„Es lebe die deutsch-französische Freundschaft“

Die Gastschüler des Collège Lechanteur aus Caen wurden von Oberbürgermeister Sebastian Remelé im Rathaus empfangen. (Foto: Lehmeyer)
Französische Gastschüler aus Caen lernen in Schweinfurt die deutsche Weihnachtszeit kennen

Schweinfurt (tl). Es ist eine alte Idee, die bis auf die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zurückgeht. „Wer sich kennt, bekriegt sich nicht.“ Deshalb wurden Austauschprogramme ins Leben gerufen, erklärt Anne Guillotte, Deutschlehrerin am Collège Lechanteur in Caen. Gemeinsam mit ihrer deutschen Kollegin Simone Steinmann vom Walter-Rathenau-Gymnasium hat sie den diesjährigen Austausch der Partnerschulen organisiert, der bereits zum 16. Mal stattindet. Zur Vorweihnachtszeit sind die Schüler des Collège Lechanteur in Schweinfurt. Im März besuchen Schüler des Walther-Rathenau-Gymnasiums und des Olympia-Morata-Gymnasiums ihre Austauschpartner in Caen.

Der Schweinfurt-Besuch steht getreu unter dem Motto „Traditionen und Spezialitäten“. Die französischen Schülerinnen und Schüler sollen die Weihnachtszeit in Deutschland kennenlernen. Deshalb werden Plätzchen gebacken, die Weihnachtsmärkte besucht, eisgelaufen und gemeinsam musiziert. „Ein absolutes Highlight ist der Christkindlesmarkt in Nürnberg“, berichten die Schüler aus Caen mit Begeisterung. Es gebe durchaus Unterschiede zwischen der deutschen und der französischen Weihnacht, erzählt Anne Guillotte. In Deutschland liege ein viel größerer Akzent auf der vorweihnachtlichen Zeit, sie werde richtig zelebriert.

Bei der Begrüßung der Gastschüler aus Frankreich im Rathaus betonte Oberbürgermeister Sebastian Remelé die große Bedeutung von Austauschprogrammen in solch schwierigen Zeiten für die Europäische Union. Anne Guillotte schließt sich dem an. Durch Austauschprogramme werde die deutsch-französische Freundschaft gestärkt und wenn Deutschland und Frankreich gut zusammenhalten fördere das auch den Zusammenhalt innerhalb der Europäischen Union.

Dennoch wird Deutsch als Fremdsprache an französischen Schulen immer seltener gewählt. Spanisch erfreut sich einer größeren Beliebtheit. Die Deutschlehrerin aus Caen versucht trotzdem Werbung für die deutsche Sprache an ihrer Schule zu betreiben: „Wer in Frankreich Deutsch kann, hat auf dem französischen Arbeitsmarkt deutliche Vorteile. Deutschland ist nämlich nach wie vor der wichtigste Wirtschaftspartner Frankreichs. Außerdem ist Deutsch die meist gesprochene Sprache in Europa. Das wird oft vergessen.“

Aber auch die aktuelle politische Situation in Frankreich mit einem erstarkenden Front National ist ein Gesprächsthema bei dem Austausch. Anne Guillotte hofft, dass die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten als Wachrüttler für Frankreich fungiert und Marine Le Pen nicht gewählt wird. Die Menschen hätten nun gesehen, dass tatsächlich ein Populist an die Macht kommen kann, wenn sie nicht aufpassen.

Ebenfalls der Terror in Frankreich beschäftigt die Teilnehmer des Austausches. „Wir wollen uns nichts anmerken lassen und ganz normal weiterleben“, berichtet die Deutschlehrerin des Collège Lechanteur. Sie glaubt außerdem, dass die Terroristen das genaue Gegenteil von dem erreicht haben, was sie erreichen wollten. Es sei mehr Solidarität zu spüren, auch zu den Menschen mit Migrationshintergrund. Die Franzosen könnten ganz genau zwischen dem Islam und Islamismus unterscheiden.

Somit können sich die deutschen Schüler auf eine schöne und ereignisreiche Woche in Caen freuen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.