Luthers Reform veränderte die Welt

In kollegialer Verantwortung beraten und entscheiden die Oberkirchenräte in den Kirchenkreisen, die Abteilungsverantwortlichen aus dem Landeskirchenamt und der Landesbischof gemeinsam. Links Landesbischof Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm. (Foto: Evangelische Landeskriche Bayern)
Im Jahr des Reformationsjubiläums wird der Reformationstag erstmals und einmalig bundeseinheitlich als gesetzlicher Feiertag begangen. In aller Welt gedenken evangelische Protestanten an diesem Tag dem Beginn der Reformation mit dem Thesenanschlag Luthers vor genau 500 Jahren. Mit diesem einmaligen Feiertag soll an die große Bedeutung der Reformation erinnert werden.Im Zuge der großen Feiertage mit arbeitsfreien Tagen ist der Reformationstag bislang immer etwas untergegangen. Wie bedeutend er doch ist, dokumentiert die Tatsache, dass er zu seinem 500. Jahrestag einmalig als arbeitsfreier Feiertag installiert wurde. Schon immer war der 31. Oktober - der Vorabend des Allerheiligenfestes – dem Reformationstag vorbehalten, doch dieses mal ist es ein ganz besonderes Jubiläum.
Vor 500 Jahren schlug  Martin Luther an jenem Abend vor Allerheiligen 1517 in Wittenberg seine 95 Thesen zur Glaubensauslegung an die Tür der dortigen Schlosskirche. Die seinerzeitige Auslegung zu Ablass und Buße griff er dabei scharf an. Mehrere Bischöfe und andere geistliche Würdenträger hatte er schon im Vorfeld damit konfrontiert, ohne jedoch eine Resonanz hervorzurufen. So blieb ihm nur dieser geradezu revolutionäre Thesenanschlag, um die Bevölkerung wachzurütteln.
Luther kritisierte in seinen Thesen, dass die katholische Kirche gegen Geldbeträge die Reinigung von Sünden versprach. Er vertrat die Ansicht, allein der Glaube an Gott und die Reue befreien von der Strafe nach dem Tod. Ein rebellischer Gedanke zu Luthers Lebzeiten, als vor allem Dogmen und Traditionen das kirchliche Leben bestimmten und nur der Klerus Zugang zur Bibel hatte, die nur in Latein vorlag. Luther sah viele Fehlentwicklungen in der katholischen Kirche, die er korrigieren wollte. Nicht die Gründung einer neuen Kirche war seine Intention, sondern Veränderungen der bestehenden Konventionen.
Kritisiert wird heutzutage allerdings Luthers Haltung zu die Bauern, die sich nicht zuletzt auch durch seine Lehre ermuntert sahen, gegen herrschende Zustände aufzubegehren. Folge war der Bauernkrieg von 1524/25, der mit äußerster Brutalität niedergeschlagen wurde. Luther hatten den Bauern zuvor das Recht abgesprochen sich gegen das bestehende System zu stellen. Mehr als 100.000 Bauern kostete diese erste sozialrevolutionäre Aufstand der Geschichte das Leben. Mehr Mitspracherecht hatten die Bürger in den Reformierten Strömungen der Schweizer Zwingli und Calvin. Revolutionär waren die Reformatoren um Thomas Müntzer und die Täuferbewegung. Erasmus von Rotterdam und Luthers Freund Philipp Melanchton favorisierten eine humanistisch-behutsame Erneuerung, doch Luther verachtete Frauen und sandte Vernichtungswünsche gegen Bauern, Juden, Behinderte und Benachteiligte.
Doch in Glaubensfragen war der in Gang gesetzte Zug nicht mehr aufzuhalten. Sehr früh hielt die reformatorische Bewegung ihren Einzug in Mainfranken. Bereits 1542 schloss sich die freie Reichsstadt Schweinfurt der Lehre Luthers an. Unter dem maßvollen Einfluss des Magisters Johannes Sutellius (1542 bis 1547 erster evangelischer Pfarrer in Schweinfurt) vollzog sich der Übergang gewaltlos. Auch in deren Territorialorten Oberndorf, Weipoltshausen und Zell setzte sich die Reformation 1542 durch. Die Reichsdörfer Gochsheim und Sennfeld folgten kurze Zeit später.
Rund 26 Prozent der Einwohner Schweinfurts sind heute evangelisch und zum Dekanatsbezirk Schweinfurt gehören 21 Pfarreien, d.h. Pfarrämter, die teilweise aus mehreren, insgesamt 27, bestehen. In Gottesdiensten, Veranstaltungen, Gedenkfeiern, Büchern, Bildern, Gedenkmünzen usw. wurde und wird der Reformation und des Reformators auch in unserer Gegend schon während des ganzen Jahres 2017 gedacht.
In den neuen Bundesländern wurde der Reformationstag nach der Wende als gesetzlicher Feiertag eingeführt. Besonders groß gefeiert wird in Wittenberg, der Wirkungsstätte Martin Luthers. Hier finden am 31. Oktober Gedenkveranstaltungen statt. Aber auch hier in der Gegend wird mit einigen Veranstaltungen des bedeutenden Ereignisses gedacht. Schon seit September läuft im Museum Gunnar-Wester-Haus eine Ausstellung zur Geschichte der Reformation in Schweinfurt. Sie kann noch bis zum 19. November besichtigt werden. Anhand von 40 zeitgenössischen Original-dokumenten aus den Beständen des Stadtarchivs – darunter viele Lebenszeugnisse des Reformators Johannes Sutellius – wird der Prozess der Vorbereitung, Durchführung und Konsolidierung der Reformation seit den 1520er Jahren bis zur Annahme der Konkordienformel, dem verbindlichen Glaubensbekenntnis der Lutheraner, im Jahre 1577 dargestellt. Am Reformationstag selbst findet um 10:30 Uhr ein großer Festgottesdienst  mit der Regionalbischöfin Gisela Bornowski in der St. Johannis-Kirche, die bis heute die evangelische Hauptkirche Schweinfurts ist.
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