Die Glosse zur durch Poppenlauer getriebenen Sau – Von Redaktionsleiter Daniel Wiener

- ACHTUNG GLOSSE! -

Der Mensch und das Schwein sind nicht nur organisch ähnlich. Sie verbindet eine lange Tradition. Schon seit Menschengedenken lebten Mensch und Schwein in unmittelbarer Nähe. Weniger aus Sympathie, vielmehr als Nahrungsnachschub für den Menschen. Vielerei Redensarten sind durch diese wohl älteste Nachbarschaft der Menschheitsgeschichte entstanden. Der Mensch hat seinem Lieblingstier dann irgendwann einmal in den Status des Glücksbringers erhoben. „Schwein gehabt“ sagt man seitdem, wenn jemand unglaubliches Glück gehabt hatte und "sauwohl" fühlt man sich, wenn es einem gar nicht besser gehen kann. Ist jemand total unbekannt, dann kennt ihn eben "keine Sau".
Doch meistens war die Verbindung zum Schwein negativ behaftet. „Drecksau“ steht für überbordende Verschmutzung. Auch wenn es „saukalt“ draußen ist, ist es eher unangenehm. „Saublöd“ wenn etwas gelaufen ist, dann war viel Pech dabei.Saublöd ist es im Sinne des Wortes wenn sich Tierschützer nun darüber aufregen, dass in Poppenlauer eine „Sau durchs Dorf getrieben“ wurde. Die dortige Cocks-Innung lehnte sich dabei aber nur an die traditionelle Herkunft des Sprichwortes an, denn die Sau wurde gar nicht „getrieben“, sondern in einem Spezialanhänger zur Schlachtbank vorgefahren, begleitet von einem feierlichen Zug und Blasmusik. Ihr Grunzen soll – so ein Ohrzeuge – dabei eher vergnügt, als hysterisch geklungen haben. Am Zielort angekommen wurde sie fachmännisch von einem zugelassenen Metzger zerlegt und hygienisch einwandfrei zubereitet. Es erging der vorher in einem Poppenlauerer Stall für diesen Zweck von Hand gemästeten Sau also wesentlich komfortabler als Millionen ihrer Artgenossen, die hunderte Kilometer quer durch Europa in vollgepferchten Viehanhängern gekarrt und dann maschinell abgeschlachtet werden.
Und weil dieser schon fast 100 Jahre alter Brauch, anders als medizinisch zweifelhafte Beschneidungen in Hinterzimmern oder gar Genitalverstümmelungen nicht unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit durchgeführt wird, sondern als feierliche fränkische Tradition, hat er nun Ärger bekommen. Nicht etwa von koscher predigenden Glaubensführern, sondern deutschen Tierschützern. So bleibt am Ende nur zu hoffen, dass ein weiteres Sprichwort zutrifft: „Es interessiert keine Sau!“
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.