Es hat uns als Gemeinschaft verändert. Wir sind offener geworden“, sagte die Dirigentin des Musikvereins Eschenbachtaler. Seit geraumer Zeit spielt Stefan Pfister Trommel beim Vereinsnachwuchs. Wie Brätz ausführte, passt das Schlagzeug zum ausgezeichneten Rhythmusgefühl Pfisters. Eine Tätigkeit zu finden, die den Wünschen und Fähigkeiten eines Ehrenamtlichen mit Behinderung entspricht, war nach Ansicht vieler an diesem Abend eine Grundvoraussetzung für eine beiderseits befriedigende Zusammenarbeit. „Es geht ja auch darum“, so Brätz, „dass man nicht das ganze Niveau senkt.“

Dass Menschen mit Behinderung ehrenamtlich tätig sind, ist übrigens nicht so ungewöhnlich, wie vielleicht vermutet. Wie Renate Baiker vom Lebenshilfe-Landesverband Bayern in ihrem Vortrag erläuterte, ist die Motivation dafür ähnlich wie bei Menschen ohne Behinderung. Wer ehrenamtlich tätig ist, hat das Gefühl, etwas Sinnvolles, Wichtiges zu tun. Er erfährt für seine Arbeit Anerkennung und Wertschätzung, er lernt neue Dinge und neue Menschen kennen. Dennoch seien die Hindernisse, die Menschen mit Behinderung bis zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu überwinden hätten, bisweilen größer. Vermittler, so Baiker, die den Erstkontakt zu möglichen Einsatzorten herstellten und eine anfängliche Begleitung seien in diesem Zusammenhang besonders wichtig. Auch brauche es Gemeinden, Vereine und andere Institutionen, die sich auf Menschen mit Behinderung im Ehrenamt einließen.
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