Euro stärkt Wirtschaftsstandort – IHK-Studie zu 15 Jahre europäischer Gemeinschaftswährung sieht überwiegend positive Aspekte

Schweinfurt (ihjk). Für die einen ist der Euro die Hauptursache für niederige Zinsen und hohe Staatsverschuldung in einigen Mitgliedsländern, für die anderen ein Segen und die Schweißnaht für die Zukunft der EU. Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission geht sogar soweit, dass er den Euro verpflichtend für alle EU-Mitgliedsländer einführen möchte.
Die IHK Würzburg-Schweinfurt als größter Unternehmensverband der Region hat sich eindeutig positioniert und zum 15-jährigen Bestehen der Einheitswährung ein Statement veröffentlicht, nachdem der Euro den Wirtschaftsstandort Würzburg-Scheinfurt nachhaltig gestärkt hat. Dazu hat sie außerdem eine Studie veröffentlicht.
„Die gemeinsame Währung reduziert Kosten für Bürger und Unternehmen gleichermaßen, weil etwa keine Währungen getauscht werden müssen oder weil Wechselkursschwankungen bei Bilanzierung oder Fakturierung keine Rolle spielen.“, so Dr. Sascha Genders, IHK-Bereichsleiter für Standortpolitik sowie Existenzgründung und Unternehmensförderung. Die deutschen Exporte gehen immerhin zu rund 60 Prozent in Märkte der Eurozone, die zu den größten Wirtschaftsräumen der Welt gehört. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf betrug hier zuletzt 31.500 Euro und mit 142 Millionen Menschen waren 2016 rund zwei Drittel der Bevölkerung erwerbstätig. Zudem trägt die Europäische Union – 19 der derzeit 28 Mitgliedstaaten bilden die Eurozone – rund 17 Prozent zum weltweiten BIP bei und liegt damit nur knapp hinter China, aber vor den USA und Japan. Das zeigt, welche Schlagkraft der Wirtschaftsraum insgesamt besitzt.
Darüber hinaus vereinfacht der Euro den grenzüberschreitenden Handel, lässt Preisunsicherheiten verschwinden und hat zudem das globale, ökonomische Gewicht massiv zu Gunsten der Eurozone verändert: „Der Euro hat sich neben dem US-Dollar zur zweitwichtigsten Währung der Welt entwickelt und stärkt das politische Gewicht der Mitgliedstaaten.“, so Dr. Genders.

Zahlreiche Effekte für mainfränkische Betriebe.
Welche Folgen hatte die Euroeinführung für die regionale Wirtschaft?
Vor allem vor dem Hintergrund von Preisniveau-stabilität, Wechselkursentwicklung, Binnenmarkt, Außenhandel sowie Direktinvestitionen hat die IHK diese Frage beantwortet. Vor der Euro-Einführung als Buchgeld 1999 lag die durchschnittliche Preissteigerungsrate hierzulande bei rund 2,7 Prozent, danach mit rund 1,4 Prozent zwar unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank, aber die Schwankungen sind heute deutlich geringer als zu D-Markzeiten. Insofern hat sich die Stabilität der Preise verbessert. Ein Vergleich der Wechselkurse Euro-US-Dollar sowie D-Mark-US-Dollar zeigt ebenfalls eine geringere Volatilität.
„In der Tendenz niedrigere Inflationsraten sowie das günstigere Zinsniveau haben zusammen mit dem Wirtschaftswachstum die Konsum- und Investitionsbereitschaft gestützt.“, so Dr. Genders. In den Jahren 1991 bis 1998 lag das verfügbare Einkommen je Einwohner in der Region bei 14.948 Euro, in den Jahren 1999 bis 2014 bei 18.334 Euro. Positive Entwicklungen zeigen sich laut IHK-Analyse auch bei der Exportquote – zuletzt 42,7 Prozent – und den Direktinvestitionen. „Unter dem Strich geht es unseren Betrieben heute besser als früher, auch unsere Konjunkturindikatoren belegen die positiven Trends der letzten Jahre.“, erklärt Dr. Genders.

n Erfolgsmodell Europa weiter stärken

Der Euro und das gemeinsame Europa sind Erfolgsmodelle, trotz mancher Skepsis, wie der bevorstehende Brexit zeigt. Umso wichtiger sei es, aktiv für den Mehrwert einer europäischen Gemeinschaft zu werben, betont Kurt Treumann, IHK-Bereichsleiter International. Er wünscht sich Reformen auf
europäischer Ebene: „Eine Politik ohne weitere Schulden ist ebenso nötig wie eine konsequentere fiskalpolitische Koordinierung.“ Unternehmen bräuchten für ihre Investitionsplanung verlässliche Rahmenbedingungen, daher sollten die Mitgliedstaaten den Fiskalpakt mit den nationalen Schuldenbremsen umsetzen und die Konvergenzkriterien von Maastricht einhalten. Zudem sollte jede Regierung selbst für die eigenen Finanzen verantwortlich bleiben. „Wie im Geschäftsleben müssen Handlung und Haftung, Kompetenz und Verantwortung miteinander verknüpft sein.“

Mit Blick auf den Brexit bekräftigt der Außenwirtschaftsfachmann die hohe Bedeutung des Marktes des Vereinigten Königreichs für Deutschlands Wirtschaft und auch jener der anderen EU-Mitglieder. Umso mehr müsse darauf gedrungen werden, Balance zwischen guten zukünftigen Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich und einem weiterhin funktionierenden Binnenmarkt
zu finden.

Die Publikation „15 Jahre Euro – Effekte der europäischen Gemeinschaftswährung für den Wirtschaftsraum Mainfranken“ aus der Reihe „Wirtschaftspolitische Perspektiven“ ist als Download verfügbar unter www.wuerzburg.ihk.de/wirtschaftspolitische_perspektiven.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.