Die SKF Gruppe eröffnet leistungsfähigstes Großlager-Prüfzentrum der Welt am Standort Schweinfurt - Sven Wingquist Test Center offiziell eingeweiht

  Im Jahr 1907 erfand Sven Wingquist das zweireihige Pendelkugellager. Damit begründete er die weltweite Erfolgsgeschichte von SKF. „Heute führen wir Sven Wingquists Tradition als innovativer Technologiepionier mit einem bahnbrechenden Meilenstein fort“, so SKF Konzernchef Alrik Danielson bei der Eröffnung des Prüfzentrums. „Wir haben hier definitiv etwas geschaffen, das absolut zukunftsweisend ist!“
Konzentrierte XXL-Strategie
SKF hat am Standort gezielt hochqualifizierte Kompetenzen gebündelt: Seit 1990 gibt es hier die erforderliche „XXL-Infrastruktur“, z. B. in Fertigungstechnologie, Material- und Großlagertransport oder auch Verpackungs- und Versandlogistik. Auch Produktentwicklung und -konstruktion sowie Kundenberatung und Anwendungstechnik sind „vor Ort“. „Rund 120 Millionen Euro haben wir bereits bis 2009 in die hiesige Großlager-Fertigung investiert“, erinnerte Danielson. „Jetzt fügen wir den letzten ,Puzzlestein‘ hinzu. Das ‚Großlager-Kompetenzzentrum‘ in Schweinfurt ist komplett - zum Nutzen unserer Kunden.“
Grundlagenforschung auch nach 110 Jahren
Auf zwei Prüfständen werden nun Großlager extremen Belastungen ausgesetzt. „Auch modernste Simulationsprogramme können nicht alle im praktischen Betrieb auftauchenden dynamischen Prozesse realitätsgetreu abbilden“, erläuterte Dr. Victoria Van Camp, im SKF Konzernvorstand zuständig für Technologie-, Geschäfts- und Produktentwicklung. „Solche Phänomene wollen wir mit unseren neuen Prüfständen aufspüren. Das ist Grundlagenforschung – selbst nach 110 Jahren noch“, so Van Camp. Gleichzeitig solle das Prüfzentrum dazu genutzt werden, die Zustandsüberwachungstechnik des Unternehmens zu optimieren, um die „Industrie 4.0“-Aktivitäten von SKF voranzutreiben.

Ein gigantischer Prüfstand testet Großlager mit Schwerpunkt Windenergie-Anwendungen. „Er ist der weltweit erste, der nicht nur ein einzelnes Hauptlager für Windturbinen testen kann, sondern gleich eine komplette Lagerungseinheit, also inklusive der Komponenten des Kunden“, berichtete Dr. Martin Göbel, als Manager Global Testing bei SKF für das Gesamtprojekt verantwortlich. Dabei ist der Prüfstand bereits auf Konstruktionen vorbereitet, wie sie beispielsweise für künftige Turbinen von 10 MW und mehr zu erwarten sind. Er kann Lager mit einem Außendurchmesser von bis zu sechs Metern aufnehmen und sie in alle Richtungen dynamisch mit Kräften beaufschlagen.

Der zweite, etwas kleinere Prüfstand treibt Großlager für Anwendungsgebiete wie den Schiffbau, den Bergbau, die Papierindustrie oder auch den Zement- und Stahlsektor an ihre absoluten Belastungsgrenzen – mit Kräften von gut einem halben Dutzend Meganewton. „Das ist etwa so viel wie ein einzelnes Triebwerk der Saturn V-Mondrakete“, veranschaulicht Göbel. “Hier können wir auch die tribologischen Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Schmierungsbedingungen und verschiedenen Lager-Designs bzw. -Materialien besser verstehen“, erklärte er weiter.
Höhere Leistung, weniger Ressourcenverbrauch
Mit diesen Erkenntnissen will SKF kommende Großlager-Generationen so gestalten, dass schon deren Herstellung weniger Ressourcen verbraucht. Martin Johannsmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF GmbH: „Die Tests laufen künftig deutlich schneller. Das spart signifikant Energie, zumal die Prüfstände mit Wärme-Rückgewinnungsanlagen ausgestattet sind.“ Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie hat den größeren „Stresstester“ mit rund 1,9 Mio. Euro gefördert. Den Prüfstand für die Schwerindustrie-Anwendungen unterstützte das Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit ca. 1,6 Mio. Euro. „Ich bin sehr dankbar, dass wir mit dieser Hilfe eine Pionierleistung in Deutschland verwirklichen konnten“, betonte Johannsmann. „So treibt die Politik im eigenen Land eine Zukunftstechnologie, für die es einen globalen Markt gibt.“
Symbol deutscher Umweltpolitik
SKF rechnet damit, dass allein die Erkenntnisse aus dem „kleineren“ Prüfstand helfen können, Tausende von Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr zu vermeiden. „Als Umwelt- und Klimapolitikerin freue ich mich außerordentlich, dass SKF hier ein ebenso innovatives wie ressourcenschonendes Projekt auch mit Fördermitteln des Bundes realisiert hat“, unterstrich die Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber. „Es erfüllt mich mit Stolz, dass wir so diese weltweit einmalige Einrichtung in Deutschland ansiedeln konnten! Wir wollen die Energiewende im Einklang mit der Umwelt, der Wirtschaft und den Bürgern zum Erfolg führen. Dafür ist das Sven Wingquist Test Center ein großartiges Symbol.“
Aushängeschild für die Region
Für Oberbürgermeister Sebastian Remelé ist das Prüfzentrum nicht nur ein klares Bekenntnis von SKF zum Wirtschaftsstandort Schweinfurt, sondern auch ein Aushängeschild für die gesamte Region: „Denn an der Entstehung des Zentrums haben viele Firmen aus der unmittelbaren Umgebung mitgewirkt“, betonte Remelé. „Sie haben Schweinfurts Zukunft als unangefochtenes Zentrum der europäischen Wälzlagerindustrie weiter gefestigt!“
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