Inklusion am Gartenzaun

Für den Sichtschutz sind verschiedene Flechttechniken gefragt: Josef Weinbeer (rechts), Leiter der Tagesgruppe der Werkstatt für behinderte Menschen Sennfeld, und Tagesgruppen-Mitarbeiter Alexander Schira zeigen den Vorschulkindern Katharina Klein und Georg Sabelfeld eine davon.
 
Teamwork: Linus Kleinhenz (hinten) und Oliver Köhl (rechts), Praktikanten in der Tagesgruppe der Sennfelder Lebenshilfe-Werkstatt, arbeiten mit den Vorschulkindern Hamsa Alshawaf (links) und Leano Seel an einem der sieben, mannshohen Sichtschutzelemente aus Weidenzweigen.

Hambacher Kindergarten flicht mit Lebenshilfe Schweinfurt Sichtschutz

| Hambach - Das beinahe fertige Werk wollte sich auch Willi Warmuth nicht entgehen lassen. Am Mittwoch hat der Bürgermeister der Gemeinde Dittelbrunn die Marienkindertagesstätte im Ortsteil Hambach besucht, um sich einen Sichtschutz für deren Gartenzaun anzuschauen. Das Besondere daran: Die Vorschulkinder der Schmetterlingsgruppe hatten den Sichtschutz zuvor zusammen mit Mitarbeitern der Tagesgruppe der Werkstatt für behinderte Menschen Sennfeld geflochten. Sieben über mannshohe Stellelemente aus Weidenzweigen sind so in der Turnhalle des Kindergartens entstanden. Sie sollen den Kindern und Anwohnern in Zukunft ein wenig Entspannung voneinander bieten. „Das gefällt mir richtig gut“, lobte Warmuth.

Sich einen Sichtschutz einfach zu kaufen, war für die Marienkindertagesstätte nicht infrage gekommen. Wie Elisabeth Wolz, Leiterin der Schmetterlingsgruppe, erklärte, sollte es etwas von den Kindern Selbstgemachtes sein. „Um die handwerklichen Fähigkeiten zu schulen und ein persönliches Verhältnis dazu aufzubauen“, erläuterte sie. Indem Wolz nach Rücksprache mit Einrichtungsleiterin Walburga Geis die Tagesgruppe der Werkstatt Sennfeld anfragte, machte sie aus dem Sichtschutz im Handumdrehen ein Inklusionsprojekt.

In der Tagesgruppe der zur Lebenshilfe Schweinfurt gehörenden Werkstatt Sennfeld nehmen Mitarbeiter mit Behinderung an mehrwöchigen „Auszeiten“ teil. Anstelle von Lohnarbeiten für industrielle Auftraggeber stehen dann kreative und lebenspraktische Tätigkeiten auf dem Programm.

Josef Weinbeer leitet die Tagesgruppe. Ein Team aus Mitarbeitern mit und ohne Behinderung unterstützt ihn dabei. Zwei von ihnen zeigten den Kindern an diesem Tag, wie man einen Sichtschutz aus Weidenzweigen flicht. „Das ist gut für beide Seiten“, erklärte Weinbeer. Die Kinder kämen ungezwungen in Kontakt mit Menschen mit Behinderung und seine Mitarbeiter erlebten, wie es sei, ihr Wissen weiterzugeben. Um sie dazu in die Lage zu versetzen, hatte Weinbeer zuvor mit ihnen geübt. Wie geht man für alle Beteiligten sicher mit Gartenscheren und langen Weidenzweigen um? Wie motiviert man Kinder über einen längeren Zeitraum? „Vor Ort“, so Weinbeer, „können wir nicht experimentieren.“

Das Ergebnis scheint gelungen. „Ich finde es gut, dass Kinder erleben, dass es normal ist, verschieden zu sein“, fasste Wolz ihre Eindrücke von dem Vormittag zusammen. Den Kindern habe die Arbeit Spaß gemacht, und sie sei überrascht, wie schnell die sieben Sichtschutzelemente fertig geworden seien. „Die Kinder waren schnell und wollten gar keine Pause machen“, bestätigte auch Tagesgruppen-Mitarbeiter Stefan Weber. Oliver Köhl, der derzeit ein Praktikum in der Tagesgruppe macht, schätzte vor allem die Neugier der Kinder. Dass diese bisweilen auch zu Fragen über die Behinderung des jeweiligen Mitarbeiters führte, störte niemanden. „Auf eine normale Frage gibt es auch eine normale Antwort“, sagte Tagesgruppen-Mitarbeiter Alexander Schira.
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