Gerald Meyer und Susanne Latta haben „die Reißleine gezogen“ – Haus wegen Windrädern verkauft – Landflucht erfährt eine völlig neue Dimension

Rothhausen/Oberelsbach (red). Gerald Meyer und Susanne Latta hatten zuletzt gefehlt bei der Bürgerversammlung in Rothhausen. Sie haben gefehlt, weil sie nicht mehr in Rothhausen wohnen. Der Filmemacher und die Künstlerin waren 2012 aus Düsseldorf an die Rothhäuser Mühle gezogen, um sich von der Idylle der fränkischen Landschaft im Lauertal für ihr künstlerisches Schaffen inspirieren zu lassen.
Doch sie waren im Frankenland kaum angekommen, hatte ihre Vision von der Ruhe in der Natur ein jähes Ende. Er werde wohl nichts gegen Windräder haben, wurde er bei der Übergabe einer Flasche Bürgermeistersekt zur Willkommenheißung von Neubürgern begrüßt, berichtet Gerald Meyer gegenüber dieser Zeitung. Dabei hat der Profimusiker schon von Berufswegen intensiv mit dem Thema Infraschall zu tun. Eine Thematik, die nach seiner Auffassung viel zu sehr unterschätzt wird. Der Bürgermeister hatte sich kaum verabschiedet, stand für Gerald Meyer fest, dass er hier unter Windrädern nicht lange werde leben können. Ein von ihm produziertes Video zu den inzwischen von der Firma Green City Energy gebauten Windrädern vor seiner Haustür fand im Internet ebenso europaweit Beachtung wie der Song „Steh auf!“, bei dem er Rothhäuser Bürger jeden Alters mitwirken ließ. Susanne Latta konnte durch die Versteigerung eines ihrer Kunstwerke der Bürgerinitiative Gegenwind 500 Euro zukommen lassen. Doch der Versuch von Stadtmenschen mit kreativen Ideen auch das Land zu bereichern ist gescheitert. Das Paar lebt jetzt in Oberelsbach in der Rhön.
„Wir haben die Reißleine gezogen“ berichtet der Filmemacher. „Die fünf bereits stehenden Windräder waren schon nervend genug und die Option, dass vielleicht noch drei weitere hinzu kommen war dann einfach nicht mehr tragbar“ sagt er, um auch gleich hinzuzufügen, wie „unendlich traurig“ ihn die Situation macht. Immerhin hatte das Paar in Rothhausen schnell Anschluss gefunden und Freundschaften geschlossen. Gleichwohl sei es für ihn und seine Partnerin doch leichter die Konsequenzen zu ziehen, „als Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben“. Er denkt dabei an die vielen Generationen von Menschen, die diesen Ort aufgebaut und geprägt haben und dieses Schaffen an ihre Nachfahren weiter geben wollen. Menschen, die ihrer Selbstbestimmung auch bei Bürgerversammlungen zum Ausdruck bringen, dann aber ihre Ohnmacht gegenüber „übergeordneten Kräften“ erkennen müssen.
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