Gewerbeflächen sind weiter gefragt

Würzburg/Schweinfurt (red). Schweinfurt hatte die Zeichen der Zeit schon vor über 20 Jahren erkannt und mit der Ausweisung des Gewerbeparks Maintal die Weichen für die Zukunft gestellt. Für die nächsten Jahrzehnte sollten genügend Flächen zur Verfügung gestellt werden und es ist immer noch ausreichend Platz. Auch in vielen Umlandgemeinden sind entsprechende Anstrengungen unternommen worden. Viele Anrainergemeinden entlang der noch recht neuen Autobahn A 71 hatten sich mehr Nachfrage erhofft. Doch trotz der Vorzüge einer recht schnellen Anbindung an den Fernverkehr ist die Nachfrage nach Gewerbeflächen antlang der A 71 oft zurückhaltend.
Auf den gesamten Mainfränkischen Raum bezogen sieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Unterfranken jedoch Nachholbedarf. In einer Presseaussendung bezeichnet sie das Vorhalten von Gewerbeflächen nach wie vor als wesentlichen Faktor für eine wirtschaftlich starke Region. Das Gewerbeflächenangebot in Mainfranken sei nach einer neuen Gewerbeflächenanalyse der IHK Würzburg-Schweinfurt eher unzureichend.
Die Untersuchung der Wirtschaftskammer basiert auf einer Befragung von über 2.300 Betrieben und der Kommunen in Mainfranken. Sie zeigt Ansätze, um Entwicklungspotenziale in der Region zu erschließen und widerlegt die Behauptung des Flächenfraßes durch Gewerbeflächenausweisungen.
„Zwei von drei Gemeinden in Mainfranken haben keine ausgewiesenen Gewerbeflächenreserven mehr für Unternehmensexpansionen und -ansiedlungen frei. Und in 41 Prozent der Kommunen liegt die Nachfrage nach Gewerbeflächen über dem Angebot.“, berichtet Dr. Christian Seynstahl, Referent für Regionalentwicklung der IHK Würzburg-Schweinfurt.
Auch auf die derzeit ungenutzten Gewerbeflächen geht die Studie ein. Demnach hätten rund 60 Prozent der Gemeinden angegeben, dass ihre frei verfügbaren Gewerbeflächen nicht vollständig oder gar nicht erschlossen sind. Für Unternehmen sei dadurch schwer kalkulierbar, mit welchen Kosten bei Entscheidung für eine unerschlossene Fläche tatsächlich zu rechnen ist. Erschwerend hinzu kommt, dass sich beinahe die Hälfte der ungenutzten Gewerbeflächen in Privatbesitz befindet. „Dies forciert den Druck auf dem Gewerbeflächenmarkt“, so Dr. Seynstahl, denn häufig seien die Eigentümer nicht bereit, diese Flächen zu verkaufen.
Im Vergleich der mainfränkischen Landkreise und kreisfreien Städte zeichnen sich deutliche Unterschiede in Angebot und Nachfrage der Flächen ab. Von Engpässen berichten sowohl Unternehmen, als auch Kommunen insbesondere im Raum Würzburg und Schweinfurt, aber auch in den Landkreisen Kitzingen, Main-Spessart und den Haßbergen.

Die Probleme bei der Erweiterung des Unternehmensstandorts in Mainfranken kennt auch Monika Spindler-Krenn. Die Prokuristin der Sportwagen Spindler GmbH & Co. KG wollte das Porsche Zentrum am ursprünglichen Standort in Würzburg erweitern. „Für eine Vergrößerung des Autohauses standen uns im gesamten Würzburger Stadtbereich keine geeigneten Flächen zur Verfügung“, berichtet sie. Mittlerweile hat das Porsche Zentrum im Gewerbegebiet Estenfeld wiedereröffnet. Die Abstimmung mit der Kommune sei vorbildlich verlaufen. In der Nachbarschaft werde die Niederlassung weiterer Unternehmen jedoch durch zeit- und kostenintensive archäologische Grabungen und Feldhamster erschwert. „Die Gemeindeverwaltungen müssen das Thema der Gewerbeflächenverfügbarkeit endlich ernster nehmen. Schließlich geht es für sie nicht nur um Gewerbesteuereinnahmen, sondern um den Verlust von Arbeitsplätzen, wenn Unternehmen abwandern, weil das Angebot nicht passt“, mahnt Spindler-Krenn.
„Vollkommen zu Unrecht wird in der öffentlichen Diskussion Kritik am Flächenbedarf der Wirtschaft geäußert“, ergänzt Dr. Seynstahl: Die amtliche Statistik spreche eine andere Sprache. Weniger als ein Prozent der Bodenfläche in Mainfranken sei als Gewerbe- und Industriefläche ausgewiesen. Dagegen seien rund acht Prozent Wohn- und Verkehrsfläche, weitere rund 85 Prozent von Wäldern bedeckt oder würden landwirtschaftlich genutzt.
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