Elektro Beuschlein schließt nach fast 80 Jahren – Im digitalen Zeitalter ist kein Platz für Leidenschaft

Die Beuschlein-Belegschaft 1972 (Foto: Privatarchiv)
Schweinfurt (red). Der Räumungsverkauf läuft schon seit Anfang des Jahres und immer wieder finden sich noch Restposten im Lager von Elektro Beuschlein. Der Räumungsverkauf wurde deshalb auf unbestimmte Zeit verlängert.Und Christel Beuschlein ist durchaus erstaunt, wieviele „Fans“ es noch von Cassettendecks, Schallplattenspielern und Videogeräten gibt. Wehmut schwingt dabei dennoch mit, hängt doch quasi ihr ganzes Leben daran.
Angefangen hat alles durch ihren Schwiegervater Adolf Beuschlein, der 1939 ein Elektrofachgeschäft am Graben gründete. Das heutige Stammhaus am Marktplatz wurde jedoch schon 1949 bezogen. Es sollten gute Jahre folgen. Die Nachfrage nach Fernsehgeräten stieg in den 1950er Jahren an. Der Rock ´n´Roll brachte Ende der 50er und in den 60er Jahren immer mehr Tonträger auf den Markt und auch zuhause wollten die Menschen Musik in immer besserer Qualität hören.
„Elektro Beuschlein“ war dabei immer auf der Höhe der Zeit. Es erlebte den Wandel vom Tonbandgerät zum Cassettengerät, vom Schalplattenspieler zur CD, von Video zur DVD und vom Röhrenfernseher zum LED-Fernsehen. Immer wieder gabe es Schübe und Neuerungen, die das Geschäft befeuerten. Die Einführung des Farbfernsehens 1967 war ebenso ein Meilenstein, wie die Erfindung der DVD. Auch die nahezu unbegrenzte Programmvielfalt durch Satelliten-TV sollte einen weiteren Boom bescheren.
Doch dann tat sich im neuen Jahrtausend ein Phänomen auf, an dem schon so viele Geschäft zugrunde gegangen sind: Das Internet. Auf einmal war Unterhaltungstechnik so günstig, dass die auch Reparaturen nicht mehr lohnten. In der Betriebseigenen Werkstatt waren einst bis zu drei Fachkräfte beschäftigt, die manch altem Fernseher wieder neues Leben einhauchten oder auch die leise gewordene Hifi-Anlage wieder munter machten.
Seit 1972 hatte Adolf Beuschleins Sohn Kurt Beuschlein die Geschäfte mit der gleichen Hingabe wie sein Vater weiter geführt. Er hat schon vor dieser Zeit die erste „Schallplatten-Kabine“ Schweinfurts zum Probehören gebaut, die aus Platzgründen später auf sechs Plätze mit Lederbarhockern abgeändert wurde. Schon seit 1964 gab es einen schallgedämmten Raum zum Testhören für Musikboxen. Hier war ungestörter Musikgenuß garantiert – ohne störende Einflüsse von außen. Schließlich war es nicht nur die Musik für die junge Generation, die der Tonträger-Bereich bereit hielt. Auch für sein großes Repertoire an Klassik und Jazz war Elektro Beuschlein beim Kenner geschätzt.
Über 20 Personen waren in den Spitzenzeiten bei Elektro Beuschlein zu Beginn der 70er Jahre beschäftigt. Auch Jazz-Trompeter Oscar Peterson unde Gospel-Legende Mahilia Jackson hat Kurt Beuschlein schon persönlich getroffen. Sie alle waren begeistert über den großen Musikfan, der seine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Eine Leidenschaft, die im Zeitalter des schnellen Internet keinen Platz mehr hat.
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