Jüdisches Erbe mitten unter uns

Auf die Einrichtungen jüdischer Gemeinden, hier ein Plan der Schweinfurter Synagoge, machte die Forscherin Elisabeth Böhrer bei der Obbacher Eröffnung der Wanderausstellung über das Landjudentum Landrat Florian Töpper (rechts) und Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold (links) aufmerksam. (Foto: Silvia Eidel)
 
Aus einer Biographie der Ausstellung: Verlobungsfoto von Salomon Neumann (1880-1971), in Burgpreppach geboren und um 1900 Lehrer in Gochsheim, und seiner Frau Frieda (1883-1942), geb. Dorfzaun, aus Schwanfeld. (Foto: Fredel Fruhmann)

Wanderausstellung über das Landjudentum in Unterfranken - Obbach ist erste Station in der Region


Schweinfurt (cw) „Mitten unter uns“ ist der Titel der Wanderausstellung, die vom 19. März bis 25. Mai 2014 im Landkreis Schweinfurt gezeigt wird. Sie beschäftigt sich mit den Landjuden in Unterfranken - vom Mittelalter bis ins 20 Jahrhundert - die auch den Raum Unterfranken seit dem 15. Jahrhundert prägten. In bis zu 200 kleinen ländlichen Gemeinden lebten Juden und betrieben von dort aus ihren Wanderhandel. Das Recht der freien Ortswahl erhielten sie erst ab 1861. Erst dann konnten sie auch in die Städte umziehen, was meist mit einem wirtschaftlichen Aufstieg verbunden war.
1932, kurz vor Hitlers Machtergreifung, gab es immer noch 108 jüdische Gemeinden. Viele kleine Synagogen und Friehöfe sind noch heute stille Zeugen jener Zeit. Jüdische Gemeinde gab es in der Region beispielsweie in Aidhausen, Arnstein, Euerbach, Geldersheim, Gochsheim, Maßbach, Niederwerrn, Prichsenstadt,Schonungen,Schwan- feld, Schwebheim, Schweinfurt, Stadtlauringen,Thüngen,Thundorf, Volkach, Waigolshausen, Werneck, Wonfurt oder Würzburg.
Als Einrichtungen hatten viele der Gemeinden eine Synagoge. In Niederwerrn beispielsweise ist heute die Gemeindebibliothek in der ehemaligen Synagoge untergebracht.

Die letzten Ruhestätten

Aber auch jüdische Elementar- beziehungsweise Religionsschulen, ein rituelles Bad oder einen Friedhof gab es häufig. Verstorbene Juden aus den ehemaligen Ritterdörfern Euerbach, Obbach, Niederwerrn sowie Geldersheim und Kützberg fanden zum Beispiel auf dem Friedhof in Euerbach ihre letzte Ruhestätte.
Im November 1938 wurde der Friedhof von Angehörigen der Hitlerjugend teilweise zerstört, so dass irreparable Schäden dadurch entstanden. Der etwas außerhalb des Ortes in Richtung Obbach auf einer Wiesenanöhe liegende Friedhof kann aber noch heute besichtigt werden.
Ziel der Ausstellung, die vom Arbeitskreis und dem Kooperationsprojekt „Landjudentum in Unterfranken“ in Zusammenarbeit mit dem Johanna-Stahl-Zentrum erarbeitet wurde, ist es, den Menschen und ihrer Kultur, die ein Teil Unterfrankens ist, ein Denkmal zu setzen.
Die Wanderausstellung gibt einen chronologischen Überblick über die jüdische Geschichte in Unterfranken zwischen dem Mittelalter und dem 20 Jahrhundert. Am Beispiel jeweils eines Landkreises werden dann die neun wichtigsten Themen präsentiert. Abgerundet wird die Ausstellung durch vier Einzelbiografien, eine Audiostation, zwei Tafeln zur jeweiligen Ausstellungsregion und ein kostenloses Begleitheft.
Die erste Station wird noch bis 3. April im Obbacher Rathaus, Dorfgraben 11, sein. Sie wurde bereits durch Landrat Florian Töpper, Bürgermeister Arthur Arnold und dem Verein „Unser Obbach e.V.“ eröffnet. Darauf folgt Gochsheim, vom 7. April bis 21. April in der Kirche St. Michael. Die beiden nächsten Stationen sind Schwanfeld, vom 22. April bis 6. Mai, im ehemaligen Gutmann-Anwesen, in der Jägergasse sowie vom 6. Mai bis 25. Mai in Gerolzhofen, in der Rüstkammer des Alten Rathauses am Marktplatz 20.
Bei allen Stationen gibt es ein Begleitprogramm mit offizieller Eröffnung, Filmen oder Vorträgen und vielem mehr. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.landjudentum-unterfranken.de sowie bei der Tourist-Information Gerolzhofen, Tel. 09382-903512, E-Mail: info@gerolzhofen.den
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