Integration von benachteiligten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt

  In Kooperation mit allen fünf Jobcentern der Region Main-Rhön und der Agentur für Arbeit haben die beruflichen Fortbildungszentren der Bayeri-schen Wirtschaft (bfz gGmbH) und die Gesellschaft zur Förderung berufli-cher und sozialer Integration (gfi gGmbH) im Rahmen ihrer ISOS-Abschlussveranstaltung zu einem Fachsymposium zum Thema „Inklusion von schwerbehinderten Menschen“ eingeladen. ISOS steht als Abkürzung für „Inklusive Sozialraumorientierung für schwerbehinderte Menschen in der Region Main-Rhön“. Aus Mitteln des Ausgleichsfonds finanzierte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales drei Jahre lang dieses Projekt in der Region, um schwerbehinderte Menschen bei der Integration ins Arbeitsleben zu unterstützen. Stephan Zeller ging in seiner Begrüßung auf den aktuellen Arbeitsmarkt ein: „Wir haben im Verlauf der drei Projektjahre einen Arbeitsmarkt im Wandel erlebt. In unserer Region haben wir nahezu Vollbeschäftigung er-reicht. Dennoch profitieren nicht alle im gleichen Maß von dieser Situation. Insbesondere schwerbehinderte Menschen fällt der Einstieg oder Wieder-einstieg ins Erwerbsleben weiterhin schwer. Deshalb ist unser Thema nach wie vor aktuell, auch wenn die Erfolge des Projekts sicherlich von der Dynamik profitiert haben.“
Christine Lindlein vom Integrationsfachdienst Schweinfurt, der bei der gfi gGmbH angesiedelt ist, berichtete von den Projektanfängen und was das Besondere an diesem Projekt ist, nämlich eine Sozialraumorientierte Unterstützung der Arbeitslosen, das heißt, den Menschen dort abholen, wo er zu Hause ist und wo er gerade Unterstützung braucht. Yvonne Röll, Team-leiterin des Projektes, zeigte anhand von konkreten Zahlen auf, dass sich der Aufwand gelohnt hat. 35 % der gut 200 Teilnehmer konnten erfolgreich in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt werden. Das ist weit mehr, als man sich ursprünglich für diese Zielgruppe aufgrund der multiplen Problemlagen erhofft hatte.
Gleich zwei Arbeitgeber stellten vor Ort ihre neuen Mitarbeiter vor. Das Sanitätshaus Traub hat einen gehörlosen ISOS-Teilnehmer in Vollzeit ein-gestellt und auch bei der Firma P.A.C. konnte eine weitere gehörlose Teil-nehmerin von Langzeitarbeitslosigkeit in unbefristete Beschäftigung wech-seln. Beide Unternehmen berichten von den Hürden und Kommunikations-schwierigkeiten im alltäglichen Geschäft, aber auch von den vielen Vortei-len und den wertvollen Kompetenzen, die ihre neuen Mitarbeiter mitbrin-gen. Andreas Traub betonte, dass es in Unternehmen durchaus Beschäfti-gungsmöglichkeiten für behinderte Menschen gibt, wenn die Aufgabe zum Menschen passt, dann gibt es auch eine Chance.
In der anschließenden Diskussionsrunde erörterten Alexandra Elbert, Ex-pertin für Grundsicherung der Agentur für Arbeit, Wolfgang Heinze, Schwerbehindertenvertrauensmann der Fa. SKF, Colja Lauterbach, Integ-rationsfachdienst Schweinfurt und Dr. Hans-Günther Ritz, Sozialrechtler und Dipl.-Soziologe, das Thema INKLUSION aus verschiedenen Blickwin-keln. Alexandra Elbert hatte durch einen Hausbesuch ein „Aha-Erlebnis“, wie sie selbst einräumte. „Aufgrund der katastrophalen persönlichen Situa-tion können manche Menschen überhaupt nicht arbeiten.“
„Durch das Projekt ISOS wurde ein niederschwelliger Zugang zum Integra-tionsfachdienst hergestellt“, pflichtete Colja Lauterbach bei. Der IFD sei kein sozialer Anwalt, vielmehr ginge es darum gemeinsam zwischen Ar-beitnehmern, Arbeitgebern und Kostenträgern Vertrauen herzustellen und eine gute Lösung zu finden, so Lauterbach weiter.
Der Behindertenbeauftragte von SKF, Wolfgang Heinze, sieht den IFD als wichtiges Bindeglied zwischen den Betroffenen und Firmen an. Seiner Mei-nung nach müsste mehr Druck auf die Arbeitgeber ausgeübt werden. „Ent-weder muss die Beschäftigungs-Quote oder die Ausgleichsabgabe deutlich erhöht werden.“
Die Gesprächspartner waren sich einig, dass erfolgreiche Inklusion nur mit einem entsprechendem Unterstützungs-Netzwerk gelingen kann. Genau dies war das Ziel des Projektes ISOS Main-Rhön – ein breites Netzwerk generieren, um möglichst viele arbeitslose schwerbehinderte in die Gesell-schaft zu integrieren.
Diese Netzwerkarbeit wurde durch ISOS angestoßen und wird auch nach dem Projektende fortgeführt. Das Unternehmens-Netzwerk INKLUSION, ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabili-tation e.V., wird sich zusammen mit den örtlichen Arbeitgebern, zahlreichen Einrichtungen und den Fachbehörden dem Anliegen annehmen. Die Unterstützung von schwerbehinderten Menschen wird durch Fachleute, wie z.B. Reha-Mitarbeiter, Integrationsfachkräfte oder Inklusionsberater, weiterge-führt. Das Bundesteilhabegesetz hat sich INKLUSION zum Schwerpunkt gesetzt “
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